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Erste Beilage zu Nummer 98 derHornisse".

ich Stoiker! Eberhard ist zurückgerufen, Schenk und Wip­permann , Baumbach und Bödicker, Alle sind da, und aber­mals seit zwei Tagen neue Unterhandlungen, und noch immer keine Aussicht auf ein Ende, und wieder Hr. v. DchnNoth- felser im PalaiS. O heilige Sanftmuth! Wenn diesen Män­ner» der Ordnung und dcü Friedens nicht endlich die Geduld reißt, dann sind sic Götter, wenn sie nicht etwa Schwäch- linge sind. Den ganzen Tag Ausschuß, und immer nach Wilhelmshöhe, und wieder nach Wilhelmöhöhe, und wieder Ausschuß, und abermals neue Adressen mit härteren Worte», und immer, immer in erhabener Ruhe über dem zitternden Treiben daü majestätisch furchtbar schöne Meteor

der LkristS

Ja, in einem konstitutionellen Staate kann der Fürst nur nach den Vorschriften der Gesetze handeln. O freilich! frei­lich! ES gibt nämlich kein Gesetz, daS einen Termin für eine Ministerkrisis bestimmt. Und wenn Se. kön. Hoheit ein Jahr Krisis machen, ist immer noch gesetzlich.

Freilich, konstitutionelle Staatshaubluugen kann man in­zwischen nicht vornehmen. Ist auch nicht nöthig. So lange der kurhessische Michel die Steuern zahlt, geht Alles vortrefflich. Und daß er die zahlt, dafür sorgt Ver Steuererheber und seine Dummheit.

O selig, selig, wer in einem konstitutionellen Staate lebt. Alles geht da in ewiger Ordnung ; die Maschine arbeitet wei­ter, wenn auch die Arbeiter fehlen, wenn nur die Schmiere da ist.

Wer wagt hier von Anarchie zu sprechen? Die Neu- preußisch-Hessische? Ueber ihr Haupt die Strafe!

DaS soll nun eine Niederlage der Demokratie sein. TLenn Preußen nicht wäre, so wäre es der Sieg!

Es bleibt eine ewige Wahrheit, daß politische Blindheit nie­mals abnimmt, bis endlich der schwarze Staar folgt. Einen Konstitutionellen zu überzeugen, daß doppeltes Spiel gespielt wird in Berlin und überall, ist eben so unmöglich, als einen Stein in Brod zu verwandeln.Der preußische Mini­ster Manteuffel ist Beschützer unseres Eberhards, folglich ein Freund der Freiheit", so lautet ihr Feldgeschrci. Eine schöne Logik, und dazu ein falscher Grund­satz. Eberhard ist nicht mehr aufrichtiger Freund der Freiheit, und Manteuffel ist ebensowenig ein aufrichtiger Freund von Eberhard und vom konstitutionellen Prinzip. Wie wäre eS aber, wenn Hr. von Schleinitz und Graf von Brandenburg gute Freunde vom Hrn. v. Dehn-Rothfclser wären? Him- viel! waS sagen Sie?" Fallen Sie nicht in Ohnmacht, konstitutioneller Leser! Hr v. Schleinitz ist zwar der Feind Mantcuffel'S und seiner Politik; daS preußische Ministerium besteht also auS zwei feindlichen Parteien, aber noch sucht man diese Spaltung zu verwischen; noch ist die Partei Ma nteuf- fel, die juristischen Scheinkonstitutionellen, nicht ohne Einfluß. DaS erhellt auö der Wahl SimsonS, deö Gothaer AuSreißerö, zum Vicepräsident der zweiten Kammer in Berlin, den Man­teuffel hinter dem Rücken der Pietisten zur Belohnung seiner AuSreißerei durch seine Partei hat wählen lassen. Branden­burg war wüthend.

_ Aber Manteuffel s Fall wird schon kominen! Und auâ der ^cheinaufrichtigkeit des KonstitutionaliSmuS werden wir in die Aufrichtigkeit des christlich-germanischen StaatS von Hengsten­berg, Leo, Gerlach und Konsorten, werden wir in das Eldo­rado der gottwohlgefälligen Kreuzzeitung einkehren.

