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Zweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Naum, Ahr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Seele!"

ML 79.

Kassel, Donnerstag, den 5. Juli.

1849.

DaS Nachparlament in Gotha.

11.

O Deutsche!

Uns fehlt ein Rationalzuchtbaus Und eine gemeinsame Peitsche."

Heine.

Uns fehlte ein gemeinsames Zuchthaus, eine gemeinsame Knute, ein gemeinsamer Nationalhenker, ein gemeinsamer Haß gegen ein einziges Haupt, einen einzigen Carl Stuart oder Ludwig XVI. Und das Alles fehlt unS noch immer.

Diese nothwendige Vorfrage für die Befreiung deS Vater- landS ist noch nicht gelös't.

Umsonst haben diese bleichen Männer deS deutschen Pe­dantismus und der undeutschen Feigheit ihr Volk und ihre kleinen Fürsten den Fängen des raubgierigen Adlers von Pots­dam verrathen; umsonst überfluthen die Bajonette der Be­ruhigung den ganzen Süden und Norden, umsonst ist die Macht der Reuß Greize und Anhalt-Bernburgcr gebrochen, und Waldeck, Hessen und Lichtenstein von ihren Truppen ent­blößt und der rettenden Hand des Prinzen von Preußen offen und dienstwillig umsonst, umsonst!

Wir sollen nicht einmal zum gemeinsamen Natio- nalzuchthauS bringen, und damit zur gemeinsamen Erhe­bung und dann zum Sturze eines Einzigen! Die Ge­schichte Deutschlands tritt in eine neue Vorbereitungsphase. Eine neue Mediatistrung, eine neue, nur vorbereitende Vereinfachung des langsamen, furchtbar und rastlos fortschrei­tenden deutschen Revolutionsprozesses.

Die erste Phase dieser Vorbereitung nach dem Sturze des alten Kaiserreichs war die erste Mediatisirung, woraus der Rheinbund und dann der Staatenbund.

Die zweite Phase ist eine neue Mediatistrung zu Gunsten der größten Staaten und der Bundesstaat, oder d i e Bundesstaaten eines engern und weitern Bun­des. Hierin ist die Zukunft eines Proteus.

Aber selbst aus 3 oder 10 Zuchthäusern wird das Drängen deS dunklen, unbewußten Nationalgeistes bald ein einziges machen. Die Waffen der Alles verschlingenden Despotie werden dieses große Gebäude begründen, um darin de» Pro­metheus der deutschen Demokratie mit der Riesenkette der Sklaverei btnben und beugen zu können. Und dieser wird jubelnd seine Hände den letzten Fesseln entgegenstrecken; nach ihrem Zersprengen giebt es keine mehr, und die jetzt tau- sendköpsige Hydra der Reaktion und der Gewaltherrschaft, die von tausend Streichen nicht siel, wird in ihrem letzten Haupte burch ein einziges Richtbeil vernichtet werden.

Vaterland, heiliges Vaterland! Du wirst frei, aber erst muß dein letzter Tyrann dich bis zum Tode gegeiselt ha­ben. Blut heißt die Nacht, die dem Blute deines Freiheits­morgens vorangeht. Mord heißt die Losung der Furien, die den Mord deines letzten Henkers herbeischreit. Täusche dich nicht! Rache heißt deine Zukunft!

Legt Eure Hände zum Schwur in die Wunden deS zer­fleischten Vaterlandes: bei diesen alten, hundertjährigen, offenen Wunden, mit frischem heiligem Blute seiner besten Söhne gefüllt, schwört und blickt in die Zukunft! Lasset sie spotten, unsere Feinde und die feigen Genossen un­serer Schmach, über unserePhantome", wir halten am Glauben und an der Hoffnung mit unserm Herzblut!

Wir für unsern Theil behalten uns vor den Haß gegen die Tyrannen und das Mitleiden gegen die ohnmächtigen letzten Rettungsversuche der entmannten Schwächlinge, an deren Spitze jene 129 oder 130 s. g." Männer in Gotha stehen, die mit ächt altdeutscher Gelehrten-Feigheit das Volk verrathen, dessen Heil in ihre Hand gelegt war, die den Ruhm dieses Volks schmachvoll entehren, indem sie es durch Schande retten wollen, deren Pflicht ein stolzer Kampf oder der Untergang für seine heiligen Rechte war, und die statt dessen mit hündi­schem Schweifwedeln seinen Tyrannen die Ketten entgegen­tragen , um zu fesseln, und alö niederträchtige Sklaven um Gnade und Schonung winseln.

Diesen armseligen Wichtenstehen die Zwecke höher als das Festhalten an der starren Form", deswegen lassen sie alle ihre alten Ansprüche auf die Volkshoheit fallen wenn nur ihr elender Zweck, ihr und einiger tausend armseliger Schächer elendes Leben gerettet wird.

Wir bedurften Eurer Erklärungen nicht, um ganz ernie­drigt zu werden. Wir sind es tief genug schon ohne euch, ihr Herren Bernhardi, Henkel und Jakobi von Kurheffen*), ihr, die ihr von unS zuerst, aus erster Hand den verdienten Lohn für eure sklavischen Schandthaten an dem Heile, an dem Ge­nius der Nation erhalten sollt, Lohndiener des Fürstenthumö, Achselträger der Despotie!

Selbst das einem indischen und ägyptischen Kastenleben an­gemessene oktroyirte Polizeiwahlsystem deS Königs aller Preußen empfehlen sie dem deutschen Volke. Es bleibt eine ewige Wahrheit: Einem widerspenstigen Lakaien einen Fußtritt und er fällt sofort in seine alten Bücklinge zurück, und küßt die Hand, die ihn geohrfeigt.

*) 8. Schwarzenberg von Kassel hat mit standhafter Ehrenhaftig­keit an der Reichèvexfassung und an seiner Pflicht festgehalten, obgleich er dem Gothaer Sklavenkongreß beiwohnte. Die Red.