uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß Keiner des Andern Sprache vernehme.
Also zerstreute sie der Herr von dannen in alle Länder, daß sie mußten aufhören, die Stadt zu bauen.
Daher heißet ihr Namen Babel, d. h. Verwirrung oder NeichSverfassung. (1. Buch Mos. C. 1t. V. 6, 7 u. 8.)
Und nun sitzen sie in Berlin, Gotha, Baden-Baden, um neue Verwirrung zu ersinnen, und in jeder deutschen Residenz, um neue kleine Babels zu bauen.
Jede Nacht hat Einer der 34 Thronbe — schwerer eine neue Erscheinung, jede Nacht ebenfalls Einer der 200 Professoren eine neue Blähung, und jeden Morgen ist der Thurmbau babylonischer und verrückter. Erster Grundriß: die Reichsverfassung von Frankfurt; zweiter: die oktroyirte von Preußen; dritter: die authentische Interpretation derselben; vierter: die Erklärungen zu den Erklärungen von Hannover und Sachsen; fünfter die ersten Einsprachen Oesterreichs; sechster: die neuesten ebendaher, die Vorschläge Baierns der siebente, achter: die Ansichten WürtembergS; neunter: der Standpunkt Kurhessens.
Kaiserthum, Statthalterschaft, Vorsitz, Direktorium, — alter Bundestag —
Gleich wogenden Phantasmen!
O schaudert nicht, wenn aus dem Dunst Aufsteigen die Miasmen.
Der Krieg in Schleswig Holstein. — Lauter Lug und Trug, der schandbarste Verrath, der jemals von Deutschen an Deutschen ausgeführt wurde. Eine ungeheure Macht und keine Resultate, weil Seidelmann II. in Berlin keine will; ewige Flucht der Dänen, und doch kein Ende. Gerüchte von Waffenstillstand, Unmuth der ReichStruppcu, Mißtrauen gegen den preußischen Oberbefehl und allerlei Schlapven durch Nachlässigkeit und Ekel an der ganzen verrätherischen Wirthschaft. Wiederum 27 kurhessische Husaren gefangen genommen. Bei der Gefangennahme der ersten hatte der Rittmeister Grau, nach Privatbriefen, keine Vorposten ausgestellt, obgleich er auf gefährlichem Terrain in der Nähe des Feindes in einem feindlich gesinnten Orte das Nachtquartier aufgeschla- gcn; — es ist fabelhaft, und der Herr Rittmeister verstand doch das Prügeln und Schimpfen so gut, als er noch in Kassel war.
Baden. — Alle schwarz-weißen Siegeöberichte können nicht den tapfern Widerstand der Badenser, nicht die blutigen Verluste der So nderbundeö truppen in Abrede stellen. „Der Feind löst sich in wilder Flucht auf nach der Schlacht bei Waghäusel", heißt eö, und doch jeden Augenblick ein neues Treffen, ein neuer Widerstand. An der Murg bereitet sich eine neue Schlacht vor, und der Schwarzwald wird die letzten Kämpfe dieses ersten wahrhaften deutschen Freiheitskriegs sehn.
Die Geschichte wird die heldenmüthigen Freiheitskämpfer von den Verleumdungen reinigen, mit welchen die Knechte der Tyrannen Alle zu besudeln pflegen, die auf der Seite der ihnen unbegreiflichen und darum verwerflichen Freiheit streiten; die Geschichte wird ebenso die Schandthaten der Barbarei gegen Wehrlose und Gefangene Seitens jener makellosen, siegreichen gottbegnadeten Truppen bei dem Schuldverzeichniß der Monarchie eintragen, und die Verrätherei der Spießbürger auf dem ^^■■^ Wuchers und der Judasthaten.
Möge die Despotie, trunken vom Blute der schnellen Siege, sich überstürzen ohne Maaß und Ziel. Der heldenmüthige erste deutsche Freiheitskampf wird das Vvrbild des zweiten fein.
Die Gründe des allzuschnellen Untergangs der Erhebung in der Pfalz sind:
1) Mangel an tüchtigen Männern für Heer und Verwaltung.
2) Mangel an Waffen, Munition und Geld.
3) Absonderung von Baden.
4) Mangel an Disciplin und — Tapferkeit.
