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nl'ch, einem Guizot, selbst einem Palmerston, sie erscheinen als alte Weiber gegenüber ihren schlagfertigen, rüstigen frühern Kol­legen von der Linken.

Aber Hochmuth und Beschränktheit sind unzertrenliche Tugenden.

Nach HauS, nach HauS, an eure Aktentische, hinter eure Folianten, ihr Don Quixote der deutschen Politik. Mit lee­ren Geschwätzen wollt ihr den wilden blutigen Naubthieren wehren, ihre Beute zu fassen und ihren zornigen Kampf aus- zukämpsen? Ihr Professoren,

Wenn ihr auch Erd' und Himmel kennt,

Und jedes Buch und Pergament,

Ihr wißt nicht Viel, weil ihr nicht wißt, Und wissen wollt, waS Deutschland ist.

G. Kellner.

Die Volksschule und »ihre Feinde.

i.

Die größten Freunde der Schule waren stets ihre ärgsten Feinde. Die Verdummer der Menschheit haben es von jeher wohl begriffen, daß man die Seele deö KindeS im Keime verderben muß, wenn die Saat der Lüge, der Dummheit, der Heuchelei und der Knechtschaft emporwuchern und die gewünsch­ten Früchte liefern soll. Sie traten darum an die Wiege der Kindheit, durch den Mund und die Lehre abergläubischer, abhängiger, bigotter Mütter senkten sie die ersten Wurzeln des Uebels in die zarten Herzen, als Vorbereitung für die Schule des Unheils, als Vorschule für ihren eignen Unterricht.

Der Unterricht des Volkes stand unter ihrer absoluten Gewalt.

Diese Feinde der Freiheit, der wahren edlen freien Volks­bildung, waren die Geistlichen aller Konfessionen, und je blind­gläubiger, je fanatischer ihre Richtung, desto furchtbarer ihre Unterdrückungöwuth deS wahrhaft Schönen und rein Menschlicyen.

In der katholischen Kirche hatte sich der Orden der Je­suiten der persönlichen Leitung der Schulen bemächtigt; ein geisttödtender Formalismus mußte die Seelen erschlaffen, und für die gebotene Form schmiegsam und biegsam machen. Die Soldaten" der römisch-apostolischen Kirche erzogen blinde Werkzeuge, inhaltlose Maschinen, die sie mit dem Fanatismus zum Streite für die alleinseligmachende " Lehre erfüllten.

Der später in die katholische Kirche eindringende Rationa­lismus des 18. Jahrhunderts öffnete auch hier die Schulen einem freieren, einem nach allgemeinerer Wissenschaft strebenden Geiste, aber er blieb nach alter Gewohnheit unter der be­engenden Aufsicht der Kirche, er blieb damit Diener des Glau­bens, anstatt ein Tempel deö Wissens und der freien Erkennt­niß zu werden.

Dem Glauben der Kirche sein Recht. Aber die Kirche muß, auf sich selbst gestützt, in sich diesen Glauben leh­ren, großziehen und ausbilden; dieser Glauben ist, wie die Kirche selbst, eine Welt für sich, die Sehnsuchtswelt deö in­nern Menschen nach einem Quell unerschöpflicher Liebe und Harmonie, wie daS Leben sie ihm bis jetzt nicht gewährte, wie er sie nach seines Herzens heiligsten Wünschen nicht bis jetzt zu gestalten vermochte.

Nur wenn die Kirche in sich stark und unzersplittert ist, wird sie die Innigkeit dieser Sehnsucht in voller Kraft ent­wickeln können. Und dann wird sie die Befreierin des mensch­lichen Geschlechts.

