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Jw eiter Jahrgang.

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Die Hornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

JS'* Kassel, Sonnabend, den 11. August. 1848.

Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart.

4.

Der preußische Sonderbund.

Nicht an den Königen liegt's die Könige lieben die Freiheit:

Aber die Freiheit liebt leider die Könige nicht." Herwegh.

Alö 1806 daS alte Reich verfiel und die Verbindung der Stämme, d. h. ihrer Fürsten gelös't war, entstand der erste deutsche Sonderbund. Südwest-Deutschland folgte der ge­waltigen Anziehung deS französischen NeichskolosseS, folgte dem Geschicke seiner Ohnmacht. entstand der Rheinbund unter dem Protektorat Napoleons.

Preußen hatte in der Schlacht bei Jena den Beweis sei­ner Unfähigkeit gegeben, den Titel einer europäischen Groß­macht zur That verwirklichen und die Selbstständigkeit Klein­deutschlands unter seinen Bannern schützen zu können.

So werden diese kleinen Lappenländer einem Jeden von selbst zufallen, der mit dem Schwert der Eroberung umgürtet, nur mit der Hand am Degenknauf, nur mit drohender Miene, oder mit gebietenden Worten an ihre Grenzen tritt. Und dabei ist nicht die Frage, die entscheidet, ob Frankreich, ob Preußen, oder ob Oesterreich gebietet, sondern wer im Au­genblicke der Gewaltigste ist dieser Gewaltigen.

Ein einziger französischer scharfer Kanonenschuß, der von jenseits deS Rheines herüberdröhnt: und die sämmtlichen klei­nen Hoheiten und Liliput-Majestäten machen in einem Satze halbe Wendung nach Paris; eine einzige ganz kleine zweite Schlacht bei Jena, eine einzige preußische Retirade in die Nähe von Spandau, und wir könnten sofort eine neue,ver­mehrte und verbesserte" Auflage deS Verraths an Deutschland und des alten Rheinbunds erleben.

Dafür sind wir in die Zeiten der Fürstenpolitik zuriickge- kehrt, nachdem wir vergebens versucht, eine Geschichte deS deutschen Volkes zu beginnen. In der Fürstenpolitik aber gibt eS kein Vaterland, keine Volksehre, keinen Untergang für die Freiheit; und wenn sie das WortVaterland" auf ihre Fahnen sticken und auf die Banner ihrer Armeen, so seid gewiß, daß der Verrath, der Folgen soll, schon im Hintergrund auf den Augenblick seines Triumphs lauert; wenn aber gar die Begeisterung der gutmüthigen, blinden Unterthanen für dieses alte, heilige, vergebens ersehnte und erstrebte Ideal deutscher Schwärmerei protegirt, gehätschelt und angestachelt wird, so verlaßt euch darauf, daß der Verrath, der kommen

wird, entsetzlich ist, und daß die Knute schon bereit ist zur Abkühlung und Abstumpfung auf die in ihren Folgen so leicht gefährliche Fieberhitze, die mehr als einmal in pflichtvergessene Demonstrationen, Front deS Volkes gegen die Höfe und in ein ganz ungehorsames Geschrei nach Freiheit und dergleichen un­erlaubte Dinge auöartete.

Was folgte auS dem gepriesenen Freiheitskriege gegen Na­poleon? Das Geschrei nach wirklicher Freiheit! Die Väter deS Volkes sahen sich deswegen zur Erfindung neuer Heilmittel für ihre geliebten, armen, herz- und hirnkranken Unterthanen genöthigt. Freiheitsdurst ist eine böse Epidemie, und zeigt von allzugroßer Gallenabsonderung, von Ueberspan- nung des Gehirns, von Blutandrang nach Kopf und Herz. Etwas Centraluntersuchungskommission, Ueberwachung des Un­terrichts , eine rührige Censur und eine thätige Polizei, etliche Jahre Untersuchungshaft und lebenslängliche Ketten- und Ge­fängnißstrafe waren die trefflichen Senfpflaster und Eiöaufschläge, welche die Hosärzte unserer allergnädigsten Väter und Vor­münder, die Diplomaten, für Dero unmündige, kranke, verirrte Kinder zu erfinden die Ehre hatten.

Was folgte demnach 35 Jahre lang auf den s. g." Freiheitskrieg gegen Napoleon? Die schrankenlose Freiheit der deutschen Fürsten, und die Sklave­rei des Volkes!

Die Sklaverei war die Göttin deS deutschen Bundes und der deutschen Fürstenkongreffe, war die Mutter aller jener maßlosen Ausnahmegesetze, war die Rathgeberin zur Eintracht und zur Liebe unserer Herren Zuchtmeister Brüder und Liebden.

Das ließ sich so lange ohne große Schwierigkeiten durch­setzen, bis jene auS den Stürmen der Zeit entsprossene Par­tei, wie Metternich sich auszudrücken beliebte, ihre Kühn­heit bis zum Uebermuthe gesteigert" und in den kleinen Staaten durch hartnäckigen parlamentarischen Kampf den Absolutismus der ohnmächtigen kleinen Neronen gebro­chen oder gänzlich unterwühlt hatte; es dauerte so lange, bis die Täuschung deS KonstitutionaliSmus den Schritt zur Wahrheit wagte, zum Grundsatz der Demokratie, zur deutschen VolkS- Hoheit über die Kronen und Krönlein der einzelnen Lappenlan- desherren.

Die Flammen schlugen blitzschnell auS Kleindeutschland in die Herzen Preußens und Oesterreichs, in die Hauptstädte Berlin und Wien, und da die Gewaltigen selbst nur mit Noth ihrem Untergang entrannen, mußten die Kleinen ohne Erbar­men den Geboten des Volkes dienstbar werden bis auf bessere Zeiten. Und selbst Dies hätte sie nicht gerettet.

Aber die beiden deutschen Großstaaten, in denen Kurzsich­tige gerade die Erhebung am nachhaltigsten erwarteten, weil