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Die
M o r n i s s e.
„Unum, Ihr Herren, dem Flügellchlag Tiner freien Keele!"
ML 78. Kassel, Dieustag, den 3. Juli. 1849»
Das Nachparlament in Gotha.
i.
„O Deutsche!
Uns fehlt ein National zuckt Haus Und eine gemeinsame — peitsche."
Heine.
Lange Vorreden, lange Nachreden, so schreiben sie ihre Bücher, so machen sie ihre Politik. Parlamente von Jahr und Tag, Kongresse von Jahrzehnten (Rastatter Kongreß von 1797 bis 1799), eö ist die altdeutsche Geschichte des altdeutschen Zopfes.
An den dreißig und etlichen Schlagbäumen unserer erblichen Raubritter brechen sich die Wogen der deutschen Erhebung zu einem tausendbersigen matten Regenbogen; in deö heiligen römischen Reichs hunderttausend Streu- und Sandbüchsen , in den harten Hirnschädeln unserer Stockprofessoren und Bureaukraten verrinnt der stolze Alpenstrom unserer Kraft, unserer Revolutionen, wie der Rhein in den sandigen Gefilden der Niederlande.
In Gotha, in dieser frostigen, gesinnungslosen Hofftadt Mitteldeutschlands, strömten sie zusammen, die alten deutschen Central-Pedanten, die schon gesiegt zu haben vermeinen, wenn sie daâ letzte Wort behaupten, und sollte eS der Widerruf ihrer früheren sein; hier fanden sie sich wieder ohne Wunden, unverletzt von preußischen und schwäbischen Bajonetten, nicht zu ihrem Wunder, aber zu ihrer größten Genugthuung; hier sanken sie sich in die Deutschlandörettenden Arme, die Dahlmanns, LZassermanns, Biedermanns, Hansemanns, die Ga- gernS und ihre trivialen armseligen Schleppträger, die Henkels, die JakobiS und die Bernhardis.
Hier begannen sie von Neuem, ihren unsterblichen Ver- räther, den mitteldeutschen KleinstaatSkünstler mit der kurzen Stirn und den kurzgeschnittenen Gedanken, ihren „hohen" Abgott kleinbüreaukratischcr Gefühle, den salbungsvollen Hohl- köpf Gagern mit Toasten zu feiern, den TodeSschnitter der ungereiften Revolutionösaat, den Vernichter aller unserer Hoff- nungen auf die glorreichste, mit tausendfacher Schmach und mit Strömen Blutö erkauften Freiheitserndte.
Die Priester des Baal nmjauchzten ihren thönernen Götzen.
Und dieser, im stolzen Vollgefühl des umnebelnden Opferduftâ unv Weihrauchs, der Jupiter der Liliputpolitiker Kleindeutsch» landö, nimmt von Neuem mit bekannter Arroganz die Geschicke Deutschlands mit kühnem Griff in die „edlen" Hände.
Er nimmt in die Hand, wie immer, waS ihm größere und schlauere Diplomaten Hinhalten. — Sein erster berühmter kühner Griff nach dem armen Johann ohne Land, sein zweiter,
noch berühmterer, nach dem König mit dem größten Lande, sind Sachen, die ihre ernste Seite haben, abgesehen von der Lächerlichkeit, daß der kühne Greifer nicht gewahrte, wie er die Marionette in der Hand höchster und allerhöchster Herrschaften war, abgesehen von der Erbärmlichkeit, daß er vielleicht nicht merken wollte, waS er doch konnte — ein Verräther.
Seine und seiner Genossen jetzige Rolle ist hiergegen so erbärmlich, so bedeutungslos, ist ein so simples Nachspiel einer schlechten, verhunzten Komödie, daß unö ein trüber Schmerz überkommt über daö klägliche Schauspiel der Schande und der Entehrung der deutschen Nation, welches diese „besten Männer" deS Vaterlandes vor Europa und vor dem Gerichte der ^Weltgeschichte aufführen.
Ein großes politisches Irrenhaus müßte das Erste sein, waâ die freigewordene Nation zum Dank diesen ihren politischen Narren und Staatopfuschern votirte.
Sie haben Augen zum Sehen und sehen nicht.
Sie haben Ohren zum Hören und hören nicht.
Der kühne Greifer und sein Freund Dahlmann mit der essigsauern Miene und mit „schweinslederner Unterhose" greifen kühn in die Welt hinein und verkünden:
1) „ Die deutschen Staaten sollen als grundsätzlich feststehend alle Verfassungöbestimmungen erklären, die in den beiden Verfassungen übereinstimmen."
Bekanntlich stimmten viele der Worte überein, waS aber vom Inhalt übereinstimmt, ist bereits in Frage gestellt, so die Reichöoberhauptowürde, das Staatenhaus. Dieser Gagern gehört offenbar zu den blinden Hessen.
2) „ Alle deutschen Regierungen, indem sie diese (unter 1) Erklärung abgegeben, laden den König von Preußen ein, unverzüglich den Reichstag nach Frankfurt a. M. auszuschreiben."
Alle deutschen Regierungen? Welche? Bodenlose, abgeschmackte Phrasendreherei eines „edlen" Kürbisschädels gegenüber den Direktorialbemühungen BaiernS und Oesterreichs, gegenüber der zähen Renitenz des ReichSjohanneS, gegenüber den neuesten „Randglossen" Hannovers zur oktroyirten Verfassung, das Oesterreich mit zur obersten Leitung berufen haben will, und einen Reichsrath verlangt nebst freier Selbstbestimmung jedes Staates, wie weit das oktroyirte Wunderwerk für ihn bindend sein solle.
Diese beiden Punkte allein beweisen die gänzliche Unfähigkeit der Männer, die solche Vorschläge im.Augenblick machen, und der 129, die diesen besstimmen können. Stelle man sich auf einen Standpunkt, auf welchen man wolle, diese Män- ner erscheinen als Schüler jenen alten Koryphäen der Diplomatie gegenüber, gegenüber einem Talleyrand und Metter-