Einzelbild herunterladen
 

Dieser Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- tengasse Nr. 132. Der Abonne- »entspreiè istviertcljährl. I8Sgr.

Zweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Expedition abzuge­ben, woselbst auch abonnirt wird.

Die

M o r n i s s e.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

88. Kassel, Donnerstag, den 26. Juli. 1849«

A u < f r u f.

Bürger in Stadt und Land!

Ueber 3000 Kämpfer des Volksheeres sind in der Schweiz ohne Mittel, ohne Arbeit. ES wäre eine Schande für das deutsche Volk, wenn es den Schweizern allein die Sorge für die Erhaltung dieser Braven überließe. In Zürich hat sich ein Unterstützungskomite gebildet. Die demokratische Partei wird, wir sind davon überzeugt, ihre Pflicht thun. Sie hat keine Schätze, aber der gibt doppelt, der mit eigner Aufopferung gibt.

Die Expedition dieses Blattes, obere Entengasse Nr. 132, wird Beiträge annehmen und befördern.

Die Revolution in Süddeutschland.

2.

Die Erhebung blieb auf Baden und die Pfalz beschränkt. Außer den einzeln herbeieilenden Proletariern, den Flüchtlingen, außer den Hanauer Turnern, einer Anzahl Würtemberger, ha­ben alle Deutschen ihre kämpfenden Brüder im Stiche gelassen. Dagegen kamen natürlich eine ziemliche Menge Polen und ein­zelne Franzosen an.

Baden und die Pfalz haben in der Bewegung einen wesent­lichen Gegensatz geliefert. In beiden Ländern wurde freilich auf die Verallgemeinerung der Erhebung spekulirt; während man aber in Baden dieselbe am Besten zu erreichen hoffte, wenn man sich strenge an das Banner der zu vertheidigenden Reichsverfassung hielt, trat man in der Pfalz offener mit der reservatio mentalis, der Republik, hervor. Man wollte hier nicht die Anhänger der Neichèverfassung, man wollte die deutschen Demokraten gewinnen. Die pfälzischen Führer hatten ein Verständniß der Nichtsnutzigkeit und Uuoerbesserlichkeit al­ler Philister, aller Spießbürger, sie scheuten sich daher nicht, ihnen offen und entschieden entgegen zu treten. Die badischen Führer, unter ihnen namentlich Brentano, suchten dagegen das Spießbürgerthum auf ihrer Seite zu erhalten, sie glaubten dar­an, daß es sich werde dupiren lassen, sie wollten mit der Ba­dener Bourgeoisie die deutsche Bourgeoisie fangen. Die Pfälzer Politik war eine leidlich offene, die Badener eine la° virende, diplomatisirende, eine total undemokratische.

Dieser Gegensatz erklärt die verschiedenen, von den beiden Regierungen ergriffenen Maßregeln, den trotz allen Ueber- einküuften rc. so geringen Zusammenhang Badens und der Pfalz, ein wesentlicher Nachtheil der Erhebung! die

verzögerte Herbeischaffung eines Feldherrn, die Unterlassung der Offensivstellung, die Ausweisung Struves, die Entfer­nung aller revolutionären Potenzen aus der Nähe der Re­gierung.

Während die Pfalz sich auf einen allgemeineren Standpunkt erhob, wahrte Baden fast ängstlich seine partikulare Stellung. Die Pfälzer Führer verlangte» Krieg. Die Badener drohten nur mit demselben. Brentano wollte, gerade wie die Linke in Frankfurt, durch den moralischen Eindruck siegen. WaS die Professoren schwatzten, indem sie auf das rost rum schlugen, das schwatzte Brentano mit der Hand am Schwerte, ohne die Absicht, es zu ziehen. Am wenigsten war es sein Wille, sein Heer als ein deutsches Frei he i t S h e er zu betrachten, das also das Recht hätte, in jedes Ländchen unseres Vaterlandes einzufallen, und darin beliebige Positionen zu nehmen. Bei­läufig gesagt: wie lächerlich also der Vergleich mit Ungarn!

Die Badener Regierung duldete keine Einmischung der Frem­den. Ich glaube selbst, daß Brentano nur ungern den Zuzug fremder Freischaaren sah. Er duldete keine radikalere Partei, als er selbst, er verlangte eineanständige" Revolution.

Wozu also einen Feldherrn, wozu MiroSlawsky? Was soll ein Feldherr, dem man seine Positionen diktirt, indem man ihn auf so und so viel Ouadrat-Meilen beschränkt, indem man aus Schonung der Spießbürger nicht zuläßt, daß er seine Feinde im Nachbarland schlägt, daß er für die deutsche Sache den deutschen Boden in Anspruch nimmt?

Die ganz temporisirende, partikularistische Haltung Badens erklärt auch den Fehler der unterlassenen Truppenverlegung. Statt die Badener nach der Pfalz und umgekehrt zu schicken, überließ man die letzteren bis auf den letzten Augenblick ihrem Schicksal, nährte den partikulären Geist der Badener Soldaten