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bibaten der Vereine traten auf Veranlassung des Bürgermeisters S. die vormärzlichen Bürgermeister und Räthe in Opposition, die es nach altem Brauch als ein Recht betrachten, die guten Bürger auch politisch zu vertreten, und stellten den ehrenhaften Corpyhäen der Altkonstitutionellen, Prokurator Schwarzenberg, als Gegenkandidaten auf. Die Wähler wurden in den einzelnen Städten kurz vor dem Wahltermine durch die Stadtdiener vorgeladen, und ihnen der hohe Be- schluß von Bürgermeister und Rath mitgetheilt, der in drei mitwählenden Städten pünktlich befolgt wurde. In drei andern Städten erhielt der von der Reaktion möglichst roth gemalte Kandidat der Vereine fast sämmtliche Stimmen. Diese Theilung der Stimmen in den sechs übrigen Städten verschaffte dem Kandidaten der Stadt Eschwege, dem in diesen Blättern schon erwähnten „Pfäfflein" (Lieberknecht) den Sieg mit etwa 700 Stimmen *). So wenig hatten sich die Wähler in den übrigen Städten bei der Wahl betheiligt; in Eschwege wagte eS aus Furcht vor dem fanatischen Pöbel kaum jemand, dem „Pfäfflein" die Stimme zu entzieh«.
In den Landgemeinden agitirte ein Bürgermeister gegen den andern; einer derselben, Brehm in Abterode, siegte gegen Jähn in Sooden mit wenigen Stimmen Mehrheit für die Landgemeinden des Wahldistrikts Witzenhausen. Für die Landgemeinden deS Wahldistrikts Eschwege re. wurde ein De» kvnom Heimel gewählt. Die Wahlen vieler Landgemeinden konnten nicht berücksichtigt werden, weil die Wahlprotokolle mangelhaft waren.
Es hat sich im Werrathale noch so wenig politisches Leben entwickelt, daß die Wahlen weniger als der Ausdruck einer politischen Gesinnung zu betrachten, sondern mehr daö Ergebniß politischer Apathie sind
*) Die Städte Eschwege, Allendorf, Großalmerode, Lichlenau, Wann- fried, Witzenhausen und Waldkappel haben zusammen (nach der Zählung von 1843) 19,421 Einwobner. Die 700 Wähler des Pfäffleins von der Werra repräsentirten ^500 Einwohner, also den Oton Theil des Wahlbezirks. — Ebenso verhält es sich bei der Wahl Henkels. Die Städte Hofgeismar, Karlshafen, Grebenstein, Immenhausen, Liebenau, Volkmarsen, Wolfhagen, Ziecenberg, Helmarshausen und Trendelburg zähten 19,801 Seelen, und Henkel hatte zwischen 000 und 700 Stimmen.
Di e Red.
Ansichten und Abfichten Sr. König!. Hoheit, des Prinzen von Preußen.
Se. Königl. Hoheit, — der Kartätschenprinz — die in Baden die BcruhigungSmützen kommandire«, der Engel des Standrechts, der Gott der Shrapnels, der Spitzkugeln und Züudnadelgewehre, für Deroselben in allen preußischen Kirchen gebetet, für dessen Sieg über die Unordnung und für dessen Rettung von einem „wohlgemeinten" Attentat Tschech'scher Art gewinselt und litaneit wird — derselbige allerdurchlauchtigste Herr haben die Ereignisse in Baden von schwarz-weißen Federn zusammenstellen und mit den gehörigen preußischen Siegen und mit dem obligaten Jubelgeschrei der Empfangenden auSschmücken lassen. Der Schluß dieses Napoleonischen SiegeöbülletinS heißt:
„Die Bevölkerung der Residenz ') hat uns mit Jubel als Befreier von täglich gesteigertem Terroriömuö empfangen. Die Rebellen haben den starken Arm der Gerechtigkeit in unsern Waffen kennen gelernt; alle treuen Unterthanen der Regierung 2) werden ihre norddeutschen Brüder als zuverläs- sige Freunde erprobt finden.