Dank unserm Eberhard, den ObersinonS und SiuonS, und den sonstigen ReichStölpeln!

Wenn Preußen Truppen in die Provinz Hanau legen will, weil Baiern an der Grenze stehen, so erinnert sich sicher an den Traktat, den Baiern am 3. Juni 1814 mit den ver­bündeten Mächten in Paris geschlossen hatte. Darin wurde ihm gegen Abtretungen an Oesterreich außer Würzburg und andern Landstrecken, die cS nachher erhalten, noch zugcsagt Frankfurt und Mainz.

Auf dem Wiener Kongreß (1814 und 1815) erhielt Bai­ern von Oesterreich außerdem die Zusage, daß eS Stücke von Würtcmbcrg, Baden, Hessen-Darmstadt und namentlich Ha­nau und Fulda erhalten solle.

Baiern hat diese Zusagen und die Hoffnung auf deren Erfüllung ebensowenig vergessen, als seine Anwartschaft auf die badische Rheinpfalz (jetzt der UntLrrheiukreiS in Baden), die ihmnach Erlöschung der direkten Linie deS re­gierenden Großherzogâ von Baden" zurückfallen sollten. Met­ternich hat ihm durch die Legitimitätserklärung deö jetzigen GroßherzogS von Baden einen Streich gespielt. Oesterreich hat diesen Fehler gut zu machen. Der König Ludwig Hal oftmals mit sehnsüchtigen Blicken von Ludwigâhafen nach seiner Vaterstadt Mannheim hinübergeschaut.

Alle diese politischen Wünsche und Zusagen sind wieder erwacht, Und man weiß nicht, wie weit Preußen sie be­günstigen oder bekämpfen wird.

Ebensogut, wie man sich dieser Geschichten erinnert, möchte sich aber auch der Kurfürst von Hessen der alten Lieblings- Pläne von 1814 von Preußen erinnern, mit dem Gewinn von Kurhcssen eine unmittelbare Verbindung zwischen seinen ge- theilten Provinzen herzustellen.

Die Hannöverschen Truppen an der hessischen Gränze kön­nen ebensogut gegen Hessen wie gegen die Preußen und gegen die schrecklichen Kasselaner berechnet sein. Auf keinen Fall konnte dem Kurfürsten gerathen scheinen, die Residenz von Truppen zu entblößen, als die Minister statt preußischer Trup­pen kurhessische nach Hanau legen wollten. ES gibt einen tiefen politischen Grund dafür, wenn auch die Neuhessische daâ Pnradctvefcn für den einzigen hält. Der Grund ist der, wenn 'mal preußische oder hannöversche Truppen in der Haupt­stadt sitzen, und daS werden sie beim ersten Scheinkrawall, so sitzen sie fest; daö schöne Beispiel von Zjähriger Besatzung, wie in Baden, reizt sehr zur Nachfolge.

Die Hauptsache ist nicht, daß die Truppen nicht nach Ha­nau sollten, sondern daß sie nicht auS Kassel sollten.

Man muß dem Kurfürsten vollkommen Recht geben, wenn ihn solche Gründe bestimmten, die er vielleicht unter der Vor­gabe verbarg, daß er Unordnungen in Kassel befürchte. Er kann weniger Unordnungen befürchten, als die fremde Be­satzung, welche unter dem Vorwand der Wiederherstellung der Ordnung einrücken würde.

Daher ist denn durch die Rückkehr der Truppen auâ Schles­wig-Holstein die ganze Ministerkrisis beseitigt, wenn nicht noch etwas Neues hinzutrüt; wie scheint, Bedingungen hier und Sicherstellungen da.

Unsere Märzliberalen sind nicht gewohnt, die Sache von dieser Seite zu betrachten, die nur denen geläufig ist, die nicht Schüler deS blinden Vertrauens, sondern des unbeding­ten Mißtrauens sind, waâ die Diplomatie betrifft.

Da heißt'S: versprich Alles und halte Nichts. Schließ Bündniß mit Preußen, und erfülle keine BuudeSpflich t, denn daâ Bündniß ist gezwungen, und kommt Zeit, kommt Nath.

Mârzmänner können sich nicht leicht in diesen labyrinthischen Zuständen orientiern.