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Beilage zu Nummer 8« der „Hornisse".
bitzen). — 4) An der Werra (Hedemünden rc.) 1 Regiment von 4 Schwadronen Kürassiren. — 6) In Göttingen 1 Bataillon Infanterie. — 6) An der Weser 1 Bataillon Infanterie. Summa Summarum 5 Bataillone Infanterie, 4 Schwadronen und 6 Geschütze.
Diese Truppen stehen fortwährend gerüstet, ohne selbst ihr Ziel zu kennen. Die Artillerie war ursprünglich nach dem kurhessischen Dorf Nieste beordert. War daS Irrthum oder Wahrheit? Geliebte blinde Landsleute, was sagt Ihr dazu?
Und unsere Soldaten sind in Schleswig-Holstein! WaS sagt Ihr dazu? Und dabei wollt Ihr dem Kurfürsten die Civilliste kürzen? Nun, wir werden's erleben! Uebrigcns können auch die Truppen im Augenblick nur für jede Erbebung gegen daS preußische Bündniß da sein. Daß aber eine solche nicht stattfinden wird, dafür werden die edlen Landstände Sorge tragen.
Erste öffentliche Sitzung der Ständekammer
am 29. Juli, Morgens 10 Uhr.
(Präsident Schwarzenberg.)
Also da sitzen sie endlich. In der That , die Physignomie hat sich etwas verändert. Einige stupide, blasirte adelige Nasen sind verschwunden, doch von den bürgerlichen blieben noch manche.
Unter den Neuhinzugttretenen machen sich einige originelle Köpfe bemerkbar. Auf der äußersten Linken der Advokat Peters von Wächtersbach mit großem blondem Bart, in seiner Nachbarschaft Bcrlit von HerSfeld mit dito schwarzem. Natürlich, es sind Wühler! — Dagegen prangt im Centrum, glatt an Haut und Haaren, daS Pfäfflein von der Werra, der Rektor Lieberknecht, mit der heiligen Geist-Flamme auf dem Scheitel.
Es hat keine eigentliche Parteisonderung stattgefunden, aber dennoch sind an den äußersten Enden der Rechten und Linken die Ansätze ihrer Krystallisation angeschossen, hier in den Hauvt- sührern der Demokraten, BayrHoffer, Theobald, und mit ihnen PeterS und Berlit, und auf der Rechten die be- kannte Grafschaft Rinteln, Oetker, und neben ihm im schönen Kranz zwei Staatsprokuratoren und der ObergerichtSrath von Schenk, der einzige seiner Art unter diesen Plebejern.
Die Sitzung begann mit der gewöhnlichen grenzenlosen Langweiligkeit des monotonen näselnden Prvtokollvortragü durch den Landsyndikus, durch welche hergebrachte Unsitte jedesmal Stunden der kostbarsten Zeit mit Nichtsthun und Abspannung vergeudet werden.
Danach unerquickliche Debatten über Wahllegitimationen.
Auf der Tagesordnung, die Niemand kannte, stand plötz- lich zufolge Erklärung des Herrn Präsidenten der Bericht deö Adresseausschusses , und die proponirte Adresse. Die Redner der Linken sträubten sich gegen diese Ueberrumpelung, und erreichten leicht das Zugeständnis, daß dieser Bericht und der Entwurf der Adresse zuvor gedruckt werde.
de* übliche Ausschuß vielleicht, seinen Entwurf mit ' „ ron und unter Jubelruf durchzubringen? Diese Herren haben öfters kurze Gedanken!
E-er Hr. Oetker unternahm darauf die für ihn schwierige den Bericht des Ausschusses vorzutrag-m. In diesem -usschuß sitzen 4 Juristen, ein Lederer und Brenner von ^anau. Vier von ihnen haben Gut und Blut für die Frankfurter Neichsverfassung daran zu setzen versprochen. Einer davon,
der Reichskandidat Henkel, hat schon in Gotha umgesattelt. Die Anderen haben es bis auf diesen ersehnten Augenblick verspüren müssen.
