Dieses Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedition befindet sich in der obern En- lengasse Nr. 132. Der Abonne- menlèpreis ist vicrtelsiihrl. l8Sgr.
Zweiter Jahrgang.
Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit 1 Sgr., bei wiederholter Einrückung m. 8 Hlr. berechnet; dieselben sind in der Erpedition abzugeben , woselbst auch abonnirt wird.
Ute
Ri 80.
o r N i s s e.
„Vaum , Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Seele!"
Kassel, Sonnabend, den 7. Juli.
1849.
Die Stellung Kurhessens zum „NeLch" und zu der Verfaffungsfrage.
1.
„Der Kurfürst soll leben, Der Kurprinz daneben, Und alle Affenzier, Kurhesien seind mir!"
Kurheff. Soldatenlied.
Kurhessen sind wir! Kurhesseu wollen wir bleiben! Kur- Hessen waren wir immer, d. h. wenigstens seit einigen Maimonaten. „ WaS istdeâ Deutschen Vaterland?", wer kann diese Frage anS Schicksal beantworten. ES gäbe Augenblicke im menschlichen Leben, wo man dem Weltgeist näher wäre? Lügen, erbärmliche Lügen! — Lügen von rothen Dichtern und Wühlern.
Aber, hieß der Mann nicht Schiller, der......?
Schiller, der Schwabe? — War der ein Kurheffe, wußte der, „wo uns der Schuh drückt"? — Wenn'S noch unser Henkel gesagt hätte.
Nein, beim großen Christoph, dem alten Wahrzeichen unseres Landes, dem ewigen Denkmal unseres erhabenen Fürsten- geschlechtS und seiner durch unâ brave Hessen ihm gelieferten Reichthümer; — beim Wickelkind von Brabant, dem unsere Vorfahren und unser Land als Pathen- und Taufschilling in die Wiege gelegt wurden — vom lieben Herrgott; — beim Zopf der alten Hessen selber, „wir wollen nicht unner- gestoppt weren"*) spricht Henkel von Gotha, und deswegen wollen wir die Reichsverfassung von Frankfurt, die der Henkel jetzt verrathen hat.
Aber in der Reichsverfassung von Frankfurt steht ein Paragrah :
Abschnitt HI. §. 68: Die Würde deâ Reichsoberhaupts wird einem der regierenden deutschen Fürsten übertragen.
8 69. Diese Würde ist erblich im Hause des Fürsten.
Ein erblicher Kaiser aber ist noch viel schlimmer, als jene Wahlkaiser, die Hohenstaufen, die Luxemburger und die Habsburger, die schon so entsetzlich raubten und unterstopften. Deswegen log uns der weise Gagern vor, wir hätten immer erbliche Kaiser gehabt; — das Rauben wäre also zu ertragen. Aber untergestopft wird auf jeden Fall.
Nun, so wollen wir gar kein Reichsgesetz und keinen Kaiser; — nur find Kurhessen und wollen Kurhessen bleiben! — Wenn noch der Kurfürst Kaiser würde!
*) So nennt man das Mediatisiren, spricht Henkel.
Wir wollen weder daS Reichâgesetz von Frankfurt, noch daS von Berlin, — wir wollen Nichts.
Aber die Preußen?
Nun, wer uns zwingt, der hat uns!
DaS Volk hat Recht, wie immer. ES hat Recht in seiner Apathie so gut, wie in seiner Liebe und in seinem Haß. ES hat Recht, denn es hat die Macht. — ES hat die Macht, die Gewalt seines Fürsten zu zerbrechen, wie der spielende Morgenwind die morschen, verfaulten Eichen des Hochwaldes zerknickt. — ES hat die Macht auch schweigend, auch duldend unter den Streichen seiner Unterdrücker, auch erniedrigt tief im Staube der Knechtschaft! — Ein Blitzstrahl deö Zornes, ein Blitzstrahl der auflodernden Wuth , eine drohende Geber de — und Tyrannen liegen auf den Knien und winseln um ihr Leben; — ein krampfhaftes Zucken der Faust nach dem Schwerte, — und Alles wird gewährt in Huld und in väterlicher Gnade; — ein Streich mit erhobener Waffe, — und Kronen werden zum Kinderspott.
Das ist die Souveränetät des Volkes.
Keine Ketten, keine Kerker, keine Richtbeile, kein Standrecht, kein Dezimiren und Morden, kein Melden, kein Wiu- dischgrätz, kein Haynau und kein Prinz von Preußen; keine Million Bajonette und Feuerschlünde können diese einzige wahre Gewalt der Erde unterdrücken, vernichten, hinweg zaubern, hinweg leugnen oder hinweg sp o tt e n; denn in ihr selbst leben, weben und find sie, vergänglich allesammt, wie die Gräser deS Feldes, — von heute btè morgen. — Nur daâ Volk mit seiner Hoheit ist unsterblich, ewig und unverletzlich, als zerschlagener, gemarterter Sklave sowohl, wie alâ siegreicher Held, der sein blitzendes Richtschwert erhebt über den Häuptern seiner zitternden Henker. Volk, begreife deine Macht!
Die Souveränetät deâ deutschen Volkes schlummert von Neuem. ES läßt seinen Fürsten den Kampfplatz. Armseliges Volk, Du hast Recht, denn — Du bist daS Volk. Aber erwache, schwerfälliger Schläfer! Erwache! Du liegst in Deinem Blute! G. K e l l u e r.
Politische Wochenschau-
Frankreich. Die edle Nationalversammlung dekretirt ihren eignen Untergang durch Selbstentehrung. Sie hat sich ein DiSciplinar - Gesetz gegeben, daö entwürdigendste Gesetz, unter welches sich jemals ein Repräsentantenhaus gestellt hat. Wer zur Ordnung gerufen ist, ohne Folge zu leisten,