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Zweiter Jahrgang.
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Die Mornisse.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelfchlag Liner freien Keele!"
ML 8«.
Kassel, Sonnabend, den 21. Juli.
1849.
Politische Wochenschau
Fr ankreich. Die Pläne der Royalisten reifen der Erndte entgegen. Schon soll das „Mondkalb" Napoleon von seiner gränzenlosen Nichtigkeit durch die doktrinären Bemühungen des Herrn Thiers so durchdrungen sein, daß er an seinen eignen Kaiserplänen verzweifelnd seine Hand zur zweiten Restauration bietet. Man hat ihm begreiflich gemacht, daß sein großer Onkel Napoleon Frankreich auS der Anarchie gerettet habe, um eö für sein angestammtes legitimes KönigSgeschlecht zum Gehorsam zu schulen. Ebenso sei es seine Bestimmung, die Republik wieder zum Königthum zurückzuführen, nur schneller und friedlicher, als dies sein Onkel vermocht. — So soll man denn eine förmliche Vereinbarung zwischen den alten Bourbons, den Orleans und dem Schatten des großen Kaisers getroffen haben. Der alte Wucherer, der König der Börsenjuden und Geldmäkler, Louis Philipp, der letzte Sproß des absolutistischen Zweigs der alten Legitimität, und der entartete Nachkomme des Helden der Revolution, wollen sich in die Vortheile der Regentschaft Frankreichs theilen. Heinrich V. von Bourbon wird König, — da er ebenso schwach an Körper, wie an Geist ist, also keine Aussichten auf einen Thronfolger hat, so adoptirt er den Enkel des Wucherers, den Grafen von Paris, und Louis Napoleon wird abgefunden mit — der Herzogin von Orleans und mit — Geld, mit vielem Geld. ThierS ist bereits in London, natürlich nur in Privatgeschäften. Das Schicksal einer solchen jüdischen Restauration würde sich noch schneller erfüllen, als das der ersten. — Sie glauben vielleicht, damit die Parteien der Royalisten vereinigt und das Königthum unsterblich gemacht zu haben, — aber auch die Republikaner werden sich diesem elenden Bund gegenüber zu einem einzigen Schlage erheben, und die dreiköpfige Hyder der dynastischen Interessen auf einmal zerschmettern. Das Mondkalb soll diesen Vortanz der rothen Republik mit dem Verlangen nach dem lebenslänglichen Konsulat beginnen wollen.
In Charters hielt er neulich bei Gelegenheit eines Gastmahls eine seinen Standpunkt bezeichnende Rede. Sie schloß
Rufe: es lebe die Versöhnung! (zwischen den royalistischen Parteien).
_, r 0 ^ ^ 0 ,tt â'bt interessante Aufschlüsse darüber, wie er sich vom Mondkalb hat zum Besten halten lassen, als dasselbe nach der Prasidentur angelte und allen Parteien um den Bart schmierte. Es ist kläglich, wie sich selbst diese „Vorkämpfer" urche,ne triviale höflich-lächelnde Fratze täuschen ließen, und wie sie selbst gegenseitig intriguirteu und täuschten.
„Die Lüge herrscht und die Hinterlist In dem feigen Menschengeschlechte!"
Der Belagerungszustand hat bald den Rundgang durch ganz Frankreich vollendet. Die Verhaftungen räumeu namentlich unter den Redakteuren der Journale auf radikale Weise auf. Fünfzig Zeitschriften sind entweder suspendirt, so alle republikanischen Blätter in Lyon, oder mit Beschlag belegt, ihre Pressen zertrümmert, ihre Redakteure flüchtig oder im Gefängniß. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß die Wahlen in Paris zu Gunsten der Royalisten ausgefallen sind. Auch die Gemäßigten sind gänzlich durchgefallen. Die Reaktion überstürzt sich, um der Revolution den Kampfplatz vorzubereiten. Wohlan denn, Blut gegen Blut, Gewalt gegen Gewalt! Auf die Civilisation folgte die Barbarei, durch die Barbarei erst geht eS zur Freiheit!
Italien. Jubelnd, hieß es in den Schandblättern der Reaktion, haben die Einwohner RomS ihre Erretter aus dem Terrorismus empfangen, den „wenige Wühler und Abenteurer" über sie geübt, jubelnd und preisend haben sie die hochherzigen Franzosen empfangen. Der Jubel besteht darin, daß Oudinot mit dem Rufe begrüßt wurde: „nieder mit dem Papst, nieder mit seinem Kardinal Oudinot!" und nur durch Hülfe seiner Soldaten („die Papstsoldaten") der Ermordung entrinnen konnte. Einige Einwohner, die dem Papste eviva’s geschrien, andere, die den Franzosen als Wegführer gedient oder freundlich entgegengekommen (darunter einige Geistliche) wurden ermordet. So kam es, daß die Franzosen keinen Körner fanden, der ihnen geholfen, die Barrikade» wegzuräumen; — die Herren Erretter mußten eigenhändig die Festungswerke der „ wenigen Wühler und fremden Terroristen " abtragen, und zugleich den Belagerungszustand in der „jubelnden Stadt" erklären, — und dennoch zittern sie vor einer sizilianischen Vesper. Der Fürst Napoleon Kanino ist vor den rettenden Waffen seines Vetters Mondkalb nach Genua geflohen.
Dem Papst hat Oudinot die Schlüssel Roms übersendet. Dennoch scheinen Seine Heiligkeit keinen großen Geschmack an seinen heidnisch -voltairianischen Söhnen in Christo zu finden, die ihm die heilige Wonne geraubt, von seinen allerkatholischsten Christen aus Spanien, oder von dem Schlächter im Herrn, dem Kartätschenkönig von Neapel und J erusa lem, oder von den Panduren Seiner jugendlichen apostolischen Majestät, dem Tamerlan von Oesterreich und dito König von Jerusa- lem, wieder eingesetzt zu werden. Die Konflikte über dieses heidnische Einsetzen beginnen bereits. Der Papst soll dagegen protestirt haben und eine österreichische, neapolitanische und