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«Zweiter Jahrgang.
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Die Mornisse.
„Naum, Ihr Herren, »em /lügelschlas Siner freien Keele!"
M* 8L. Kassel, Dienstag, den 17. Juli. 1849.
Durch Nacht zum Licht.
(Schluß.)
Die Fürsten jauchzten auf. — „Theile und herrsche!" Die höllische Bedeutung dieses ihres Wahlspruchs bewährte sich zum Verderben der Freiheit.
Sie drückten das Volk und kartätschten eâ nieder, wenn eS sich seine Rechte nicht entreißen lassen wollte. — Die Männer in Frankfurt ließen das Volk niederkartätschen und thaten nichts zu seiner Rettung aus den Händen der Henker, oder sie klebten Papierfetzen vor die Mündungen der Geschütze, in dem knabenhaften Wahn, daß die Kugeln daS Papier nicht durchlöchern könnten, daß Papier ein genügender Panzer sei zur Abwehr der Hiebe scharfgeschliffener Schwerter!
Nachdem die Reihen deS Volkes durchbrochen und gelichtet waren, wandten sich die Fürsten in frevelhafter Rebellion gegen die Männer in Frankfurt, verhöhnten und verspotteten sie, weil sie sich selbst schwach gemacht, weil sie sich freiwillig in die Hände ihrer Feinde gegeben. — Die Männer in Frankfurt hatten sich dem Volk entfremdet. — DaS Volk that nichts zu ihrer Rettung.
Doch als die Fürsten Miene machten, Alles, was unter schweren Mühen errungen, waS mit Strömen Bluts erkämpft war, zu rauben, da bot daS Volk seine Hand den Männern in Frankfurt dar zur Versöhnung und sprach: „Lasset uns zusammen gehen und kämpfen für unsere höchsten Güter!"
Die Mehrheit der Männer ssn Frankfurt stieß die dargebotene Hand zurück; denn eS drohte Gefahr für Person und Leben, und die Gagern und Dahlmann liefen feige davon in versteckte Schlupfwinkel, legten die Hände in den Schooß und seufzten kläglich mit frömmelnder Miene: „Wir haben daS Unsrige gethan!"
Ja, sie haben das Ihrige gethan, den März 1848 zu verwischen; sie haben daS Ihrige gethan , die Sache des Volks zu Fall zu bringen; sie sind für ewige Zeiten an ihrer Stirn gebrandmarkt mit dem blutrothen Zeichen der Schande. — Sie hab?" sich schuldig gemacht des Mordes der Freiheit, des Ver- raths an dem ihnen vertrauenden Volke. Sie sind nun in diesen letzten Tagen offen in daS Lager der Feinde ü b e r g e g a n g e n. — Schmach über diese Elenden!
Aber daS Häuflein der thatkräftigen Männer in Frankfurt ergnff freudig die dargebotene Hand deS Volks, trug daS leuchtende Banner der Volkssouveränetät voran und weihte sich zum Tode für die gerechte Sache.
Die Fürsten haben obgesiegt. In alle Welt hinaus sind d'e kühnen Männer deS Volks zerstreut. Heimathlos irren
sie umher, verfolgt von den Kugeln und Steckbriefen der königlichen Missethäter.
Der Weg, den die Revolution auSgehauen und geebnet hatte, ist überschwemmt von dampfenden Blutwellen und faulenden Leichen, ist versperrt durch die starrenden Bajonette der Fürstensöldlinge, der Streiter für „Ruhe und Ordnung".
Ja, Ruhe wird sein, die Ruhe deS Kirchhofs! — Ordnung wird sein, die Ordnung der in dichten regelmäßigen Reihen aufgeworfenen Grabhügel; die Ordnung deS Säbels, des Galgens wird sein!
Die demokratische Partei ist unterlegen im Kampf. — Jahrestag deS über sie erfochtenen Sieges ist der 13. Juni 1849. Der Blitzstrahl der Märzrevolution wurde von Paris aus geschleudert. Der Anstoß zu der neuen allgemeinen Erhebung sollte abermals von Paris auSgehn. Die Demokratie, ohne die heilige Berechtigung der Nationalität irgendwie zu verkennen, bindet sich nicht an die Grenzen dieses oder jenes Landes. Ihre Grundsätze sind dieselben in Frankreich wie io Deutschland. Ihre Anhänger, durch Verschiedenheit der Sprache getrennt, sind eng verbrüdert durch die gemeinsame Idee. Für sie ist der Rhein keine Scheidelinie.
Der erwartete Anstoß wäre von Paris aus erfolgt, ohne den unglückseligen 13. Juni. — DaS Säbelregiment der fron« zösischen Lügenrepublik hat am 13. Juni die wahre republikanische Freiheit zu Boden geschlagen. Eine tyrannische Majorität hat die Minorität erdrückt. — Der Schlag hat auch unS, hat auch die demokratische Partei Deutschlands getroffen. — Vereinzelt mußte sie erliegen.
„Ist denn nun Alles auS?" — Bei Gott, nein, noch ist nicht Alles auö! — Der endliche Sieg ist unS gewiß. WaS die Demokraten nicht vermochten, werden nun die Fürsten thu». Der Absolutismus wird der Demokratie zum Siege verhelfen. DaS klingt freilich sonderbar, ja widersinnig. — Dennoch ist der Satz richtig. Und dieser Weg zum Ziele ist der sicherste von allen. — —
Die Masse deS Volkes hat den Worten begeisterter Redner gelauscht und gespannten OhreS auf die Stimme der freien Presse gehorcht, hat donnernde Bravo'S gerufen und den demokratischen Grundsätzen zugejauchzt. Auch Petitionen hat sie erlassen eine schwere Menge. — Aber gehandelt hat sie nicht! — ES war ja auch so bequem, Andere handeln zu lassen. ES laS sich ja so schön, wenn da und dort die BolkS- Partei den Sieg davontrug, und wurde sie da und dort besiegt, nun, so saß man doch hier in seiner friedlichen Wohnung bei Weib und Kind ruhig, unangetastet! — Die bittere Erfahrung haben wir gemacht: die Masse deS Volkes ist der Begeisterung für eine Idee nicht fähig. — Sie er-