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Kehl und in die Gegend von Offenburg und Freiburg vorzudringen. Wir können jedoch versichern, daß dies. g." Aufständischen noch eine wohldisciplinirte HeereSmasse von 50,000 Mann haben, und daß von Würtemberg und auS dem Seekreiâ fortwährend Verstärkungen und Zuzüge Eintreffen ; im Schwarzwald stehen die pfälzischen Freischaaren, die durch erbitterten blutigen Wi­derstand ihr gezwungenes Aufgeben deS Kampfes in der Pfalz doppelt und dreifach rächen.

Bei ihrem Vordringen rechneten die Sieger auf einen freundlichen Empfang; allmählich aber erkannten sie selbst, daß sie nicht als Erlöser, sondern als Henker betrachtet wurden; sie fanden Städte und Dörfer von allen Män­nern verlassen, nur Weiber und Kinder wurden sichtbar, um mit Thränen der Verzweiflung und deS Gramö die Schritte derWiederhersteller der Ordnung" zu benetzen. O Volk! wie lernst du unter den schrecklichsten Schmerzen, wozu deineallergnädigsten" Fürsten fähig sind! Nord­deutschland hat Süddeutschland der Despotie mit dem Mord deö Volkes durch Waffengewalt zurückerobert; Süddeutsch­land wird zum Dank nach dem Norden die Revolution und den Fürstenmord schleudern.

Von der Eroberung Badens aber wird weder der ange­stammte Bastard-Landesvater, noch daS siegreiche Preußen einen großen Vortheil erlangen. Derbürgerfreundliche" Herr Leopold sitzt noch immer in Mainz und gewisse Depeschen scheinen ihm die Rückkehr nach Karlsruhe nicht eben anzurathen. Denn im Rathe der Götter der Erde ist bereits der Untergang Badens beschlossen. Baiern und Oesterreich verlangen ihren Raub; Preußen verlangt seinen wohlverdienten Bissen. Oder die Paukerei geht loS " zwischen den allerdurchlauchtigsten mordbesudelteu Harpyen. Vorwände für daS Verschwinden Badens von der deutschen Karte gibt die Illegitimität deS Großherzogö und die Demoralisirung deS Heeres. Glück auf! Fahrt fort in der Vereinfachung der deutschen Revolution, Ge­burtshelfer der Freiheit, blödsinnige Tyrannen!

Kurhessen. Die Wahlen sind nun bald beendigt. Die Ständekammer ist auf den 10. Juli einberufen. Von demo­kratischer Seite sind, so viel bekannt ist, bis jetzt 16 Männer durchgesetzt, deren Namen auf der demokratischen Kandidatenliste standen: Bayrhoffer, Kompe, Löber, Theobald, Rühl, Rauhs?), Lottich, PeterS, Winkelblech, Förster, Wolf, Weinzierl, Gräfe, Knobel, Lottich und Bar. Außerdem gehört zur demokratischen Partei Peters von Wächtersbach. Die Wahlen der Höchstbesteuerten sind in Marburg und Hanau der Demokratie nicht ganz ungünstig ausgefallen, so daß in manchen Fragen die Opposition nicht ohne Aussicht auf Ma­jorität ist, wenn sie sich gehörig organisirt. Winkelblech hat abgelehnt, ein Zeugniß über sich selbst, daß er kein poli­tischer Charakter ist;- ein solcher hält ein Zurücktreten in dieser Zeit für einen Verrath au der Freiheit, und seine Nerven und sein Prinzip sind so stark, auch in der Minorität sich nicht unglücklich zu fühlen. Hr. v. Sybel ist in Marburg glänzend durchgefallen. Was soll aus Kurhessen und aus der Partei Oetker werde», wenn dieser Mann nicht in die Stände­kammer geseilt wird?

Die mobile Kolonne hat Marburg verlassen und ist zu ihren Kasselschen Fleischtöpfen zurückgekehrt, nachdem sie den dortigen Correspondenten für Standrecht und Kosakenthum in die Neuhessische Zeitung zu neuem Muth und zu einigen Witzen über Marburgs Janusantlitz nud über die starrenden Waffen begeistert hat. Kosten unö viel Geld, diese Corresponden- zen! Se. Königl. Hoheit, unser theuerster Landesvater, haben inzwischen allergnädigst geruht, in Hannover einer Revue beizuwohnen, da in Kassel im Augenblick nur ein Ba­taillon und einige Schwadronen allerunterthänigst zu liegen die Ehre habe». Sie sind bereits wiederum in dem Lustschloß zu

Wilhelmshöhe zurückgetroffen, benebenst Dero fliegendem Ge­folge, der bewußten Flüfteladjudantur für 8600 Thlr. jähr­lich (f. Finanzgesetz 5. April 1849. Ausgabebudget G, Kriegsverwaltung I). Dero Reise selber kostet unS natürlich Nichts! Teufel! Wozu wird denn das Papiergeld ge­macht? Könnte uns die Neuhessische Aufschluß geben, wozu ein hannoversches Truppenkorps bei Göttingen zusammengezo­gen wird? Etwa zur Revue?

