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Zweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

M- 103. Kassel, Donnerstag, den 30. August 1849«

Die neue heilige Allianz.

In Warschau, im Heerlager deS europäischen Knuten- regimentö von Gottesgnaden , unter den Auspizien des Jupi­ter optimus maximus augustus (des heiligen, allererhaben- ften, allerbesten Obergottes) der Knutologie halten sie ihre Zu­sammenkunft und ihre Berathung.

Und wie sie einstmals im Namen Gottes, d. h. im Namen des GotteS, zu dem sie beten, diese Schänder des wahrhaftigen GotteS von Himmel und Erden, wie sie einst­mals im Namen ihres GotteS jenes Bündniß schlossen, ge­nannt die heilige Allianz jenes Bündniß zur Unterdrückung, zur Vernichtung der Wahrheit und Freiheit, eine Lästerung des wahren lebendigen Gottes mit dessen Hülfe sie die blutende Menschheit Europas Jahrzente lang gegeiselt und zer­fleischt: ebenso wollen sie diesmal eine neueheilige" Allianz stiften, nachdem dies alte Bündniß der Hölle vom Hauche de 6 erwachenden Völkermorgens zusammengestürzt ist.

Zur Ehre ihres Gottes werden sie Europa unter sich thei­len und alle jene Staaten vernichten, die, wie die Schweiz, frei waren, oder wie die kleineren deutschen Staaten den Be­weis gegeben haben, daß sie sein wollen.

Die deutsche Dreikönigsverfassung erhält durch diese Ver­handlungen einen neuen Stoß. Es wird Preußen unter ge­wissen Bedingungen nun um so leichter werden, jede Mit­regentschaft Hannovers und Sachsens von sich zu weisen, und unbedingt, rasch und entschlossen Deutschland in sich aufzunehmen.

Diese Dreikönigsverfaffung mit ihrem Reichstag ist noch viel zu revolutionär, daß man sie nicht gern morgen ver­nichtete !

Bereits vernimmt man von einer Versöhnung Oesterreichs und Preußens, von Zugeständnissen auf beiden Seiten.

Selbst die ungarischen Verhandlungen hängen mit diesem Kongreß zusammen. Der grausame Czaar steht auf Seiten der Ungarn, für Erhaltung ihrer Nationalselbstständigkeit ~~ £m Oesterreich zu schwächen

Dce Revolution der Demokratie mußte gemeinsam unterdrückt werden. Aber Oesterreich muß ohnmächtig blei- ben. Darum muß Preußen vergrößert werden, um mit desto größerer Gewalt die deutsche Demokratie erwürgen zu können, und um Oesterreichs Vergrößerung und Machtvermehrung in Deutschland zu verhindern.

Denn auf den Trümmern des österreichischen StaateS soll dereinst der große Staat der slavischen Nationen erwachsen, Rußland an der Spitze. Oesterreich darf das allmäh­

liche Wachsthum dieses russischen Ideals der Zukunft nicht stören, darf namentlich nicht die Gewalt Rußlands in den Do- nauländern und am schwarzen Meere verhindern.

Oesterreich ist verloren.

Die genaueren Einzelheiten der europäischen Despoten­pläne sind natürlich in tiefeS Dunkel gehüllt, und selbst bei den unter sich wieder so mißtrauischen, so feindlichen Genos- sen gewiß nicht ganz fest bestimmt.

Aber daß solche Pläne eristiren, ist nicht zu bezweifeln.

Männern freilich, wie den Gothaer Ausreißern, den Helden des ewigen Vertrauens und des Hasenpaniers, kommt die Sache komisch vor. Aber ihre kurzen Gedanken haben ihnen schon so viele Täuschungen bereitet, und ihre Feigheit, mit der sie die Wahrheit umgangeu, um nur nicht für sie streiten zu müssen, hat auf sie so viel Schmach, so viele Demüthi­gungen gehäuft, daß sie für uns wenigstens nicht mehr eristiren.

Von England, dem Feinde Rußlands, daS am meisten in diese Warschauer Pläne eingeweiht worden, kommen uns die ersten Nachrichten über die Einzelnheiten deS Bündnisses der Völkerwürger, mit denen jetzt auch Frankreich unter seiner ehr­losen Regierung Freundschaft schließen muß, um vielleicht jämmerlich dabei betrogen zu werden.

Wir lassen sie hier folgen, nicht weil sie buchstäblich so sein werden, sondern weil sie in ihrem Hauptinhalt auf alle Fälle so sind, und weil eS an der Demokratie ist, auf der Wacht zu stehn gegen den Gesammtfeind, um seine Pläne zu vernichten.

Die neue heilige Allianz, welche in diesen letzten Tagen von den Gesandten verschiedener Großmächte in War­schau verabredet worden, wird auf der folgenden Ba­sis hergestellt:

Der ostensible Zweck der neuen Allianz der Großmächte ist die Unterdrückung der revolutionären Tendenzen in ganz Europa.

Die neue heilige Allianz wird gegründet durch ein Of­fensiv- und Defensiv-Bündniß zwischen Oesterreich, Rußland, Frankreich, Baiern , den päpstlichen Staaten, Neapel und even­tuell Sardinien.

Preußen wird der Eintritt angeboten â prendre ou â refuser. Die hohen kontrahirenden Mächte zweifeln indessen keinen Augenblick an Preußens Beitritt, durch welchen der Bund erst wirklich fertig konstituirt wird.

Der Bund erreicht seinen Zweck vornehmlich durch die Vernichtung deS jetzigen völkerrechtswidrigen Bestandes der Schweiz, dann durch eine Gebietövertheilung Deutschlands, in Folge deren die kleineren Staaten, die Pflanzschulen deS Ra-