Die Gründe des Fortschritts der preußischen Truppen in Baden sind hauptsächlich darin zu suchen, daß der Oberfeldherr MicroSlawsky viel zu spät eingetroffen ist, daß die Zwischenzeit ohne gehörige Einübung der Truppen und der Volkswehr hingegangen ist, daß es auch hier, wie überall, an tüchtigen Unterführern fehlt. Verrath, Jndisciplin und Mangel an Waffen, Geld und Lebensmitteln kommen dazu. — Die Abwesenheit Heckers, des einzigen ManneS, dem sich alle Klassen der Bevölkerung mit unbegrenztem, ganzem Vertrauen angeschlossen hätten, dessen Namen selbst unter den Reichstruppen manchen Tapfern hinübergerufen hätte in die Reihen des Volkes, die Abwesenheit dieses Mannes allein hat dem Sieg der Revolution furchtbar geschadet. Die allzu sanguinischen Hoffnungen einerseits, und andererseits die allzuschnelle Verzweiflung dieses Volksmannes haben uns bittere Früchte gebracht. — Sein Uebergang nach Amerika war der Verrath an der Revolution; seine voreilige erste Schilderhebung mußte er durch eine Revolution abbüßen. Das war seine Pflicht.
Ueber die beiden Schlachten bei Waghäusel und Übst ad t folge der Bericht von Augenzeugen gegenüber den schwarzweißen Lügenberichten fast aller Zeitungen.
Die Schlacht bei Waghäusel am 2l. Juni.
DaS Gros der preußischen Armee, 26,000 Mann, unter dem Prinzen von Preußen, ging den 20sten bei Germersheim über den Rhein. Die badische Avantgarde zog sich tiraillirend zurück, nachdem sie sehr viele preußische Offiziere durch wohlgezielte Schüsse getödtet hatte Erst, nachdem die Preußen ihren Uebergang über den Strom bewerkstelligt hatten, ließ General MieroslawSky eine mobile Kolonne mit schweren Geschützen den Rhein hinabrücken, griff die Nachhut des Feindes an und ließ die Pontons unter dem größten Verluste der Preußen in den Grund schießen, wie die zahlreichen bei Oppenheim und Mainz angeschwemmten preußischen Leichen bewiesen haben. Das Gros der Badenser stand in der Nähe von Karlsruhe, die Preußen richteten ihren Marsch auf Waghäusel, wahrscheinlich um in der Richtung von Schwetzingen sich mit dem Neckarkorps zu vereinigen. Da rückten Mieroslawâky und Sigel mit 8000 Mann , theils Linie, theils Freischaaren zum Angriff vor. Die Hanauer Turner, verstärkt durch etwa 1000 Mann Volkswehr aus Heilbronn rc., bildeten die Vorhut. Sie wurden mit Shrapnels empfangen, die jedoch zu spät krepirten und wenig schadeten. Aus einem Walde schossen die Preußen sehr gedeckt mit Zündnadelgewehren Spitzkugeln. Nach langem wechselseitigem Feuern, wobei sich besonders die Hanauer Schützen und die badischen Artilleristen mit Ruhm bedeckten, warfen sich die ersteren mit fürchterlicher Wuth auf den Feind, warfen drei preußische Regimenter, welche sich in wilder Flucht an dem Rhein auflösten. Hier würden dieselben in den Strom gesprengt sein, wenn die badische Kavallerie ihre Schuldigkeit gethan hätte. Sie benutzte das Wegfahren einiger Munitionswagen, welche vom Schlachtfelde eilten, um die bereits mangelnde Munition zu ersetzen, um mit verhängtem Zügel nach Heidelberg zu gallo- piren. MieroslawSky sah sich nun zum Rückzug genöthigt, welcher gedeckt durch die tapfern Hanauer und Oberländer in der besten Ordnung stattgefunden hat. Noch am andern Morgen 6 Uhr waren MieroslawSky und Sigel auf dem Schlachtfelde und die Preußen dachten an keine Verfolgung. Die Schlacht hat übrigens von 6 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags gedauert.
Treffen bei Upstadt am 2 3. Juni.
Von Waghäusel zogen MieroslawSky und Sigel am Freitag Morgen ab, sammelten, insbesondere Sigel mit seltener Entschlossenheit, die Truppen; MieroSlawâky setzte sich gegen Abend an die Spitze, Sigel mit den Schweizer Scharfschützen an das Ende der Kolonne, nahm alle Munitionöstücke