Hr. Oetker verfehlte nicht, mit rührender Stimme eine wimmernde Einleitung vorauszuschicken, worin die Herren Abtrünnigen die Nothwendigkeit ihres Abfalls bitter bejammerten. Sein Antlitz röthete sich dabei zusehends, ob vor Anstrengung oder aus erwachender Scham, bleibe dahingestellt.
Er erinnerte unter Wehklagen an die Tage, die nicht mehr sind, als die damaligen Nationalen Hals über Kopf in die Reichsverfassung hineinstürzten, unter dem Gebrüll: Einheit! Einheit! als die Ständeversammlung jeden Eingriff in die Neichsverfassung als Verrath erklärte und die Annahme der unsterblichen Kaiserkrone an keine Bedingung geknüpft haben wollte; — als die Regierung ihre Beistimmung erklärte und versprach, bei allen Staaten Deutschlands für gleiche Erklärungen zu wirken.
Also bejammerte Hr. Oetker das Geschick und den Verrath von sich und von seinen Genossen. Doch die Göttin der Nothwendigkeit, die furchtbare A n a g k e der Griechen, verlieh ihm neuen Muth und neue Kräfte. Sie raffen sich auf, und mit derselben Blindheit, mit derselben Furcht vor der Fortsetzung der Revolution stürzen sie sich auf den ersten Wink in ein neues Unglück, in einen neuen, undurchführbaren Gespenstertraum.
Einheit! Einheit! — Einheit unter Preußens glorreichem Kartätschenregiment zum Verrath nach Außen und zum Schlächterhandwerk nach Innen. O, eS ist traurig, beklagenS- werth, „fordere Niemand ihr Schicksal zu hören, dem die Freiheit noch wonnevoll winkt!" Es sind Sclaven! Sclaven ihrer eigenen Feigheit, und damit Anhänger der Partei der Reichstölpel.
Hr. Oetker war darauf erschöpft vom Unglück. Er ließ Hrn. N e b e l t h a u vortragen, waS der Ausschuß mit den Ministern conferirt habe. Diese Herren waren der Ansicht, daß der Rücktritt Gagerns die Existenz der Neichsverfassung vernichtet habe. Welch ein erbärmliches Machwerk war sie dann, wenn sie mit diesem Strohkopf stand und fiel. Aber darin lag gerade das Räthsel. ES war eine leblose Mißgeburt durch Kaiserschnitt, durch einen unwissenden Pfuscher von Arzt zur Welt befördert. Die edle Mutter starb an dieser Operation und der elende Pfuscher lief voll Schrecken fort. Eine Pfuscherei wird durch keinen Pfuscher zum Meisterwerk! Aber was wissen deutsche Märzminister von geniuS- gebornen heiligen Meisterwerken!
Außerdem hatten die Minister gemeint, der Aufstand in Baden habe die 29 Staaten auseinandergesprengt. Das glaubt man gern. Sauve qui peut! schrien alle Potentätlein und alle Basser- und Biedermänner, und die Reichsverfassung, das Schild der Revolution, wurde aus dem Kleinod die SchreckenS- gestalt der Nationalen und der Reichstölpel!
DaS preußische Bündniß, meinten die Minister ferner, sei nun die einzige Rettung, man müsse die besten Bedingungen zu erlangen suchen, Zutritt zum VerwaltungSrath erwerben, schnelle Berufung der Reichöversammlung, Abänderung des preußischen Wahlgesetzes, oder doch die Erlaubniß, nach eigenem Gusto wählen zu dürfen.
Demzufolge ist denn der Ausschuß einstimmig der löblichen Ansicht, ohne Weiteres Preußen in den Rachen zu laufen, ohne alle Prüfung der Lage der Dinge, ohne alle Untersuchungen über Aufrichtigkeit und Lüge. Preußen hat unS bitter getäuscht, wehklagt die Grafschaft, aber es fei vergesse»» Großer