je schlimmer, je gefährlicher die Lage seines HeereS wird, daS selbst in Pesth keine Lebensmittel fand, und nicht einmal Verpflegung, Arznei u. s. W. für die ungeheuere Menge seiner vor Komorn Verwundeten. — Jetzt will er mit nur 30,00(1 Mann dem Ban zur Hülfe an der Donau hinunter ziehen, während der Rest seiner Macht und die Russen in Pesth und bei Komorn bleiben müssen. — Wird er geschlagen, so sieht kein Mann dieser Armee die Berge seiner Heimath wieder.
Denn bei dem festen Szegedin, auf den großen Flächen zwischen Theiß und Donau, sammelt Kossuth den Landsturm, der im Lawinenzug den Heeren nachziehen und den flüchtigen Feind verderben wird. — In seiner Proklamation an die Völker Europa's schildert Kossuth die Grausamkeit und die Schandthaten der Kaiserlichen und ihre erste Besiegung. Nun habe das Haus Habsburg - Lothringen seine Zuflucht zum russischen Despoten genommen; es heißt darin wörtlich:
„Und es brach, von Kronstadt angefangen, über Lemberg und bis Wien, eine aus 120,000 Mann bestehende russische Macht in unser Vaterland, in das Land der Märtyrer der Volköfreiheit. Wir legen die Waffen nicht nieder. Wir werden kämpfen mit den Heeren der verbündeten Tyrannen Europa's. Gott ist gerecht und zugleich allmächtig, er weiht das Schlachtschwert der Schwächer» und bricht die Macht der Vermessenen und Bösen. Aber wir richten zugleich ein lautes und ernstes Wort an die konstitutionellen Regierungen und Völker Europa's. Ihr Regierungen, ihr seit von AmtSwegen die Wächter der Freiheit und rechtmäßigen Interessen nicht nur eures Landes, sonder von ganz Europa. Eine ungeheure Verantwortung lastet auf euch. DaS Verbrechen, welches ihr gegen die Freiheit und daö ewige Recht, von welchem Lande immer in Europa, begehen lasset, wird euch und eure Länder rächen und bestrafen. Ihr Völker, wachet auf bei der ungeheuern Gefahr, da die Armeen der Tyrannen im Bunde daö heilige Wort der Freiheit zu zertreten und auSzulöschen beginnen, in Deutschland, Italien und in unserm Ungarlande. Du stolze englische Nation, hast du das von dir aufgestellte Prinzip der Nichtintervention vergessen, und duldest nun dasselbe gerade gegen daS Interesse der konstitutionellen Freiheit? Du vertheidigst nicht nur die heilige Angelegenheit der Freiheit und Humanität nicht, sondern du leistest dem Sieg der Knechtschaft Vorschub, indem du gestattest, daß die Tyrannen sich verbünden. Die stolze Flagge deö britischen MastbaumeS wird von Schmach bedroht. Gott wird ihr seinen Segen entziehen, wenn sie der Sache untreu wird, welcher sie ihren Ruhm verdankt. Du französische Republik, vergaßest du der Grundsätze, welche du bei deiner Geburt verkündigtest? Du sprachst es auö, daß Frankreich eine Republik ist. Die französische Republik bedarf zu ihrer Existenz nicht erst der Anerkennung. Die Regierung und Regierungsform zu ändern, ist ein natürliches Recht, welches jede Nation besitzt und wozu sie den Rechtstitel aus ihrem freien Willen schöpft. Du sagtest, daß du den Bund von 1815 nur als bestehend betrachtest, ihn aber nicht als rechtmäßig anerkennen wollest. Du sagtest, daß du alle jene Völker zu einem HerzenS - und Seelenbündniß aufforderst, welche daS Prinzip der Freiheit überhaupt, daö der Republik aber insbesondere zur Grundlage ihrer nationalen Existenz annehmen. Du sagtest, du werdest durch deine vorangehende Aufklärung die Völker und Länder auf neue Bahnen leiten. Und gleichwie fr üherdieTyrannenvordeinenAugenPo- len dreimal zerstückelt haben, — und du Italien bewaff- nete Hülfe zusagtest, wenn es in seinem Kampfe für konstitutionelles, demokratisches, gemeinsames Vaterland auf Hindernisse stoßen sollte, werden jetzt die heldenmütigen Söhne und herrlichen Provinzen Italiens vor deinen Augen in Fesseln geschlagen. Rom unterwirfst du selbst und gibst eS den Götzen der Hölle zum Opfer hin. Du verlässest Jeden, der dir vertraut! Die Freiheit kämpft gegenwärtig einen blu
tigen Kampf, und du siehst ohnmächtig zu, wie der wilde Russe in unserm schönen Lande unbarmherzig haust, alle göttlichen und menschlichen Gesetze mit Füßen tretend. Der Türkei hat der nordische Koloß bereits ihren freien Willen genommen. Die Donauprovinzen seufzen schon lange unter der Willkür deS Tyrannen. Wenn eö ihm gelingen sollte, auch Ungarn zu unterjochen, so ist nicht Ungarns, sondern Europa's LooS entschieden." u. s. w.
