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Dieses Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En­tengasse Nr. 132. Der Abonne- mentèpreis ist vierteljährl. 18 Sgr.

IweiLer Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Expedition abzuge­ben, woselbst auch abonnirt wird.

Die Mornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

ML 89.

Kassel, Sonnabend, den 28. Zull.

1849.

Aufruf.

Bürger in Stadt und Land!

Ueber 3000 Kämpfer des Volksheeres sind in der Schweiz ohne Mittel, ohne Arbeit. Es wäre eine Schande für das deutsche Volk, wenn es den Schweizern allein die Sorge für die Erhaltung dieser Braven überließe. Zn Zürich hat sich ein Unterstützungskomite gebildet. Die demokratische Partei wird, wir sind davon überzeugt, ihre Pflicht thun. Sie hat keine Schätze, aber der gibt doppelt, der mit eigner Aufopferung gibt.

Die Expedition dieses Blattes, obere Entengafse Nr. 132, wird Beiträge annehmen und befördern.

Die Revolution in Süddeutschland.

3.

ProfessorenweiSheit verdirbt Herz und Verstand. Zum li- beraten Standpunkt gehört ProfessorenweiSheit. Die liberale Partei hat deshalb sehr gute pergamentene Gelehrte, ausge­zeichnete Collegienheste, aber sie hat kaum einen einzigen le- bendigen Kopf, der sich von der Gluth deö Herzens, von der Liebe zum Volke, von der ewigen Quelle der Freiheit nährte. Die liberale, Partei ist alt, närrisch, eitel, sie ist feige, wie alle Stubengelehrten, grauwie die Theorie", sie kennt nichts als leblose Philosopheme, haarsträubende Hypothesen, sie kennt keine Wahrheit als den Gegensatz aller Natur. Wo noch Jugend in einem ihrer Jünger ist, da muß sie so lange dressirt werden, bis sie ächzend zusammenbricht, die Begeiste­rung wird in Schienen gelegt, die sittliche Entrüstung des Herzens polizeilich gemaßregelt. Die liberale Partei recrutirt sich auS Geisteskrüppeln mit dem Pathos der griechischen Seher, sie ist die Restauration der Flagellanten zur Ehre der Politik.

Was die Politiker anlangt, so ist Natur und Vernunft nur in ven Anhängern des Absolutismus und des Radikalis­mus. Ein Volk kann nicht Diener und Herr zu gleicher Zeit sein, die Berechtigung zu einem Theile ist die Berechtigung zur ganzen Herrschaft.

rad' Partei hat in Deutschland noch eine kurze Geschichte. Sie ist jung, ihre Anhänger sind zum großen ^heil eben erst ins Mannesalter getreten. Kei» Wunder, daß nicht selten die Begeisterung den praktischen Boden ver­läßt, daß die Jünger der radikalen Partei in ihrem leiden­schaftlichen Drange nach Freiheit sich bis über daS Ziel hinaus h'nreißen lassen, daß in den Ernst der Politik sich der Ueber-

muth der Jugend mischt, daß an die Stelle der Principien Meinungen und Ansichten treten, daß zuweilen die grauen Professorenregeln statt mit den Ergebnissen des warmen Men- schenstudiumö mit dem Inhalt frommer Wünsche und jugend­licher Träume vertauscht werden.

ES ist nicht zu leugnen, daß in der süddeutschen Erhebung oft genug der gute Wille, das feurige Herz der beschäftigten Männer die Einsicht und vollendete Bildung ersetzen mußte, daß in der Auswahl der Kräfte mehr als einmal fehlgegriffen worden. Es kann und soll nicht geleugnet werden, daß hier und dort die Agitation eine knabenhafte, die politische Leitung ohne den politischen Ernst, die militärische Leitung ohne die nöthigen Kenntnisse war.

Daö war Alles um so mehr der Fall, als eS sich hier um eine Bewegung handelte, in der die radikale Partei nicht im eigenen Fahrwasser sich befand, in der es diplomatischer Gewandtheit, in der es leider jener verfluchten Ventilationen bedurfte, welche das Grab der liberalen Partei gegraben haben.

Wer in politischen Dingen eine Stellung einnimmt, der er nicht gewachscu ist, ist ein Verräth er! Die radikale Partei wird sich das zu Herzen nehmen müssen. Sie wird den unermeßlichen Nachtheil erkennen, den eine leichtfertige Uebernahme revolutionärer Chargen mit sich bringt, sie wird einsehen, daß unsere Gegner die jugendliche Selbstüberschätzung Eigennutz und Herrschsucht nennen werden.

Eins wird vor Allem gelernt werden müssen, daß es zwi­schen dem heilsamen Zwange der verderbten, freiheitsfeindli­chen Schichten des Volkes und einem unbegriffenen Terroris­mus ein Unterschied gibt, und daß jener Zwang nur geübt werden kann von einem umsichtigen, starken Charakter, der die Absicht hat, mit seinem Kopfe für seine Thaten einzustehen.