Die von HauS aus gewonnene Ansicht, daß der Widerstand in Baden ernster, als in der Pfalz sein werde, hat sich bestätigt. Gestützt auf die eidbrüchigen badischen Truppen, namentlich zahlreiche Artillerie, und die umfassenden Vorräthe der Festung Rastatt, ist die materielle Widerstandsfähigkeit
deS FeindeS nur bedeutend zu nennen. Aber feine mannigfachen Siegesberichte haben in Folge des fortdauernden Rückzuges der eingetretenen Demoralisation in seinen Reihen nicht wehren können, und mit Gottes Hülfe wird das Endziel hoffentlich auf nicht blutigeren Wegen erreicht werden, als es bisher geschehen ist ’). An der Spitze einer Armee, welche sich, fern von jeder politischen Verirrung '), durch freudige moralische Berufstreue, wie durch Tapferkeit und Ausdauer vor dem Feinde gleich auszeichnet, sehe ich vertrauensvoll in die Zukunft, und beabsichtige, unverzüglich in fortgesetzter Operation gegen Rastatt und den weitern Süden vorzugehen ').
Hauptquartier Karlsruhe, den 26. Juni 1849.
Der Oberbefehlshaber der Operationsarmee am Rhein, gez. Prinz von Preußen."
i) Karlsruhe. — 2) Alle Lakaien des Großherzogs. — ’) Von Gottes Gnaden! Mit Gottes Hülfe! Alles Blasphemien fürstlicher Sündenbrut! — *) Und die widerspenstige Landwehr? — s) Bitte sehr; die Oesterreicher werden sich's Holter verbitten. Holt'n zu Gnoden Ew. Gnoden! Die wollen auch ihr Theil haben bei der Theilung. Fürstlicher Kommunismus!
Reime von der Edder.
(Schluß.)
5.
Die KriegSfurie ist in Deutschland loö,
ES kommen von Kassel Depeschen, Durch alle Straßen trommelt'S Allarm, Das preußische Feuer zu löschen.
Unten an der Edder im Grünen Manöv'rirt die Bürgergarde, Sie wetzt den Sabel, probirt'S Gewehr, Daß weit durch die Lüfte es knarrte.
Da zeigte im Zorn ein deutscher Sinn Und ein deutscher Geist sich prächtig; Die Markedenter schenkten ein, Man trank seinen Schnaps bedächtig.
Der Bürgermeister, entblößten Haupts, Tritt in der Garde geschlossenen Kreis, Oeffnet den Mund (o Wunder!) und spricht: „WaS erreS, de Kenner, Herre heiß!"*)
*) Wie ist cs, ihr Kinder, heute heiß.
Glaubhaften Nachrichten zufolge, soll die Neuhessische nur dadurch, daß sie mit Auswanderung nach China drohte, sich ihre Abonnenten erhalten haben. Schmerzlicher Schrecken über die Doppelwahl Knobels in den Landwahlbezirken Hofgeismar und Kassel sollen hauptsächlich zu dieser Drohung veranlaßt haben. Auf eine chinesische Staatsform in Kurhessen hat sie immer spekulirt.
Ein Jäger wird festgesetzt, weil er Nachts spazieren gegangen sein soll. Sein Anzeiger ist ein neugebackener Porte- pèefähndrich. Einen Orden für dies« Heldenthat !
Telegraphische Depesche des Hofgärtners L. zu Wabern.
„ In Niedermöllrich haben die Demokraten noch gehörig Bier getrunken, die Wavern'fche volksobrigkeitliche Hoheit anerkannt und Reden gehalten." NB. Der. gute Telegraphist trinkt nämlich blos Branntwein.
Der Aphorist ans Vinteln.
„Aphorismus aus R.", so benams' ich mein Witzspiel;
Aphoristischer Witz, weit aus der Ferne geholt.
3cf), der Kahndorf.