Die Freiheit der Person unter dem März-Ministerium Eberhardt in Marburg.

Eine moderne Bartgeschichte.

Ein Landmann von Großselheim, Namens Block, kommt nach Marburg und läßt sich erzählen, daß die Badenser sich doch nicht ohne tapfere Gegenwehr von den Preußen umbringen lassen. Er trifft darauf mit einigen Soldaten zusammen, zu denen er äußert, die Badenser hätten Recht, denn sie hätten die Reichsverfassung und daS Parla­ment anerkannt, uns wer Recht hätte, dem müsse man beistehn und ihn nicht noch unterdrücken helfen. Als er darauf an die Wache kommt im Nachhause, wird er plötzlich arretirt, und er gewahrt, daß ihm zwei Sol­daten der 3. Compagnie des Leibregiments nachgegangen sind. Von der Wache wird er nach 3 Stunden durch einen Polizeidiener, Namens Erb, ins Verhör geschleppt. Dieser Bramarbas erklärte ihm unterwegs, wenn er mit Jemandem spreche, wolle er ihn durch und durch stechen. Der Spitzel wittert preußische Morgenluft. Der Landmann wurde nach dem Ver- hör dem Gensdarmen Siebert übergeben, der ihn nach dem Schloff« führte. Das Abenteuer mit diesem zweiten ReaktionS - Maulhelden (die je­desmal wie Spargeln nach einem Kcüdregen wachsen, wenn eine mobile Kolonne eintrifft, und eben so schnell wieder verschwinden) lassen wir den Landmann selbst erzählen:

Er fragte mich, woher ich wäre. Ich sagte, von Großselheim. So, sagte er, das glaube er, da wäre auch die Bayrhoffer'sche Ge­sellschaft; sie (die Gensdarmen und ihre Vettern von Gottes Gna­den) wollten uns aber schon gescheut machen uns uns mit den Ba­jonetten durch und durch stechen, und der Soldat, der mich arretirt hätte, der hätte eine goldne Medaille verdient (wozu wir ihn Sr. Königl. Hoheit bestens empfohlen haben wollen, nebst dem Spitzel und dem Gensdarmen). Und zum Gefangenwärter Schelp sagte er in meiner Gegenwart, ich sei aus Großselheim; es wäre eia Wunder, daß der Kerl (ich) den Bart nicht hätte stehen lassen, denn in Großselheim hätten die Kerls alle Barce; und damit hielt er die Hand unter sein Kinn und sagte:so lang!"

Wenn das wahr ist, so muß sofort eine neue mobile Kolonne nach Großselheim und muß den Kerls die Bärte ausreißen. Wie kann man in Frieden regieren und Minister fein, wenn Kerl« in Großselheim Bärte haben? Ist das Freiheit? Das ist Frechheit! Eine mobile Kolonne! eine mobile Kolonne!

Wie man in Hombressen wählt.

Der gutgesinnte Bürgermeister, der erst seit einer Hofjagd, zu welcher er eingeladen war, in diesem Rufe steht, liest einen Brief deS Pfarrers vor, in welchem er Euler wählt, und sich entschuldigt, daß er wegen Altersschwäche zum Wahl­manöver nicht persönlich erscheinen könnte*). In die­sem Brief wird Euler natürlich allen guten und braven Hom- breffern empfohlen.

Der Bürgermeister erwähnt nachher beiläufig auch, daß in Hofgeismar beschlossen worden sei (von Wem?), Knobel nicht zu wählen und Euler die Stimmen zu geben.

Wenn dies Alles nichts hilft, dann muß der höchstbesteuerte Junker vom Hof, der bei der Wahl gar nichts zu thu" hat, herbeigeholt werden. Dieser empfiehlt alsdann auch sei­nen Freund Euler.

DaS Wahlresultat war dennoch:

Euler 27 Stimmen.

Knobel mehr denn 80 Stimmen **).

) ungesetzlich! §. 11 des Gesetzes vom 5. April:Die im Wahl­termine nicht erscheinenden Wahlberechtigten verlieren ihr Wahlrecht für den einzelnen Wahlakt. Die Red.

»*) Summa der Wähler 107. Der Ort hat 1357 Einwohner Die 107 Wähler repräsentiren 535 Seelen; also über 800, beinah zwei Drittel des Orts bei den Wahlen unbetheiligt.

(Beilage.)