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künftige Größe, Macht und Selbstständigkeit, als durch jene protestantische Großmacht, die als das Kind der Revolution in sich die Revolution bis zur äußersten Konsequenz erfüllen muß, sie mag wollen oder nicht.
Das gesammte deutsche Volk fühlt die Nothwendigkeit, die Unabwendbarkeit dieser Entwickelung lebhaft genug.
Preußen erobert Deutschland; dafür erobert Deutschland das alte Preußen. — Zögernd, heimtückisch und hinterlistig schreitet die preußische Königsfamilie auf dem Wege voran, den ihnen die Bestimmung ihres Landes und die Entwickelung der deutschen Nation aufdrängt. Voll Scheu, voll Furcht vor der Revolution, die sie selbst geboren, mit der sie liebäugeln mußte, um so weit zu kommen, — als Apostat der Tapferkeit und des Heldenmuths ihres großen Vorfahren, als kleiner Erbe seiner schweren, immensen politischen Verlaffenschaft sucht sie durch die List seinen Muth zu ersetzen und damit dieselben Erfolge; zugleich sucht sie mit der christlich-germanischen Rechts idee der Gottbegnadigung, welche sie dem freien, über der Religion stehenden Staat Friedrichs II. untergeschoben, der erwachsenen Revolution, die jetzt von den Fürsten auf die Völker übergegangen ist, eiserne Zügel anzulegen.
Wie nur diese Hohenzollern so leicht vergessen können, wer ihnen ihre Königskrone auf's Haupt gesetzt; und wie nur die Rebellion ihres Ahnherrn ihnen eine Majestät erobert, die sie nun vom Himmel ableiten wollen, weil sie zu ohnmächtig sind, sie, wie jener, aus der Kraft ihres eignen Geistes zu behaupten, und zu verhaßt, sie als vom Volke empfangen darstellen zu können.
Die deutsche Nation ist abernicht so vergeßlich. Sie wird einst jene Krone zurückfordern, die kraft der Reichs- Hoheit einem deutschen Vasallen überantwortet ist, der sie nur empfing, um ihren Ursprung zu verleugnen, der sie trug für sich, nicht für das Vaterland, und der sie so lange nur.tragen soll, bis das revolutionäre Deutschland, das deutsche Volk so mächtig durch die Mithülfe dieses Vasallen selbst geworden ist, daß es ein Geschenk mit derselben Leichtigkeit zurücknimmt, mit welcher der Stellvertreter seiner Hoheit, der deutsche Kaiser, es einst verliehen hat.
G. Kellner.
Politische Wochenschau.
Frankreich. Waö man schon längst erwartet hat, ist endlich geschehn. In der Nationalversammlung hat's Prügel gegeben. Der Staatsprokurator verlangte die Erlaubniß zur Verfolgung zweier Deputirten des BergS, Richard et und Sommier. Man verlas einen Artikel ans Richardct's Journal, der den Grund der Verfolgung abgab. ES wurde darin über den Präsidenten von Frankreich gespottet und gehöhnt. Plötzlich entsteht ein furchtbarer Tumult. Der Vetter deS Präsidenten, Peter Napoleon, hatte den Deputirten Gassicr vom Berg, einen Greis von 70 Jahren, geohrfeigt , weil dieser Beifall gerufen. Souveräner napoleonischer Ucbermuth! Der Präsident Düpin wollte sofort den Thäter und den Dulder höchst unparteiisch den Gerichtsbehörden überliefern. Doch selbst Abgeordneten der Rechten erwachte das Schamgefühl, und der Geohrfeigte blieb verschont.
Dieses neue Attentat gegen die Ehre der Versammlung zeigt nicht blos von dem Napoleonischen Gottesgnadenbewußtsein , sondern auch von der Wuth, mit welcher sich die verschiedenen Parteien gegenüberstehn. Peter Napoleon gehört zu der Rechten, obgleich er früher mit der Linken kokettirte. Seinen Platz auf der Linken hat jetzt Napoleon Bonaparte eingenommen.
