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«Zweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

$- 102. Kassel. Dienstag, den 28. August 1849.

Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart

7.

Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.

Preußen soll von nun an in Deutschland aufgehn."

(Fortsetzung)

So hatte beim der König selbst Wünschen und Bestrebungen ein neues Leben und einen stürmischen Aufschwung gegeben, deren Nichtbefriedigung die Revolution früher oder später nothwendig machte.

Die preußische Politik hatte von nun alle Hände voll zu thun, durch Abwehren und politische Verfolgungen die Stimmen der Aufgeregten zum Schweigen zu bringen, und durch auf Jahr und Tag hinausgeschobene Versprechungen das königl. An sehn nicht durch offen eingestandenen Wortbruch in den Augen deS Volks ganz zu vernichten, und die Gemüther zu beruhigen.

Als der König zu spät erkannte, daß man königl. Worte doch gar zu sehr im Gedächtniß behielt, und daß man Mehr verlange, alö seine religiösen Grundsätze zu gewähren erlaub­ten, warf er sich mit der ganzen Lebhaftigkeit seines Wesens auf die Kultur der Künste und Wissenschaften.

Mit der Wissenschaft war es bald vorbei.

Der gute König hatte von Hauö aus namentlich gegen eine Wissenschaft eine große Abneigung, das war die Ph ilosophie.

Diese Tochter deS Himmels führt zu starke Blitze in ihrer Rechten, alö daß ein dummgläubigeö Auge ihren Glanz er­tragen, als daß die Dunkelheit des gemüthlichen Aberglaubens vor ihr bestehen könnte. DaS Schwert, daö sie trägt, ist schärfer, als allehaarscharfen" Waffen der Reaktion.

Und diese Tochter des ZeuS schleuderte bereits ihre Don­nerkeile nach dem schwankenden Gebäude des alten Absolutis­mus und des Dlindglaubenö ; sie griff mit kühner Hand nach Kronen und Priesterdiaren ; sie, die daSGött liche begrei ft, kann das Menschliche nicht schonen.

Man hatte einst diese gefährliche Feindin der Tyrannei und der Dummheit am eigenen Busen gehegt und gepflegt. Hegel, der unbesiegbare Held der Logik, hatte in Berlin, in der Residenz der Hohenzollern, den Gedanken entwickelt.

Aber freilich, es war ja nur der Gedanken; als er zur That werden wollte, wurde er in die Acht erklärt.

Sogar einem Fürsten, und namentlich einem Hohenzollern, einem Kind der Rebellion gegen Kaiser und Reich, steht eS

wohl an, zuweilen in Gedanken zu revolutioniren, selbst einer hohen Büreaukratie mag cs vergönnt sein, dann und wann in Gedanken an Thron und Altar zu rütteln.

Es läßt so frei, so kühn und so ritterlich. Es gibt die­sem alten, verfaulten Staatswesen einen so wünschenöwerthen Anstrich von Selbständigkeit, Kraft und Lebendigkeit.

Kurz zum Kokettiren, zum Parliren, zum Deklamiren nimmt man Alles zu Hülfe, warum also nicht die Philosophie, die erbitterte Gegnerin des Scheins, der Hohlheit, der Phrase«, der Lüge und der Energielosigkeit.

Freilich, jene finstern, strengen und tapfern Schulen der Pietisten und Ultramontanen, der Hengstenberge, Thiele und Gerlach in Berlin, und der Görres in München, haben das nie gethan. Sie sind königlicher als der König und päpst­licher als der Papst! Ehre den ehrlichen, den ent­schiedenen Gegnern!

Aber die Haltlosigkeit eineâ Manteuffel, dieser ächten Blüthe der preußischen saft- und kraftlosen, listigen, herzlosen und so hohlköpfigen Beamtenwelt, die glatte Oberflächlich­keit solcher Männer spielt mit Gift und Dolch alö inhaltlosen Formen, warum nicht mit den Formen der alle Nichtig­keit vernichtenden Idee?

Und Friedrich Wilhelm IV. ist viel zu sehr Lebemann, viel zu sehr Mann deö Augenblicks und der Eindrücke seiner Um­gebung, als daß er nicht auch diese Moden seines schwarz­weißen Büreauadelö hätte mitmachen sollen. Es war bon ton!

Wer wird die Konsequenz in'ü Absurde treiben, und auâ dem Gedanken die That schmieden? Das ist nur die unge­bildete, rücksichtslose Manier jeneö nicht mit golvenen Ordenâ- sternen und Schnupftabaksdosen beehrten, nicht mit gestickten Lakaienröcken verbrämten VolkspöbelS, der vor lauter Wahr­heitsliebe die weise Vorsicht der Diät vergißt: Allzuviel ist ungesund!

Ein König weiß ab und zu zu thun! und seine Mi­nister dito! Und wenn besagter Pöbel Dies nicht gutwillig anerkennt und sich danach achtet, so wird ihm auf die Finger geklopft.

So klopfte denn Friedrich Wilhelm den Nachfolgern He- gel's auf die Finger, alö sie die Konsequenzen der Hegel'schen Lehren ziehen wollten, als sie auf die Politik, auf Religio», auf die sozialen Zustände mit der Schärfe der unerbittlichen Kritik eingingen.

Da gab plötzlich weder Lehr- noch Lernfreiheit. Herr Eichhorn, der dienstfertige Minister deö Unterrichts, war so­fort bei der Hand mit beruhigenden Maaßregelungen. Ruge, der bekannte Deputirte der Linken in der Frankfurter National­versammlung, wurde mit seiner gefährlichen Zeitschrrst, in