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schön igen, Vertuschen und Verkleistern bei Seite, und rufen eS offen und ohne Rückhalt in das Land hinein: daß daS Vaterland in Gefahr ist!

Wenn wir die Gefahr verheimlichen oder verkleinern woll­ten, so würden wir sie dadurch noch von Niemanden abwäl­zen. Doch wenn wir ohne Rückhalt den Sachbestand offen so darlegen, wie er sich verhält, so machen wir die Nation zum Herrn ihres eigenen Schicksals. Wenn Lebenskraft im Volke ist, so wird eS sich und wird es daS Vaterland retten. Wenn es aber, von feiger Furcht befangen, unthätig bleibt, so geht es unrettbar verloren, zu Grunde. Wer sich selbst sicht hilft, dem wird auch Gott nicht helfen.

Hiermit geben wir daher im Gefühle unserer Pflicht allen Einwohnern Ungarns zu wissen, daß der öster­reichische Kaiser in der That die russischen Barbarenhorden uns über den Hals schickt. Wir geben ihnen zu wissen, daß ein russisches Heer von 46,000 Mann aus Gallizien, durch Arva, Zipö, SaroS und Zemplin in unser Vaterland einge­brochen ist und ununterbrochen kämpfend, immer vorwärts rückt. Wir geben ihnen zu wissen, daß außerdem auch in Siebenbürgen, von der Bukovina und Moldau her, russische Truppen eingebrochen sind, mit denen unsere Armee schon blutige Treffen gehabt hat. Wir geben ihnen zu wissen, daß in Siebenbürgen, im Vertrauen auf die russische Hülfe, die walachische Rebellion neuerdings ausgebrochen ist, und daß auch der österreichische Kaiser seine letzten Kräfte gesam­melt hat, um die ungarische Nation auszurotten. Wir geben ferner unseren Mitbürgern zu wissen, daß, obgleich eS so ge­wiß ist, wie Gott im Himmel, daß, wenn eS den Russen gelingen sollte, unser ungarisches Vaterland zu be­siegen, daraus die Knechtschaft für alle Völker Europas erfolgen würde, wir doch vom Auslande keine Hülfe erwarten können, weil die Herrscher die Sympathie ihrer Völker unterjocht halten, die stumm und thatenlos auf unsern gerechten Kampf hinsehen.

Es ist daher Niemand, auf den wir hoffen könnten, als der gerechte Gott und unsere eigene Kraft; wenn wir aber unsere eigene Kraft nicht benützen, so wird auch Gott unS verlassen.

Gott hat unS auserwählt, damit wir durch unsern Sieg die Völker von der LcibeSknechtschaft erlösen, sowie Christus die Menschheit von der Geistesknechtschaft erlöst hat. Wenn wir die von den Tyrannen über unS hereingewälzten Horden besiegen, so wird in Folge unseres Sieges der Italiener, Deutsche, Czeche, Pole, Walache, Slave, Serbe und Kroate frei werden. Wenn wir erliegen, geht der Stern der Freiheit über allen Völkern unter."

Nein, dieser glänzende Stern wird nicht erlöschen, oder er wird im Westen von Neuem emporstrahlen, wenn er im Osten in dunkle Nacht hinabgestiegen. Aber noch glänzt er im Osten:

Es lebt ein Volk im Osten,

In dessen Adern glüht und schwillt

Und kocht und treibt und gährt eS wild, Als wär'S von edlen Mosten.

Es lebt ein Volk im Osten, Das hat getragen schon viel Leid,

Und niemals durfte in der Scheid' DaS gute Schwert ihm rosten.

Und dieses Volk im Osten, Das führt jetzt einen heiligen Krieg, Gott geb' ihm einen vollen Sieg Franz Joseph zahlt die Kosten!

