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fürstlichen, jahrhundertjahralten ausgegohrenen Vollbluts.
Gut, bringt eS an Preußen ! — So hat man doch die Hoffnung, daß auch Preußen einige Maimonate früher, als sonst, reif zum Revolutioniren wird. Bringt nur getrost jene 7000 Mann Rastatter Gefangene auf eure Festungen. So haben wir ein kleines revolutionäres Volksheer mitten im Herzen des königlichen Preußens. Die Zeit wird ihnen die Freiheit bringen und die Waffen! —
Hohenzollern ist bereits als preußisches Erbeigenthum besetzt. Ein neues Plätzchen, von wo aus man sich in Süddeutschland festfreffen kann, wenn nicht Leopold Zähringer ihnen den Streich spielt und wird — österreichisch. Er soll bereits unterhandeln! —
Halbprovinz Kurhessen. Wirklich eine Ministerabdankung; und so bald nach der vermeintlichen Rettung in die Arme Preußens! — Unsere Truppen sollten nach Hanau marschiren, natürlich im Interesse Preußens und gegen ein etwaiges Zuvorkommen der Baiern. So wünschten unsere Minister, so war also der Wunsch Berlins. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Und siehe da! Der Kurfürst hatte keine Lust, den Befehlen Preußens unbedingt und rasch und entschlossen Folge zu leisten, obgleich er den Vertrag zwischen demselben und Kurhessen ohne die Landstände ratisizirt haben soll, wie eö die Neuhessisch-Preußische Zeitung des Obersinon Oetker angibt. Diese arme Geschlagene schnitt gräßliche Fratzen; sie jammerte und wimmerte; dann beschwor sie die Götter und die Menschen, die Pläne der im Finstern Wandelnden zu vereiteln. „Wer wird eö wagen, nach jenem berühmten Eber- hard Minister zu sein, nach jenem großen MärzstaatSmanne! " schrie sie mit drohender Geberde und mit heimlichem Zähneklappern. „Dehn-Rothselser etwa? — Er war im PalaiS! Ha.....!" u. s. w.
Gedenket der Worte der Demokraten: „Das Ministerium wird fallen, ob es die Freiheit verräth oder nicht! so falle es dann mit Ehren!" — Es siel mit Schanden! Es verschwand unbeachtet, wie ein verglimmendes Talglicht! —
Nur die Reichötölpel sielen in Ohnmacht, die SinonS, die raschen und entschlossenen Männer der That; die grinzende Majorität der schweigenden — Vernunft! — Mit ihnen der 1^ Mann starke Bürgerverein, der in einem kläglichen Epistel an den Kurfürsten winselt:
„Entziehen Sie uns diese Männer nicht!"
Wie begossene Pudel laufen nebenbei die Offiziere der Bürgerdarde in der Residenz Sr. königl. Hoheit umher, in jedem Begegnenden einen Teufel witternd, der sie frägt, wohin sie bereits gefallen sind. —
In dem Epistel des Bürgervereins heißt es unter Anderm mit wahrhaft pyramidaler Naivität:
„ Es ist lediglich eine durch die äußere Nothwendigkeit und durch das allgemeine Landesinteresse unzweifelhaft gebotene Handlung (nämlich die Truppensendung nach Hanau) der dienstlichen und der BundeSpflicht, eine Maßregel, welche von jedem Ministerium würde auogeführt werden müssen."
O edle, hochgelehrte und fürtressliche Reichstölpel und Obersinons! Darin liegt eben Ihre göttliche Blindheit und Ihre komische Hartnäckigkeit, daß Sie gehorsamst vermeinten, mit dem Bunde wäre es reiner, purer, nackter Ernst! — Trauen Sie sich etwa die Macht zu, dazu die Widerstrebenden zu zwingen?
Rasch und entschlossen! — Dieses Geschrei erhebt nur ein Reichstölpel, wenn es heißt, sich das Scheermesser an den Hals zu setzen.
