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„ Er hat gesetzgebende Körper in ungewöhnliche, unbequeme und von den Bewahrungsörtern ihrer öffentlichen Urkunden entfernte Plätze zusammenberufen (Brandenburg), und dies aus der alleinigen Absicht, sie durch Ermüdung zur Willfährigkeit gegen seine Maaßregeln zu zwingen.
„Er bat der Regierung hier entsagt, indem er uns außerhalb seines Schutzes erklärte und Krieg gegen uns führte.
„Er hat unsere — — — Mitbürger gezwungen, die Waffen gegen ihr eignes Vaterland zu tragen, die genfer' ihrer Freunde und Brüder zu werden, oder selbst durch deren Hände zu fallen.
„Er hat uns innere Aufstände erregt.
„Ein Fürst, dessen Charakter durch eine jede Handlung so sehr den Tyrannen bezeichnet, ist untauglich, eines freien Volkes Herrscher zu sein." Alte Weiber in Gotha, gehet hin und thuet desgleichen! Doch werdet vorher — Männer!
Aber: Wir sind Germanen, gemüthlich und brav, Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf, Und wenn wir erwachen pflegt unS zu dürsten, Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.
G. Kellner.
Politische Wochenschau *).
Frankreich. — Zu spät! hieß es bei LouiS Philipps und seiner Dynastie vergebenen Rettungsversuchen der Abdankung und der Regentschaft. Dieser Ruf machte die Runde durch Europa von Wien nach Berlin, durch alle einzelnen Staaten und Städte. — Zu früh! hieß cö, als im Juni die Revolution der Rothen in Paris die Sonderinteressen und den Verrath der Bourgeoisie zu zerbrechen versuchte. Und dieser Ruf macht von Neuem die Runde durch alle Lande. Von Dresden durch Baden und durch die Pfalz zurück nach Paris.
Die Fürsten von damals kannten nicht die Kräfte ihrer Gegner, die Führer der Volkserhebungen kannten nicht ihre eigenen. Die Einen überschätzten ihre Gewalt gegenüber der öffentlichen Meinung und der moralischen Kraft der Revolution, die Zweiten überschätzten die Kraft der moralischen Ueberzeugung gegenüber der physischen Gewalt ihrer Gegner. — So hat die Gewalt wieder gewonnen, was sie damals verloren.
Daö Volk und der Berg der Nationalversammlung sind ohne Führer. Ihr letzter politischer Chef, L edru N ollin, ist auf der Flucht. Das Volk schweigt. Die vereinzelten Stimmen der Montagne verhallen ungehört.
Vergebens ruft die Ehre aus die römische Intervention — auf die Thatlosigkeit an der deutschen Gränze Fluch und Schande herab. — Die Majorität der Nationalversammlung dekretirt hohnlachend die Verfolgung der Freiheitsmänner, die Wiedereinsetzung des Papstes und im Geiste bereits die — der Monarchie. Die Constituante hatte das Vereinsrecht zerbrochen, die Legislative zertrümmert die Freiheit der Presse. Gefängniß • und Geldstrafen, Suspensionen auf Monate, namentlich Ahndung der Beleidigung deö Präsidenten und der Verführung der Truppen zum Ungehorsam mit 1 biö 2 Jahre Gefängniß, sind die Grundzüge des neuen PreßgesetzeS; förm
*) Jede Woche werden wir von nun an eine Uebersicht der politischen Ereignisse geben. Die Red.
liche Aufhebung der Preßfreiheit ist die Bestimmung, daß kleine Broschüren unter 5 Bogen 24 Stunden vor der Ausgabe dem Staatsprokurator vorgelegt werden müssen.
Aber Louis Napoleon wird nichts von diesem „ Saamen einer monarchischen Zukunft" erndten.
