Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengaffe Rr. 132. Der Abonne- mcnrspreiè ist vierteljährl. 18 Sgr,

Iweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Erpedirion abzuge­ben , woselbst auch abonnirt wird.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

Hi 90. Kassel, Dienstag. den 31. Juli. 1849.

Oeffentliche Sitzung der Ständekammer

vom 27. Juli.

Am Ministertisch: Eberhard (man weiß nicht, ob der Herr als Minister da ist oder als Landstand, oder als Beides?) und von Schenk.

Näselndes, langweiliges, unendliches Verlesen des Proto­kolls. Wenn dann dieser Gebrauch unsterblich sein soll, so nehme man ihm wenigstens seine greuliche Zugabe, den Land- syndikuS als Vorleser. Die Tribünen sind überfüllt und dennoch ein ganzer Theil derselben abgesperrt; für wen? für die Diplomaten und Diplomätchen, von denen sich übri­gens keiner sehn läßt.

Von Hrn. Oetker wurde darauf mit größter Seelenruhe eine Adresse von Veckerhagen verlesen, worin er, d. h. worin der Anschluß an das Sonderbündniß für Verrath erklärt wurde. Hat Hr. Oetker einst mit Genossen selbst für Ver­rath erklärt. Kann nicht geniren.

Hr. Gräfe stellt darauf folgende Interpellation:

Ob die Staatsregierung bereits von der preußischen ein­geladen sei, zu dem von dieser mit Dänemark geschlossenen Waffenstillstand und Friedenögrundlagen ihren Beitritt zu er­klären, und welche Antwort sie darauf ertheilt habe", sowie ob die Cirkularnote der schleSwig-holsteinschen Statthalter­schaft vom 18. d. M., worin dieselbe den Beistand der deut­schen Negierungen gegen jene Konvention anrufe, bereits an die kurhessische Regierung gelangt und ob diese bereit sei, den begehrten Beistand zu leisten."

Zur Begründung derselben erinnert er an die perfide Po­litik Preußens seit alten Zeiten, an seinen Theilungöplan Deutschlands im Jahr 1822, an seine schmähliche Art der Kriegführung in Schleswig ° Holstein. Und nun habe Preußen, trotz den ausdrücklichen Zusagen des Königs für die Selbst­ständigkeit und unzertrennliche Verbindung, für die guten Rechte der Herzogthümer, diesen Deutschland zur Unehre gereichenden Waffenstillstand, ein zweites Malmö, einseitig und eigenmäch­tig abgeschlossen. 1 J

®er Minister v. Schenk erklärte darauf wie gewöhnlich, wenn in die geheimen Intriguen der Höfe und ihrer De- pendenzien gedrungen werden soll, er könne einstweilen nicht dienen.

Alsbald erhob sich beim Uebergang auf die Tagesordnung er Landtagskommissar Wigand, ein dürrer Verstandesmensch unb advokatischer Kniftolog, um den Standpunkt der Regie­rung pflichtschuldigst zu vertheidigen. DaS Aeußere dieses canneS hat etwas Unreifes, daö sofort mit dem Vorurtheil

erfüllt, man habe es hier auch mit einem ungereiften Geiste zu thun, wozu die monotone Rede, die steifen leblosen Ma­nieren noch mehr beitragen. Doch man irrt sich. Am Ver­stand ist dieser Mann vollkommen ausgewachsen, nicht aber im Herzen, oder er ist vielleicht da wieder zusammen­geschrumpft. Nicht ausgewachsen ferner ist er nach der staats­männischen Seite. Hier hat sein ganzes Wesen eine Engher­zigkeit und Engbrüstigkeit, die er vergebens mit juristischem Verstand zu verdecken sucht. Ein solches Advokatenamt für die Regierung hat überhaupt etwas Widerliches, es erinnert an die Zeiten der alten ständischen Advokatenrabulistik, wo Regierung und Stände mit Advokatcnkniffen sich hin- und her­zerrten. Ganz anders lautet die Vertheidigung eines Mini­sters selbst, als die eines solchen bezahlten, gezwungenen Rechtsertigers â tout prix. Es ist widerlich, noch immer diese jesuitischen Juristenpsiffe durch die wichtigsten und größten Fragen der Zeit schrillen zu hören.

Der advocatus diaboli ^erklärte, die Regierung habe vollkommen Recht, weil sie 1) stets und immer nach demsel­ben Ziele strebe, weil nur die Wege dazu vielleicht verändert wären, und weil sie jetzt den einzig noch möglichen betrete. Das aber muß erst bewiesen werden! Kanu sich eine Regierung nicht täuschen? Die Regierung habe volle Zustimmung erwartet.

Die Regierung habe Recht, weil Preußen gar nicht oktroi- ren wolle, sondern durch zukünftigen Reichstag vereinbaren, und weil man nicht mit Mißtrauen, sondern mit Vertrauen das Bündniß der drei Könige betrachten müsse.

Da beide Worte Phrasen sind, so kommtö freilich auf Eins heraus!

Die wesentlichen Grundlagen seien Eins. (Unsinn!) Es drängten alle Verhältnisse zur Eile (d. h. die Minister und ihr Advokat und allenfalls auch der Kurfürst!) ES müsse ein Umschwung in der öffentlichen Meinung stattgefunden ha­ben ; sonst habe man Alles hingeben wollen für die Einheit, und jetzt wolle man lieber partikular sein!

Diese letzte Phrase ist identisch mit der Ansicht der Ein- heitStölpel, daß man nur die Einheit suchen müsse, die Frei­heit sei Nebensache. So denkt daS Volk niemals. DaS Volk sieht in der, über den Fürsten stehenden deutschen Volksein­heit die Garantie seiner Freiheit. In der zu Gunsten des Despotismus geschaffenen oktroyirten Fürsteneinheit sieht eS den neuen Zwingherrn und die neue Sklaverei. DaS aber bleibt diesen herzlosen Formalisten ewig verschlossen. Das WortEinheit" ist ihr Alles ; der Inhalt desselben ist Nichts :

Denn eben wo Begriffe fehlen,

Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.