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diese letzten Märzveilchen zu ekrassiren *). Mit Braunschweig wacht man noch weniger Umstände, hier wurde kurz angefragt, ob daS Ministerium dem Unwesen der dortigen Demokratenrotte Einhalt thun wolle, oder ob Preußen kommen solle und — --Der Minister antwortete entschieden und tapfer, er könne selbst Ordnung machen. Wird Nichts helfen.

Preußen. — Die Demokraten wollen nicht wählen. Wie­der ein Stück passiven Widerstandes, um das sich Niemand kümmern wird. Desto besser, sagt der Sohn Gotteö, der weise, erleuchtete Shrapnelkönig, meine treuen Unterthanen erkennen die Vollkommenheit meiner Regierung an; sie wollen nicht mehr Repräsentativverfassung spielen. Allons donc, kehren wir zum väterlichen Liebeöverhältniß zurück, zerreißen wir noch daö letzte Stück Papier, daS sich zwischen Uns und Unsere treuen Unterthanen gedrängt hat. Vivat die Kreuzzeitung.

Schleswig-Holstein. — Die Niederlage der Schles­wig-Holsteiner vor Fridericia war furchtbar. Der Bericht des General Bonin zählt 1189 Todte, Verwundete und Vermißte aus. Die Kopenhagener Blätter sprechen von 1490 eingebrachten Gefangenen **). — So ist denn wieder ein Theil jener Armee gefallen, die den preußisch-dänischen Tyrannengelüsten im Wege stehn, die gegen die legitime Herrschaft zu den Waffen gegriffen, und die ihr Land leichtlich gegen den Willen des russischen Unterknäs reichöunmittelbar hätten machen können. Darum mußten sie voran nach Kolding in den Tod, nach Fridericia in den Untergang. General Prittwitz erhält dafür seinen ver­dienten Orden. Punische Treue, du hast dein Gegenstück gesunden in der Geschichte der Neuzeit an der preußischen Treue. „Auch daS Uebermaaß der Treue ist schön", sprechen Se. Majestät. Frage an'S Schicksal: was ist das Ueber­maaß der Treue? Antwort: Untreues— So schlage ihn, o Schicksal, mit seinen eigenen Waffen! —

Die schleswig-holsteinische Armee wurde am 6. Juli plötz­lich von 25,000 Däne» angegriffen, die einen Ausfall aus der Feste Fridericia machte», und die einzelnen Schanzen er­stürmten und die vereinzelten Bataillone nach tapferer, blu­tiger Gegenwehr zurücktrieben; die Positionen vor Fridericia gingen verloren. Die Gefangennehmung kurhessischer Truppen scheint sich nicht zu bestätigen. — Jetzt rücken nun Regimenter auf Regimenter nach dem Norden zur Verstärkung. — Elende Vertuschung des elendesten Verraths! Und nun ist der Waffenstillstand geschloffen!!! Die Bedingungen noch unbekannt.

Baden. Rastatt wird bombardirt, auf seinen Wällen weht die Todesfahne. Weder Willich noch Anneke, sondern Tiedemann kommandirt daselbst. In Freiburg stehen die Preußen und nur der Seekreis am Bodensee ist noch in den Händen der Revolution. Die Flüchtlinge werden sowohl in Straßburg wie in der Schweiz auf gemeine Weise behandelt; hier treibt man Einzelne zurück, führt sie ins Innere und steckt sie unter die Fremdenlegion Algeriens, dort jagt man sie von Kanton zu Kanton. Der Großherzog ist noch nicht zurückge- kehrt, und die Absicht Preußens, das schöne Ländchen einst­weilen in Ruhe, Frieden und Ordnung zu halten, wird immer klarer. Was Oesterreich und Baiern dazu sagen werden, wird sich vielleicht aus einen Protest beschränken; Oesterreich hat nur 10,000 Mann disponibel, sonst würde es mit Kanonen spre­chen. »O Ungaru, böses Ungarn, was hast du mir gethan!«

Daß eine Verwickelung mit der Schweiz nahe bevorsteht, wird immer wahrscheinlicher. Die gottbegnadete Tollheit wäre

^ Der König von Würtemberg wird „nie einem Hohenzol- lern gehorchen". Der Kurfürst von Hessen dagegen wag wollen oder nicht, er muß.