Aber sie wird zur Tyrannin, zum Unterjocher der Ent­wickelung deS Wissens und der Thaten, wenn sie Aufseher über die Erkenntniß deS menschlichen Geistes, über die Bil­dung, über die Schulen sein will. Der Glauben ist daS unmittelbare Leben und Weben deS in sich bewußtlos versenkten Gefühls. Und dieses Gefühl wollte sich anmaßen, über die

Erkenntniß der Sinne, über die Forschungen im Reiche der Natur und der Geschichte als Richter, als Zensor nud Ver­dammer aufzutreten? Sollten wir von Neuem erleben, daß ein zweiter Galilei vor den Schranken des geistlichen Ketzer­gerichts die heilige Wahrheit zu Gunsten des alten blinden Glaubens abschwören soll?

Diese Zeit ist vorüber! Der Nationalismus der protestantische» Kirche, der auch auf ihre ältere Schwester, die katholische Kirche Deutschlands, überging, hat dieses Joch für immer zerbrochen. Die Schule wurde frei, wenigstens in der That, und die Wissenschaft durfte selbst den Glauben in seinem innersten Wesen angreifen und vernichten.

Auf diesen Schlag aber folgte der Gegenschlag. AuS dem Protestantismus hatte sich die neuere Philosophie entwickelt, auS ihm erhob sich ihr erbitterter Feind, der Feind der Wahr­heit und der klaren Verstandesbildung, der Feind der freien Volksschule, der JesuitiSmus der protestantischen Neuzeit, der dunkle glaubensfanatische Pietismus und Mystizismus. Von Neuem wurden die harten Zügel der Kirche straff angezogen zur unbedingten Gewaltherrschaft über die Schule; Dummheit und religiöse Heuchelei wucherten von Neuem. Der Götzen­dienst deS Absolutismus und der Pfaffendespotie verpestete die Herzen, entmannte die Kraft der Geister.

Blindes Nachplappern, Bibellesen, mystische Gebete und Gesänge wurden die tägliche abschwächende Kost der Volks­schule; ohne Kenntnisse des LebenS, ohne Kräftigung für die staatsbürgerlichen Pflichten, als eine willenlose, inhaltlose Maschine trat der junge Staatsbürger inS Leben, ohne den geringsten sittlichen Halt deö Widerstands gegen die Macht­gebote, die Knutenhiebe der Tyrannei und ihrer geistlichen und weltlichen Satelliten. Auch diese Zeit ging vorüber.

Die Grundrechte des deutschen Volks dekre- t i r e n:

§. 17. Jede NeligionSgesellschast ordnet und verwal­tet ihre Angelegenheiten selbstständig, bleibt aber den allgemeinen Staatsgesetzen unterworfen. Es besteh t ferner keine Staatskirche (die so oft mißverstan­dene Trennung der Kirche vom Staate!).

Art. VI. §. 22. Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei.

§. 23. Das Unterrichts- und Erziehungswesen steht unter der Oberaufsicht des Staateö und ist, abgesehn vom Religionsunterricht, der Beaufsichtigung der Geistlichen alö solcher enthoben.

Und das mit Recht. gehören ganz andere Studien dazu, um die allgemeine Ausbildung deö Menschen leiten zu können, als die dürftigen Kennrnisse eineâ Geistlichen in den Fächern der Geschichte, Geographie und der Naturwissenschaften, von denen viele dieser Herren durchschnittlich Nichts verstehn. Also Trennung der Schule von der Kirche. Wie lange läßt die Erlösung der freien Schulbildung von ihren geistlichen Feinden aus sich warten, die Erlösung durch den klaren Buchstaben des Gesetzes?

Die Erlösung von ihren weltlichen Feinden muß die Schule selbst erkämpfen. Davon mehr.

Die Landtagswahten an der Werra.

Für die Städte des WerrastromS stellten die politischen Vereine im Werrathale den auch vom Vorort der demokrati­schen Vereine empfohlenen Advokaten Block als Kandidaten auf, nachdem er der von sehr gemäßigten Grundsätzen geleite­ten Versammlung der VereinSveputirten befriedigende Erklä­rung über seine politische Gesinnung abgegeben hatte. DaS im Sinne der Versammlung ausgestellte Programm entspricht den Grundsätzen der gemäßigten Demokratie. Gegen den Kan-