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Zweiter Jahrgang.

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Die Hornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Seele!"

1= 82. Kassel, Donnerstag, den 12. Juli. 1849«

Die Stellung Knrhessens zum Reich " und zu Der Verfaffungsfrage.

3.

Also lasset uns thun, und so eS behaupten!" (?!)

Vater, verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie thun!" Sie wissen auch nicht, was sie thun sollen.

Es mag wohl selten ein Beispiel in einem monarchischen Staate vorgekommen sein, wo ein Minister so wenig von den Plänen des HoseS in Kenntniß gesetzt war, wie das dem guten Eberhard passirt. Vielleicht kann ihm Wippermann Einiges mittheilen darüber, vielleicht weiß auch er Nichts, oder waS er weiß, ist falsch.

Das kommt von der demokratischen Monarchie deS alten Kurhessen H e n k e l von Gotha! Hat man dem Fürsten die Flügel gestutzt, und ihm Minister vorgesetzt, die selbstständig, ohne ihn zu fragen, in eilenden Fällen für sich handeln durf­ten, die in ihrem Namen alle Reichsgesetze publizirten ohne Unterschrift des Fürsten so sitzt auf der andern Seite der Fürst für sich in seinem einsamen Schlosse, den Plänen seiner alten absolutistischen Freunde zugänglicher als je, mit seinen Hoff­nungen und seinen Erwartungen in die Ferne greifend nach Ber­lin, nach Hannover nach dem Schutze seiner geborenen Freunde von Gotteögnaden und nach der Hülfe seiner lieben Genossen von dazumal, nach Hassenpflug und Scheffer.

Aber angenommen auch, der Minister Eberhard wüßte um diese Pläne und Wünsche, um diese Verabredungen und Ein­fädelungen, was hilft diese Kenntniß? Waü hilft eS ihm zu wissen, das die 5000 oder 8000 Manu Hannoveraner *) und die 10,000 Mann Preußen in Erfurt für Thüringen und Kurheffen bestimmt sind?

Es sind Bundestruppen! Der Augenblick deS Enthu­siasmus ist vorüber, wo die tapferen Kurheffen" die Feinde deS Reichs in ihnen erblickt hätten, wo sich im alten Katten- lande vielleicht ein ebenso trauriges Kampfspiel zwischen den Söhnen ein- und desselben Vaterlands erhoben hätte, wie in dem unglückseligen Baden.

Ja, eS ist wahr, die Demokratie KurheffenS, die einzige thatkräftige Partei des Landes, würde sich für den Minister Eberhard erhoben haben, wenn er sich für die Reichsverfaffung erhoben hatte, erhoben nicht mit diplomatischen Wendungen und ängstlichen RückzugSvorbereitungen, sondern mit der offe­nen, ehrlichen und entschiedenen That; sie würde sich erhoben haben auf die Gefahr des blutigen Untergangs.

Er selbst hat ihre Kraft gebrochen, ihre Bestrebungen durch

*) Auf den 13. Juli sind Krüassire in Landwehrhagen angekLndigt.

kleinliche Gesetze vernichtet, und ihre Anhänglichkeit an seinen guten Namen durch den faktischen Abfall von der Ncichüver- fassung und der Volkssouveränetät in ihren letzten Resten vertilgt.

Er konnte durch Entschiedenheit ruhmvoll fallen ; er fällt rühmlos durch Schwäche. Diese Zukunft stellte ihm bereits jener Kongreß der Städte und Vereine zu Kassel im Monat Mai in Aussicht, deren letzte Anmahnung zur Kraft spurlos an seiner politischen Haltung vorüber ging.

Aber er hat das Land vielleicht dadurch vor grenzenlosem Elend, vor einem furchtbaren Blutbade gerettet? ES ist möglich; dafür hat er Deutschland verrathen helfen.

Wir wollen vom weiten Standpunkte der deutschen Revolu­tion für einen Augenblick herabgehn auf den Standpunkt der Landeöpolitik, über welchen sich selbst die freisinnigen Mini­sterien der kleinen deutschen Staaten niemals haben erheben können. Von diesem Standpunkt auö muß man sagen, daß Hr. Eberhard dem Lande eine viel günstigere Stellung hätte an­eignen können beim zukünftigen Tanze der Oktroyirung und Me- diatisirung, wenn er es bis an die Zähne in Waffen gesteckt hätte. Mochte er dann nicht offensiv gegen die preußische Knute auftreten, so durfte er doch laut bekennen, wir rüsten zu unserer Selbsterhaltung. Statt dessen schickt er die Truppen gegen die Badenser, er läßt sie in Schleswig -Holstein zur größten Freude der Preußen dezimiren und gefangen werden.

Aber es gab ja keine Reaktion, eS hatte Nichts zu sagen mit der Oktroyirung, der König von Preußen meinte eS ja so ehrlich, und vom Kurfürsten wenigstens konnte nun und «immer eine Reaktion auSgehn!

Was hat denn der Herr Ministerpräsident Graf v. Ben- ningsen in Hannover dem Kurfürsten gerathen? und waS hat der schwarz-weiße Telegraph in Berlin verkündet? Ja, wer Das wüßte! *)

Freilich, wenn man daö Land bewaffnet hätte, wenn man auâ Staatsmitteln den Mangel an Geld und an Munition gedeckt hätte, wer weiß, wohin die Bewegung unS geführt hätte! Wer kann dem brausenden Sturme Halt gebieten und die stürzen­den Wogen, wie MoseS im rothen Meere, zum Stehen bringen?

Und wenn wir auch zum kalten Norden gerechnet werden, unsere tapferen Soldaten haben so lange mit Preußen gestritten, sie hätten auch siegreich gegen diese, ihre alten Alliirtrn, ge­kämpft. Und daâ Volk? Denkt an seine tollkühnen Auf­stände gegen den westphälischen Thron und den französischen Usurpator. Nur auf die Spießbürger der Hauptstadt dürfte man nicht rechnen, trotz ihrer heldenmüthigen bekannten Er-. klärung, betreffend daö Stehen und Falle«.

*) Auch der Obersteuerdirektor Pfeiffer weiß eS nicht, obgleich er in Berlin im Namen des Ministeriums unterhandelt.