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Zweiter Jahrgang.
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Die Hornisse.
„Raum, Ihr Herren, dem Migelschlag Einer freien Keele!"
M- 83» Kassel, Donnerstag, den 19. Juli. 1849»
Kassel, IS. Juli.
„Nur immer langsam voran" — im Rückschritt!
Nur am Faden der Vorsicht, der Berechnung der Eventualitäten darf man ins Labyrinth der diplomatischen Umtriebe eindringen, soll nicht die Höhle, die wir beschreiten, zur Höhle des Löwen werden, aus der keine Fußtapfen zurückführen.
Es handelt sich im Augenblicke nicht um rasche Entschlüsse, sondern um die Verhinderung derselben, nicht um Zufassen, sondern um Abwarten, nicht um Abschließen, sondern um — Zaudern.
Die Regierung Hannovers gibt uns hier ein allerliebstes Beispiel, wie man der Uebermacht gegenüber sich in die Pläne derselben eindrängt, voll Hingabe, voll Vertrauen, um nachher seine eigenen Manöver desto besser und desto nachdrücklicher auösührcn zu können.
Man erwäge Eins. Die Gewalt der Bajonette hat die Souveränetät des Volkes zu Boden getreten und die Selbstbestimmung der Nation vernichtet. Die Neugestaltung deö Vaterlands ist aus den Händen der Repräsentanten Deutschlands, aus dem Willen der Nation in die Krallen der Herrscher zurückgerissen und in die Katzenpfoten der Diplomaten und politischen Jesuiten.
Nicht mehr unter dem freien Lichte der Sonnen, nicht mehr unter dem lauten Zuruf freier Männer wird getagt über daS Schicksal der Freiheit, Größe und Macht der deutschen Nation; — in den dunkeln Gemächern fürstlicher Willkür, in den heimlichen Schlupfwinkeln der alten StaatSverräther und Bolkövcrächter werden von Neuem die Ketten zusammengeschmiedet, welche die zuckenden Fäuste des Riesen zersplittert.
Für das offene Werk galt daS Zugreifen, das Vorangehen, — galt die tapfere offene Erklärung und das Einsetzen des LebenS; — für daS Werk der Hölle und der finstern Unter« jbchungSverträge gilt das Abwarten und daS Zusehen. Wenn Ihr denn zu ohnmächtig seid an Geist und Körper, auszuharren der her ^einmal erkannten Wahrheit, so seid wenigstens nicht
AlS der König von Preußen sich das Ansehen gab, als wolle er die^Gagern'sche Kaiserkrone annehmen, da waren viele gutmuthrge -^eutfche und namentlich die Mitglieder der dama- tgen kurhcssijchcn totanbefammer so leichtgläubig, diesen Ver- Iprechungen Glauben zu schenken. Sie waren deswegen so cichtgläubig, weil sie so bedientenhaft waren. Fürstenwvrt, GvtteSwort!
Jetzt erklären gewisse Leute: einmal schon habe man ihnen gebrochen und sie verrathen. Noch einmal wollen
sie's versuchen, — aber ein neuer Betrug — und ihr Glaube wäre dahin. — Diese Helden werden so lange glauben und vertrauen und so lange auf den letzten Verrath warten, bis ihnen die Zähne stumpf geworden und die Haare auSgegangen sind, — mit einem Worte, bis zu ihrem sanftseligen, ver- trauungsvollen deutschen Bediententod. Man schreibe auf ihren Grabstein:
Er glaubte, verzweifelte und — starb.
Die Ständekammer hat vor allen Dingen die schwere Aufgabe, die Wohlfahrt deS Landes zu retten, nachdem daS Ministerium die Freiheit Deutschlands mit den 28 kleinen Kollegen verrathen hat. Die alte Zeit ist zurückgekehrt. Jeder ist für sich. Jedes Land muß sich und feine Freiheiten auS der allgemeinen Fluth der Contrerevolution in den sichern Hafen zu retten suchen.
Um daS zu können, muß man nach den Sternen schauen und nach den Wetterzeichen blicken, — daS Ufer prüfen und den Wechsel der Stürme benutzen. Die Dreikönigöverfaffung ist ein Entwurf einer Verfassung, und weiter Nichts.
Sie ist die Grundlage, auf welcher Preußen öffentlich mit den Staaten Deutschlands unterhandelt, — unter deren Deckmantel die geheimen Wiener Konfercnzbeschlüffe und die Karlsbader Bestimmungen eine neue, eine vermehrte und verbesserte Auflage erhalten werden. Ein jedes unbedingte Eingehen auf diese Grundlage heißt sich machtlos und willenlos der preußischen Despotie überliefern, die nur auf den Schein eines Rechtes wartet, um das Unrecht zur Herrschaft zu bringen, die nur auf die Uebertölpelung der kleinen „vertrauungSvollen" Märzminister wartet, um Oesterreich gegenüber die kategorische Sprache deS gleichberechtigten, gleichmächtigen GegenkaiserS zu führen.
Die Zeiten deS alten Reichszwiespalts wiederholen sich unter dräuenden Auspizien. Zwei Mächte, die um die Reichs- vbergewalt sich bereits die blutigen Zähne zeigen, Preußen und Oesterreich, stehen als erbliche Gegenkaiser von Gottes Gnaden sich gegenüber. Dazwischen ein ohnmächtiger ReichS- statthalter ohne Land, ohne Armeen, ohne guten Willen und ohne Energie. Auf beiden Seiten die kleinen Fürsten voll Angst und voll Verzweiflung, dem Sieger zum Opfer zu fallen, wenn sie dem Besiegten Beistand geleistet, voll banger Furcht, selbst die Beute des Siegers zu werden, wenn sie ihm geholfen. Und, was noch niemals gewesen, zugleich zwei Verfassungen, zwei höchste Staatögesetze und vielleicht demnächst zwei Gegenparlamente und dahinter daS Volk, der Sklave, gefesselt, wuthzitternd in feinen Ketten, mit Thränen der Verzweiflung und der Rache das zerbrochene Schwert der Freiheit