Schon ist der Herr Franz Joseph eiligst nach Wien zurück- gelaufen, als die Sache ernstlicher wurde, und als plötzlich vor Komor« (Komm morgen), das selbst Napoleon für uuein-

nehmbar erklärte, Görgey mit seinen HeereSmassen dem eilige« Siegesmarsch deS Tyrannenknaben Halt gebot. Gerüchte von einem Treffen, worin die Russen auf's Haupt geschlagen, be­stätigen sich nicht. Kossuth geht von Debreczin*) nach Scegedin, und wird selbst Pesth ohne Schwertstreich von Russen besetzen lassen; er hat erklärt, er kenne die Kriegführung dieser Bar­baren zu gut, um ihnen Weiber, Greise und Kinder zum Ab­schlachten in die Hände zu liefern, dadurch, daß er Städte zu vertheidigen suche, die doch nicht zu halten. Aber alle Dörfer müsse« von den Ungarn verlassen und angezündet, alle Nah­rungsmittel abgelicsert und verborgen werden, damit der Feind ohne Quartier und ohne Lebensmittel dem desto sicherern Un­tergang entgegengeht. Siegen die Ungarn, so wird die Flucht der Feinde durch das verwüstete Land furchtbar und unaufhalt­sam, gleich der Flucht der Franzosen auS Rußland.

Franz Joseph zahlt natürlich alle Kosten! De» Russen muß er schon jetzt Gallizien überlassen, das sie mit 80,000 Mann besetzt halten, und selbst, wenn er seine Unterthanen in Ungarn und in Italien durch seine elenden Sklaven aus Deutschland und Böhmen besiegt, so bleibt ihm nur ein ver­wüstetes, verödetes, mit Brand und Blut erfülltes Reich, dessen Wunden Jahre bluten werden, bis aus seinem Jammer diesem jungen Tamerlan und seinen Mordhunden, der Pest der Mensch­heit, einem Haynau und Konsorten, die Geister und der Arm der Rache erwachsen werden. So schwören die mißhan­delten Völker!

Kossuth! Kossuth! Unser Held! Unser Panier! Deutschland erkennt's, daß im Osten

AuS Nacht des Kampfes und der Noth

Aufgeht sein Licht, sein Morgenroth.

Deutschland. Die Könige von Preuße», Sachsen und Hannover haben ein Schiedsgericht in Erfurt niedergesetzt, daS ist der erste Versuch zur Wiederherstellung der Ordnung durch ein friedliches Mittel, das aber der Nation natürlich Nichts helfen wird. Gegen Oesterreich bleibt Preußen bei dem unbedingten Verlangen, in der Richtung und Leitung eines Bundes im Bunde keine Störung dulden zu wollen. Der Czar aller Reußen blickt mit Wohlgefallen auf die Energie seines UntcrknäS in Potsdam und lacht Oesterreich in den knirschenden Rachen. Armeö Oesterreich, der Preis für die Unterjochung Ungarns wird furchtbar und die Rettung immer unsicherer. Inzwischen sitzt der arme alte ReichSerzjohanneS in Gastein und pflegt seine centralmüden Reichsglieder, und gedenkt derTage von Aranguez"in der alten Stadt am Main, voll von saurem Appelwoain". Ein Brief von ihm vom Oktober vorigen Jahrs, der jetzt bekannt geworden, zeigt, daß er schon damals an kein gutes Ende mehr glaubte. Die fürstliche März­errungenschaft spricht darin gerade keine Zuneigung für die Ab- solutrsten auS, aber eine gründliche Abneigung gegen die Dema­gogen, die Demokraten der rothen Republik, die Wühler, Leute, die Nichts zu verlieren haben (an daS bischen Leben denkt der Art fürstliches Pack nicht),die verwegen und feig";ihnen gegenüber hilft nur unerschütterliches Entgegentreten". So schreibt derBeste der Fürsten". Volk, du siehst, bei diesen Unverbesserlichen hilft nur unerschütterliches Entgegen­treten. Zwischen unS und ihnen kein Frieden bis in Ewig­keit, Amen!

Die Ministerien von Würtemberg und Kurhessen sind der preußischen Restaurationâpartei jetzt die Steine deS Anstoßes; an ihrem Sturze wird in Berlin, in Kassel und in Stuttgart ohne Ruh und Rast gearbeitet, und die hannoverschen Truppen an der kurhessischen Grenze, und die preußischen an der wür- tembergischen sind auf den ersten Wink bereit, mit ihren Waffen

*) Ist bereit« von den Russen besetzt.