Italien. — Nicht lange, so wird sich in Italien daS alte Schauspiel des 15ten und lösen Jahrhunderts erneuern, der alte Kampf Oesterreichs und Frankreichs um die Oberherrschaft Italiens. Nur die Wirren im Innern dieser Staaten verhindern den augenblicklichen offenen Ausbruch des Kampfes. Die Einsetzung des Papstes gibt einstweilen Beiden den Vorwand , daS Terrain für den zukünftigen Streit zu okkupiren. — Zwei alte berühmte Städte allein wagen den Kampf auf Leben und Tod mit den beiden Weltmächten, Venetia, die Königin der Meere, und Rom, die Kaiserin der Länder. Alle Siege über diese beiden Repräsentanten altitalischer Tapferkeit werden mit blutigen Opfern erkauft, und die österreichische Ohnmacht der Lagunenstadt gegenüber nimmt bereits ihre Zuflucht zu der lächerlichen Erfindung eines Angriffs vermittelst Luftballons. Die Franzosen vor Rom kämpfen in blinder Soldatenwuth für die kindischen Träume ihres schwachköpfigen Präsidenten. Während die letzten Ruinen alter Römergröße unter dem barbarischen Städte - Krieg zusammenstürzen, phan- tasirt der kleine Neffe des großen OheimS von der Kaiserkrone und vom „König von Rom".
Ungarn. — „Jetzt sind die Russen eingerückt, vorgerückt." — „ Paskoewitsch in eigener Person, der Kaiser selbst und mehrere Großfürsten stellen sich an die Spitze." — „Gerade auf Debreczin geht es los." — „ Die Ungarn sind mit großem Verluste über die Waag zurückgetrieben." — „Gleich beginnt die Offensive, die Concentration ist beendigt" u. s. w. Und dabei marschiren nicht mehr und nicht weniger als 8000 oder 10,000 Russen als wahre Ueberall und Nirgends bald hier, bald dort; dabei geht's keinen Schritt weiter, die Lebensmittel werden selten, die Cholera decimirt die verlumpten österreichi- fchen Truppen, und die Aussicht auf einen Kampf auf Leben und Tod, ohne Pardon und ohne Rettung, entmuthigt sie furchtbar ; dazu kommt die Unzuverlässigkeit des russischen Bundesgenossen, der zwar Galizien besetzt hat, aber geneigt scheint, die österreichischen Heere erst gänzlich aufreiben zu lassen, um den Lohn für seine Hülfe steigern zu können. Siebenzehu Hon- vedö haben die Kosaken gefangen; der Kuß deö Kaisers dafür, den ihr Offizier erhielt, beweist, daß es ihre erste Heldenthat ist.
Die Hyäne des Standrechts, der Feldzeugmeister v. Hayna,u (ein Kurhesses), versucht die Einschüchterung der Insurgenten dadurch, daß er ganze Ortschaften dem Boden gleich machen läßt, wenn sie für ihre Nationalität und ihr Recht zu den Waffen gegriffen haben. So ließ er von Bö-Sarkany nur die Kirche stehen, weil die Einwohner gegen die von den Ungarn vernichtete Brigade Wyß aulgestanden waren. Die Kirche blieb stehen „zur Ehre Gottes" und als Schandsäule dieses aus Kurhessen gebürtigen, auS hessischem Fürstenblut abstammenden Bluthunds. — Dadurch sollen die Oe- sterrcicher mit Siegesmuth und die Ungarn mit Schrecken erfüllt werden. Verblendung der Hölle, du bist der Vorbote des Sieges der Gerechtigkeit!
Mit Cyther-, Cymbel-, Geigenklang Fortbringt's der Zigeuner mit wallenden Haaren,
Und mit dem ererbten Schlachtgesang
Erwacht der Schlachtengeist der Magyaren.
Du Gott der Freiheit, hilf, o hilf!
Daß sie der Tyrannen Nacken brechen, Und beugen und mähen wie Nohr und Schilf,
Und die geschändete Freiheit rächen!
Deutschland. — Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen. Wohlan, lastet