♦*) Nach neuesten Berichten beträgt der Verlust 3000 Mann.

wirklich im Stande, für eine Hufe Landes Tage von Sem­pach u. Morgarten heraufzubeschwören, wenn man anders erwarten darf, daß diese neutralen Spießbürger der Kantönli nur halb so wild werden, wenn sie den Stier von Uri hören, wie ihre Vorfahren, die »ungeschlachten Buuren us Schwytz«. Daß sie sich nicht ganz sicher fühlen, beweisen die 8 oder 10 Bataillone, die bereits an die Grenze geschickt werden, wie wir aus Privatbriefen erfahren. Glückauf! Möge der Fürst von Neuenburg die Treffe erhalten, die der König von Preußen noch zu gute hat.

Die Despotie kalkulirt richtig! — So lange diese Schweiz auf ihren Bergen in der Mitte Europas als Freistaat die Idee der Republik nährt und erhält, so lange ist kein Regent auf seinem goldnen .....stuhle sicher. Aus der Schweiz ging der erste Kampf gegen den Feudalstaat hervor, aus der Schweiz ver­breiteten sich die Bündnisse der Städte und Gemeinden nach Allemannien (Baden), an den ganzen Rhein, bis an die stolze, meerbeherrschende Hansa. Welche Kämpfe kostete es den Fürsten, diese starken Freiheitsbünde zu zerbrechen. Aber die Schweiz war und ist frei. Und an ihren Grenzen erhob sich später in der Reformationszeit von Neuem der Aufstand der kleinen Städte und des > armen Mannes «, der furchtbare Bauernkrieg, der »arme Conrad« und der »Bundschuh«, die nur in Blut und in Verheerung erstickt werden konnten.

Und an der Schweizer Grenze brach zum dritten Male die Erhebung des Volkes los, der deutsche Völkerkrkeg, der Bauern­krieg des neunzehnten Jahrhunderts. Und von hier aus wird er zum vierten Male ausbrechen, und im Schwarzwald, im Odenwald, in Thüringen, allüberall in allen Bergen werden seine Flammen auflodern •— und wieder auflodern — bis zum Siege. -— Darum nieder mit der Schweiz! Tragt die Alpen ab, Thoren! oder — verzweifelt! Denn

»Auf Bergen wohnt die Freiheit!«

Kur Hessen. Also der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister, der Staatsrath Wilkens von Ho­henau, Kommandeur zweiter Klaffe eines gewissen Hausor­dens vom goldnen Löwen, Ritter des rothen Adlerordens 3ter Klasse und des Johanniter-Ordens, Großkreuz des Zähringer Löwen, auch Falken- und Ludwigsritter, der Nestor der deut­schen Diplomatie, aber nicht der Geschcutheit, der alte Scholar Metternichs in Wien, befindet sich wirklich auf Wilhelmshöhe! Gott sei Dank! Endlich doch einmal eine Person, ein Gegen­stand, eine Kristallisirung der Reaktion! ein Embryo einer Ka­marilla! Wie mögen sich Se. Königl. Hoheit unser allerdurch­lauchtigster Landesvater glücklich fühlen! — Endlich doch ein mitfühlendes Wesen! einen achten, wohlkonservirten Vollblüter! Hessen, hier stellen wir Euch Euern zukünftigen Ministerpräsi­denten vor! — Seine Kanzlisten und Büreaudiener stehn in Landwehrhagen, mit Frakturfedern und (Sand)büchsen wohl versehn. Selbst die Neuhessische ist konsternirt über den klei­nen Oelgötzen ex machina. Sch effer hilf!

Die Landstände haben noch immer in ihrem Bureau und mit ihrer Legitimation zu thun. Den tapfern Knobel haben sie mit 23 Stimmen zum Sekretär gemacht, was geradezu eine Abgeschmacktheit zu nennen ist; haben unter sich an Feder­fuchsern einen Minister, 2 Staatsprokuratoren , 6 Rechtsver­dreher, einen gelehrten, reitenden Postmeister und einen kleinen Literaten, und nehmen einen Landmann zum Schriftführer, der »lieber spricht als schreibt«. Da liegt aber der Hase im Pfeffer. Der sehr ehrenwerthe Hr. Henkel von Gotha, der Pfiffikus, ist der Hauptersinder dieses Partei- kniffs, einen Führer der Gegenpartei durch viele Arbeit et­was zu beseitigen. Diese »parlamentarische« Taktir ist plumper als das dickste Nashorn oder Trampelthie^ un wird als solches in den Annalen der kurh. Landtage Furore machen. Was wäre Kurhessen ohne seinen Henkel.

(Beilage.)