Soll ein Fürst, in diplomatischen Beziehungen aufgewachsen, sich zu dieser Partei schlagen? — Ist der Selbsterhaltungs
trieb nicht da anzunehmen, wo keine Bürgschaft gegen den Untergang vorliegt? Kennen die Herren die geheimen Verabredungen zwischen den Fürsten Hannovers und Sachsens, Bai- erns und Würtembergs und vielleicht auch Kurhessens, um der Anmaßung preußischer Herrschergelüste zu entrinnen, klüger und gewandter, als dies Reichstölpeln möglich ist? Glauben sie, diese Geheimnisse Deutschlands an die Oeffentlichkeit pressen zu können? —
Euer Ministerium konnte sich noch halten, wenn es wollte, und wenn ihr's ihm erlaubt hättet. — Aber ihr mußtet ihm erlauben, endlich einmal staatsmännisch zu werden und diplomatisch. — Wer mit Schlangen spielen will, muß klug sein, wie sie, nicht blos ohne Arg, wie die blinden Tauben!
Ihr meint, Niemand könne und werde den Ministern Eberhard und Wippermann folgen! — Merkwürdige Einbildung! — Da ist z. B. Hildebrand in Marburg, doch sicher radikaler wie Eberhard und zugleich viel zu klug, um für Euer Rasch und entschlossen zu stimmen. — Daö wäre die Märzrichtung.
Und die entgegengesetzte? — Welche Gewalt würden die Reichstölpel denn gegen einen Deh n - R o t h felser oder Scheffer aufzuwenden haben? Wo ist denn die Courage? Glauben sie, die Demokraten würden ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen, um selber darin zu verbrennen, während sie bei guter Frist rasch und entschlossen daS Reißaus nehmen, wie immer?
Oder rechnen sie etwa auf die zitternden Bürgergardevfsi- ziere, die jetzt ihr großes Wort verwünschen und verfluchen!
Wir sind ebenfalls der Ansicht, daß eS noch zu früh ist, an ein anderes Ministerium zu denken, und daß vielleicht Eberhard wieder eintritt. Aber es ist eine Galgenfrist! Das Rasch und entschlossen macht ihn todt.
Ob der Kurfürst, wie die Neu-preußisch-hessische Sinonia durchblicken läßt, den Belagerungszustand Kassels verlangt hat, wenn die Truppen nach Hanau zögen, ist unklar. —
Der Grund der Ereignisse liegt etwas tiefer.
Schleswig-Holstein. Die Truppen haben Ordre erhalten, ihren Rückmarsch einzustellen, da die Dänen ohne Weiteres vorwärts spazieren, ohne sich um Demarkationslinien und dergleichen zu kümmern.
Stehen und fallen!
(Offener Brief an die Herren Offiziere der Bürgergarde zu Kassel, drei ausgenommen)
Hochverehrteste Herren! Die Bewohnerschaft Kassels erwartet mit Spannung das Donnergepolter Ihreâ Fallens. Denn es ist nicht zu erwarten, daß Sie Ihr großes Wort vergessen haben sollten: „Stehen und fallen mit dem M i n ister ium E b erh ar d!" — Es war sehr schlau von Ihnen, damals daS Wo und Wie nicht genauer anzugeben. Sie haben dadurch bei nachdenkenden Köpfen schon längst die stille Erwägung der Fragen angeregt, welchen Platz Sie sich zu Ihrem hochgeehrten Fall wählen würden, und welche ausgesuchte Attitüde Sie für diesen gewiß schon vorausgesehenen Un- und Hinfall unter guten Freunden ersonnen haben. Nichts aber gleicht der Neugierde, dem Kopfzerbrechen Ihrer Mitbürger, seitdem der längst erwartete, längst vorbereitete Augenblick gekommen ist. Wenn wir uns erlauben dürften, Ihnen schlicht einen Vorschlag zu machen, so würde wohl vor der Fronte der Bataillone der würdigste, der geeignetste Platz für dieses tragische Experiment sein. Für diejenigen unserer Mitbürger, die sich durch nochmalige ernste Lektüre Ihrer erhabenen Erklärung auf diesen bevorstehenden Heldenakt passend vorbereiten