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Die Mornisse.

Naum, Ahr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele I"

H- lOO.

Kassel, Donnerstag, den 23. August

1849.

Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart.

6.

Preußens Politik.

Suum cuique.

Nachdem Friedrich II. von Preußen im siebenjährigen Kriege den Grund zu der Großmacht Preußen gelegt hatte, war im Stamme Habsburg nach Verlust der schlesischen Provinzen der Trieb nach Vergrößerung auf deutschem Gebiete erwacht. Der Kaiser Joseph II. fühlte, daß er der Uebermacht Preußens in Deutschland ein Gegengewicht durch einen größeren Länder- kompler in Deutschland entgegensetzen müsse.

Auf Kosten BaiernS wollte Joseph II. sein Erbreich ver­größern. Friedrich II. widersetzte sich diesen Plänen auS gu­ten Gründen. Die Erhaltung der Reichsverfassung, die Schüz- zung der minder mächtigen Staaten waren die Rechtègründe, die Eifersucht gegen die Macht Habsburgs der innere Be­weggrund der preußischen Politik.

Damals (1785) hatte Deutschland daS Vorspiel deö heutigen Dreikönigsb un des. Preußen, Hannover und Sachsen schlossen einen engen Bund für die Erhaltung der ReichSverfassung, der Besitzungen und Gerechtsame aller Reichs­stände. Fast sämmtliche nord- und mitteldeutsche Fürsten, darunter Braunschweig und Hessen-Kassel, schlossen sich diesem Fürsten­bunde an. Im Süden nur Baden.

So hatte denn Preußen den zweiten Schritt gegen Oester­reich gethan. Es hatte ein Trutz- und Schutzbündniß deutscher Fürsten unter der Hegemonie Preußens gegen Oesterreich ge- gründet. ES war aus dem offenenRechts "-Kampf ge- gen das HauS Habsburg auf den Boden der friedlichen Rechts­agitation zurückgetreten, um von nun an Schritt für Schritt den Einfluß, den früher Oesterreich auf die Gesammtleitung Deutschlands gehabt, allein an das Haus Hohenzollern zu fesseln.

Die französische Revolution erschütterte die gleichmäßig fortschreitende Entwickelung dieser Bestrebungen; sieenthüllte sehr bald das wahre Wesen der preußischen Politik.

Von der Erhaltung der Reichsverfassung, vom Schutz der Besitzungen und Gerechtsame aller Reichsstände war gar bald keine Rede mehr, als die Möglichkeit erschien, durch Frank- reich schnell, wenn auch gewaltsam, das erreichen zu können, was man sonst durch langsame Agitation vielleicht erst nach Jahrzehnten erreichen konnte.

So schloß Friedrich Wilhelm II. nach kurzem Kampf mit der französischen Republik den Sonderfrieden zu Basel (1795), ohne Kaiser und Reich zu fragen; er gab seine eigenen wie die Länder der Reichsstände auf dem linken Rheinufer preiß, um dafür nach den Bestimmungen des Rastatter Kon­gresses sich doppelt und dreifach durch fäcularisirte Biöthümer und Abteien zu entschädigen.

Zugleich gab der Separatfrieden zu Basel ungestörte Muße, durch eine neue Theilung Polens im Osten gegen den furcht­baren Feind im Westen sich zu kräftigen. Zu diesem Raub- geschaft finden wir Rußland, Oesterreich und Preußen friedlich vereinigt; der Hader zwischen Oesterreich und Preußen bricht jedoch sofort aus, als es an die Theilung geht. Beide Höfe zankten sich um einige Fetzen Landes fast ein ganzes Jahr lang.

Gegen Frankreich beobachtete Preußen vom Jahr 1795 an eine ebenso gefahrvolle wie schmähliche Neutralität. Die ver­lassenen kleineren Fürsten wurden dadurch ohne weiteres zum Bündniß mit Frankreich und zur Stiftung deö Rheinbunds gedrängt. Oesterreich freilich wurde durch den Frieden zu Preßburg furchtbar geschwächt; aber an diesen offenbaren Vor­theil für Preußen knüpfte sich die Vergrößerung BaiernS und die Nebenbuhlerschaft von so und so'viel deutschen Fürsten, die durch Annahme der Königskrone sich Preußen gleichzustellen suchten.

Aber man hatte Hoffnung, daß man durch diese schmachvolle Neutralität das Königreich Hannover von Napoleon zum Ge­schenk erhalten könne. Napoleon jedoch köderte die Ländergier der Hohenzollern nur, um sie schmählich zu enttäuschen, nach­dem er sich so lange Ruhe erkauft hatte, als er sie gerade brauchte.

Da endlich ermannte sich Preußen zur Rache gegen den grausamen Hohn, den der Eroberer mit seinen Lieblingswün­schen getrieben, es lieferte die unglückliche Schlacht bei Jena und der Tilsiter Frieden machte die Großmacht Preu­ßen um 5 Millionen Unterthanen und 3215 Quadratmeilen ärmer.

So war über Preußen daö verdiente Strafgericht hereingebrochen. Und es wurde offenbar, waâ Hoffmann von Fallersleben dichtet:

Soll es erst die Nachwelt sagen, Was die Mitwelt hat gedacht?

Daß daâ fünfte Rad am Wagen Ist Europas fünfte Macht.

Aber gerade im unablässigen Streben nach der Verwirkli­chung der ersehnten Macht sucht das HauS Hohenzollern seines Gleichen. Besaß eS auch nur einen Friedrich den Großen, so hat eS doch mehr als einen Fürsten gehabt, der die größte