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W o r n i s s e.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"
ML 96.
Kassel, Dienstag, den 14. August
1849.
Die Minister-Entlassung.
„Das Eingehen auf den Sonderbund ist das Ende der März-Ideen, der März- Errungenschaften und des März-Ministeriums."
(Schluß der Rede des Abgeordneten Bayrhoffer in der Sitzung der Srän- dekammer vom 28. Juli.)
DaS Land ist ohne Minister. Was heißt das! — Das heißt, es ist bereits seit drei Tagen im Zustand deS al» ten patriarchalischen Staateâ. Se. Königl. Hoheit, unser Lan- deSvater, sorgen selbst für daS Wohl Ihrer innigst geliebten Unterthanen und Kinder, deren Glück, deren Zufriedenheit fast unerträglich zu werden beginnt.
Die ministerlose, die „schreckliche Zeit" dauert bereits so lange, daß die Hessisch-Neupreußische sich aus ihrer Bestürzung schon soweit gesammelt hat, — und mit ihr die preußisch- hessische Partei, — daß sie förmliche Abhandlungen über Ministerkrisen, Ministerentlassungen u. dergl. passende Ereur- sionen und Rückblicke mit größter Muße entwerfen, schreiben und drucken können.
Sie dauert so lange, daß wir selbst bereits am dritten Band eines voluminösen Werks sind, über „die permanente MinisterkrisiS und über die beständige Anarchie" von Oben im konstitutionellen Staatsleben Deutschlands.
Da uns aber die Neuhessisch-Preußische in ihrer „permanenten " Verzweiflung ins Handwerk pfuscht und sich selbst in ihrer Todesverachtung nicht mehr fürchtet und scheut, uns unsere Lieblingsworte „weg zu stibitzen" und nachzudrucken, namentlich die Worte: permanente MinisterkrisiS und Anarchie von Oben, so halten wir unser Werk noch im Pulte zurück, um zuvor unserer unfreiwilligen Schülerin die Gelegenheit zu geben, sich noch tiefer in die Tinte zu reiten, in die rothe Tinte „permanenter" Wühlerei und Rebellion gegen die „Anarchie" von Oben! —
Ein homerisches Gelächter könnte uns übermannen über die burleske Angst, über den herzzerreißenden Jammer, über die zähneklappernde Tapferkeit der hessischen Preußen. Hohn und Spott, Ironie und SarkaSmuö über diese Helden deS Augenblicks und der Meineide, dieser „unbedingten" Anbeter der Reichsverfassung von Frankfurt, der raschen und entschlossenen Umsattler und Knechte Preußens liegen unS so nahe, daß nur Zorn und Verzweiflung davon zurückhalten kann, wenn man bedenkt, in welch' bodenlosen Sumpf von Charakterlosigkeit dwses sitten- und schaamlose, entmannte Geschlecht versunken ist,
das heute sein Hosiannah jauchzt, und morgen sein
Kreuzige! — das heute seine unbedingten Eide schwört, um sie morgen zu brechen, — das heute Gut und Blut, Leben und Ehre verpfändet, um morgen mit fliegenden Fahnen und mit klingendem Spiel in das Lager des Feindes überzugehen, das von Ehre spricht und Schande thut, — daS nur die Waffen ergreift, um sie zu strecken, — und das trotz alledem und alledem mit frecher Stirn, mit schaamloser Wange, mit jesuitischen Pfiffen seine Großthaten preist, und Lorbeeren für seinen Heldenmuth verlangt.
Ihr habt sie gesäet „ rasch und entschlossen " eure unbedingten Meineide — Betrug und Meineid werdet ihr erndten, — ihr werdet ihn erndten von Oben und von Unten. — Die Fürsten kennen eure Schwäche, sie werden euch dafür züch- tigen, weil sie euch verachten.
Das Volk, vor dessen Augen ihr schwört und wieder abschwört, wendet sich von euch in tiefem Abscheu seiner einfachen Rechtlichkeit, oder eS folgt, wenn es verderbt ist, dem lockenden Beispiel eures sittenlosen und haltlosen Treibens. Was ist Wahrheit? was ist ein gebrochenes Wort? was ist Recht? Beantwortet ihm dieseFragen, wenn ihrden Muth habt! —
Ihr habt die Saat der Tücke und deS Wortbruchü gesäet, und daß euer Saame wuchert, mögt ihr an der Gleichgültigkeit erkennen, mit der die Menge eine jede neue Folge eurer Heldenthaten, jede neue Wendung eures und ihres Geschickes hinnimmt.
Sie weiß, daß die Wahrheit bei euch nicht ist!
Die Entlassung der Minister konnte für Niemanden etwas Ueberraschendes haben, der die Ereignisse der letzen Zeit genau beobachtet hatte, der wußte, daß zwischen ihnen und dem unverantwortlichen Staatsoberhaupte ein entente cordiale nie- mals bestanden, und daß die preußische Partei nur in dem raschen, entschlossenen Verlassen der Reichsverfassung, in einem raschen und entschlossenen Meineid allein ihre Rettung suchte. —
WaS die Minister gefehlt haben während ihrer kurzen und gewiß schwierigen Stellung, kommt nicht ihnen allein zur Last; — cS ist die Schuld und daS Schicksal ihrer ganzen Partei. Sie waren für Kurhessen die Häupter der National- oder Märzpartei, einer Partei, deren Schöpfung, wie bekannt, Deutschland seinen Professoren, seinen Dahlmännern und Bese- lerö verdankt. — Sie haben mit dieser Partei für die VolkS- souveränetät geschwärmt und für die Reichsverfassung von Frankfurt, sie haben eben so schnell wie jene ihr frei errichtetes Banner verlassen, um vor dem Despotismus und vor der Oktroyirung einen schmählichen Kniefall zu thun.
Sie haben schon vorher unbewußt dem Prinzip der Volks-