Die Versammlung hat sich endlich vertagt auf unbestimmte
Zeit. Die Heldenthaten ihrer dreimonatlichen Thätigkeit sind: Unterdrückung der Preßfreiheit, Vernichtung des freien Versammlungsrechts, Belagerungszustand über ganz Frankreich, Auslieferung von 40 Depulirten des Bergs an die Justiz, Sklavendienste für die Reaktion in Italien und in ganz Europa durch das Bombardement von Rom, durch die Wiedereinsetzung deS Pfaffenregiments, durch das Einverständniß mit Panduren und Kroaten und mit dem Kartätschenbourbon von Neapel. — Ueber den Belagerungszustand hat sie noch kurz Lor ihrem Einschlafen auf einige Monate ein haarsträubendes Reglement gegeben, wonach, wie in Baden, die Presse bei einem solchen Zustand ebenfalls vom Standrecht gemaßregelt werden soll. Ja, ja! Es bleibt nichts Anderes übrig. Der Säbel muß konsequent zur Herrschaft gebracht werden.
Jetzt, wo man alle Augenblick methodisch zum beliebten System der Ruhe und Ordnung, zur Belagerung zurückkehren kann, jetzt, wo die Nationalversammlung nach Hause geht, hat man vor der Hand in Paris den Belagerungszustand aufgehoben. Selbst in Berlin hebt man ihn beim Zusammentritt der Kammern scheinbar wenigstens auf. Die Bourgeois Frankreichs sind noch schaamloser, wie die rothen Monarchisten Deutschlands. Der Finanzminister Passy hat ihnen zum Abschied noch einen neuen panischen Schrecken eingejagt. Er verlangt eine Einkommensteuer (Klassensteuer) von der Kapitalrente, dem industriellen Einkommen und den Gehalten :c. Sie soll ein Prozent des Einkommens betragen und voraussichtlich 60 Millionen Francs im ersten Jahre liefern. — Passy wird zum Dank für diese unangenehmen Zumuthungen sehr bald seine Ministerstelle verlieren und einer napoleonischen Creatur, dem Dörsenjuden Fould, Platz machen müssen. Auf seine Vorschläge kommen wir später zurück, wie wir uns überhaupt vorbehalten, ausführlich die verschiedenen Steuersysteme zu beleuchten.
Italien. Alles in bester Ordnung. — Infanterie, Ca° Vallerie, Artillerie patrouillirt Tag und Nacht in Rom, damit die Kinder Sr. Heiligkeit nicht in zu lebhaftem Entzücken über Dero eifrige Wiederherstellung ihres himmlischen, segensreichen Regiments die strengen Satzungen militärischer Ordnung verletzen. Drei Kardinäle (della Genga, Vanicelli und Altieri) beschäftigen sich mit dem Wohle der Römer; — in einer Proklamation verheißen sie solche Verbesserungen, „die mit der Würde und Macht deö Papstes verträglich sind!" Diese Art von Verbesserungen sind noch etwas schlimmer, als die bekannten durch Johann Peter Baalhorn. Aber Rom gehört der Welt, eS ist die ewige Stadt (der Knechtschaft!!) spricht der Jesuit Fallour, der französische Minister. ES muß als Hauptstadt der katholischen Christenheit sich unter den Scepter des Papstes beugen; die katholische Welt gebietet'S. Was soll sonst auö dem Papst und aus der Stellvertretung Petri werden?
O alte Stadt der Erinnerungen der erhabensten Größe ; einstmals waren deine Bürger die freiesten, die stolzesten, sie waren die Fürsten der Welt, die Erde war dein Sklave. Furchtbar ist die Wiedervergeltung des Schicksals. Jetzt bist du der Sklave der ganzen Welt, und deine Bürger sind die Knechte des Knechtes der Knechte. — Dem frommen PiuS 1X. ist wohl zu rathen, sich mit tapfern Trabanten zu umringen, sonst möchten die morschen Säulen, die auf diese Knechtschaft gegründet, jählings zusammenbrechen.
Soll Rom nicht frei sein, weil es die Metropole der katholischen Priesterkirche ist, so muß es diese Milchkuh der Pfaffen selbst von sich austreiben und statt dessen das Banner der katholischen Volks- und Staatökirche aufpflanzen. Zweimal hat es selbst die Welt erobert. Die Enkel dieser Helden werden soviel Kraft haben, sich zu befreien, wenn sie von der Welt erobert.