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Zweiter Jahrgang.

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Die Hornisse.

Raum, Ihr Herren, dem Flügclschlag Tiner freien Seele!"

W- NK. Kassel, Donnerstag, den 9. August. 1848«

Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart.

3.

Wer dreißigjährige Bürgerkrieg.

Durften nicht recht als Feinde walten, Mußten des Kaisers Schlosser bewachen, Biel' Umstand' und Komplimente machen, Führten den Krieg, als war's nur Scherz, Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz."

Schiller, Wallensteins Lager.

Und wird denn ein dreißigjähriger Bürgerkrieg auch auf diese letzte Erhebung folgen? Ein dreißigjähriger Frie­den wenigstens nicht.

Wenn aber der ernstliche Kampf einmal ausgebrochen, wenn im Herzen Europas diefeindlichen Elemente sich mischen", so wird der Anfang dieses unseligen Streites die Losung zum europäischen Kriege. Die Lage Deutschlands bedingt, die Ge­schichte beweist das. Wer will das Ende eines solchen Kam- pfeS vorhersagen.

Alle Vorzeichen sprechen für den Anfang. Und nur ein Gedanken kann die zürnenden Mächte besänftigen, kann die dräuenden Feinde versöhnen: der Gedanken an daö im Hinter­grund stehende Volk, daö mit ohnmächtigem Rachedurst die Stunde herbeibetet, wo seine blutigen Zuchtmeister in blinder Wuth über sich selbst herstürzen, um sich zu zerreißen.

Nur der Gedanken, daß Niemand für ihren Sieg, Jeder für ihren Untergang betet, könnte sie versöhnen.

Ob Herrschgicr, Ingrimm und gekränkter Tyrannenstolz sie an der Erkenntniß dieses ihres Fluchs verhindern wird, ih­res lauernden Verderbens, der Verwünschungen, die ihre eher­nen Schritte begleiten ob die Tyrannei, blind selbst bis zur eigenen Vernichtung, fortschießt daö müssen wir mit stummer Resignation von den nächsten Tagen erwarten.

Die Vorzeichen zum blutigen Zusammenstoß sind da.

Wie nach der Reformation das Volk mit gewapp­neter Hand die reichen Früchte der neuen Lehre brechen wollte, alö an die Hohen und Gewaltigen vergebens der Mahnruf der Nation ergangen, ihren Nacken vor Recht und Wahrheit zu beugen, so erhob sich auch nach dem letzten geistigen Sturme, den die Gelehrten angesacht, das deutsche Volk mit dem Schwerte in der Hand, um zu erzwingen, waS ihm seine Ver­gewaltigen vorenthielten:die goldene Frucht vom Baume der Erkenntniß ".

ES sind dieselben Gegenden des deutschen Vaterlandes, wo

die Religionsfreiheit für die Freiheit des Leibes und deS StaateS den Aufstand entzündet, und wo diesmal die Idee der Volks­einheit Deutschlands oer Masse das Schwert zum Kampfe für die Freiheit der Staatsbürger in die Faust gedrückt.

In Baden, in Schwaben, in Thüringen und Westphalen schlugen damals die Schaaren der Fürsten den gemeinen Mann, der nur unter Kaiser und Reich im großen Gesammtstaate deutscher Nation stehen, der das tausendfache Joch seiner Henker und Schinder zerbrechen wollte. Und in diesem Jahre, war die Erhebung nicht endlich auö den Städten auf daS flache Land gedrungen, aus den Herzen der Gebildeten in die Brust des gesammten Volkes? Ein neuer Bauernkrieg, ein Landeskrieg, ein Krieg deS gemeinen Mannes für die Ein­heit und Freiheit deS Vaterlandes loderte empor an den klas­sischen Stellen, wo einst die Zeiten unserer Väter den ersten Kampf der Menge um Freiheit und Erlösung gesehen hatten.

In Baden und an der schwäbischen Grenze erhob sich daS Volk und ward zerschmettert, wie damals. In Thüringen wurde es zersprengt und in Dresden vernichtet. In Westphalen stand es gerüstet; List und Verrath hat eS zerstreut. DaS war der Bauernkrieg unseres Jahrhunderts, viel kürzer, aber eben so blutig und tausendmal furchtbarer in seinem Hergang und in seinen Folgen, w ie jener Bauern krieg deS sechszehnten Jahrhunderts.

Unzählige Flüchtlinge irren umher in der Fremde, in der Heimath Trauer und Elend zurücklassend, und Grimm und revolutionären Vernichtungstrieb im Herzen mit sich schleppend, eine wandernde Propaganda der Revolution, Verzweiflung^, voll und todesverachtend, die Führer zum neuen Kampfe.

Daß sie das sein werden, darauf mögen sich die Tyrannen verlassen! DieseVerblendeten",Verführten" undIrre­geleiteten" wußten sehr wohl, waS sie thaten, sie wissen, waS sie zu thun haben.

So ist denn das Vorspiel deS Bürgerkriegs vorüber­gerauscht , schnell, wie die Ereignisse der Neuzeit sich zu über, stürzen pflegen. Wie im engen Rahmen gefaßt scheint die Ge- schichte deS sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts sich in stürmischer Haft zu wiederholen, mit beflügeltem Lauf bis zu den Höhepunkt zu dringen, wo der Wirrwarr und der Hader der Stämme und der Fürsten nur durch daS Schwert gelöst wird.

Zur Reformationszeit gab, wie heute, einige weniger entartete Fürsten, die aufrichtig an der Religionsfreiheit fest­gehalten hätten, wenn diese Freiheit sich ihren fürstlichen Interessen gebeugt hätte, gab eS aber eben so verworfene, die unter diesem Banner nur die Gelüste der Herrschsucht und der Vergrößerungswuth in'S Leben zu führen gedachten. Damals mußten geistliche Stifter, Klöster und Bischofssitze