Deutschland. Sicherem Vernehmen nach wird der Reichs- verweser Mitte August nach Frankfurt zurückkehren, und zwar mit einer ansehnlichen Macht von baierischen und österreichischen Truppen, während Preußen durch eilige Besetzung Frankfurts dieser Garnison den Platz zu nehmen sucht. Der Reichsminister Wittgenstein, der den Prinzen von Preußen trotz dessen Ablehnung eine Division Reichssoldaten unter Peucker zugab, bleibt sich konsequent in der Zähigkeit, die Centralgewalt überall hervortreten zu lassen. So verlangt er, daß der preuß. General v. H olleben, Gouverneur von Rastatt, für die Centralgewalt beeidigt werde. — Baiern rüstet zugleich auf'S Eifrigste und zieht seine Truppen vom Kommando Peu- ker'ü zurück. — Oesterreicher und Hessen feiern inzwischen am Bodensee Feste der Verbrüderung, während in Mannheim Oesterreicher und Preußen sich schimpfen und verwunden.
Mau sieht, der Bogen ist gespannt. Aber der schwirrende Pfeil des Kriegs wird wohl nicht zum Fluge kommen. In Berlin hat bereits der weiße Berg, die Gerlach - Thielesche Partei, einen neuen Sieg errungen, sie hat einen treuen Anhänger, von Schleinitz, in daS Ministerium des Auswärtigen gebracht, und damit eine neue Möglichkeit der Aussöhnung Oesterreichs und Preußens, deren Zwiespalt nur in dem Mehr oder Weniger der zu schluckenden Vortheile seinen Grund hat, die aber in Rücksicht auf Zwecke, Weg und Ziel niemals Feinde waren.
Aber es gibt Verhältnisse, deren AuSgang selbst Diplomaten nicht vorhersehen können. Ein solches ist die gewünschte Theilung Badens, auf deren Nothwendigkeit immer deutlicher in den großdeutschen und reaktionären Zeitungen hingewiesen wird. — Baiern, Würtemberg und Oesterreich verlangen Stücke dieses revolutionären und deshalb zu vernichtenden Grenzlandes. Dem Großherzog wird angedeutet, daß er Deutschlands Ruhe und Glück ein nothwendiges Opfer bringen müsse, sein Land habe ihn ja doch mit Verrath belohnt für seine Liebe und seine Wohlthaten; und für ein gutes Auskommen werde schon gesorgt werden.
Und Preußen, und die Kosten seiner Expedition? — Hier ist der Boden deS Streites, wenn derselbe zum Ausbruch kommt. — Aber das Ende ist und wird sein ein Direktorium, trotz aller Ständekammern von Kurhessen, Weimar u. s. w., trotz aller Bemühungen der Herren von Gagern und der Mathys und Bassermänner, trotz allem feigen Uebergang der Nationalen und der Leute auS dem Centrum in daS Lager der preußischen Oktroyirten.
Kurhessen. Ob Wippermann abgedankt hat oder nicht, ist noch immer in ein mysteriöses Dunkel gehüllt *). — Die Truppen auö Schleswig-Holstein werden im Laufe der nächsten Woche zurückerwartet; doch wollen Einzelne durch Briefe ihrer Angehörigen von Gegenbefehlen benachrichtigt sein. Unsere Ständeversammlung ruht auf ihren beneidenöwerthen Lorbeeren und erwartet heute noch ihre Vertagung.
Schweiz. Die Flüchtlinge berathen über eine Auswanderung nach Amerika; sie wollen sich an die Centralgewalt wenden behufs Verschaffung der dazu nöthigen Mittel; diese
*) Ist nach neuesten Nachrichten geblieben, und die Vorlagen werden erfolgen, deren Beanstandung Seitens des Kurfürsten den Grund zu Rücktritt gegeben. v .
(Beilage.)