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gültige Leben, daS Leben eines ganzen Volksstamms, eines ganzen Staates für das heilige Leben deS großen Vaterlands, für den Gewinn der glorreichen Freiheit, oder für den ruhmvollsten Fall im Dienste eines begeisterten Kampfes zum unsterblichen Gedächtnisse der ewig duldenden und blutig ringenden Menschheit.
Sie haben Nichts gerettet! Nicht ihr System, nicht ihren Lappenstaat, nicht ihr Volk vor dem Fußtritt der Barbaren, nicht sich selbst vor den drohenden Wettern der Vernichtung.
Stoßt sie herab von der Bank der Schuldigen, du Volk der Männer und ihr Despoten; stoßt sie herab in ihr Nichts. Für des Muthigen Untergang selbst die Thränen und daö ehrende Gedächtniß des hochherzigen Feindes! Für den Feigling den Fluch verachtungsvoller Vergessenheit!
G. Kellner.
Reime von der Edder.
(Fortsetzung.)
2.
Republikaner und Demokraten hab' ich dick; Lieber Kosaken und Pommern, als — Republik.
Pastor Stockwitz.
3.
Fragt ihr nach unsrer Politik — Sie ist die stärkste in der Mode. Die Farbe, welcher huld'gen wir, Das ist die hochzinnoberrothe.
Dem Vater uns'rer lieben Stadt Flammt sie in seinem Angesichte,
Sie für unS alle trägt der Mann
Von dritthalb Zentner Zollgewichte.
Die Nase roth, hochroth, blutroth, Der Teint von hartgesott'nen Krebsen, DaS kommt von der schlimmen Politik, Von wegen — A p o thek er sch n äpsen.
4.
Aus Hanau, aus Hanau, der rothen Stadt am gelben Main,
ES ist ein kitzlich Ding mißliebig dort geworden sein. — Da trieben sie den „ Hoffarth " auS; nun sitzt er bei unS fest. WaS thaten wir, du lieber Gott, daß du unS strafst mit Pest?
Ein Hündchen, das sich gut versteht, im Wald zu spüren Trüffeln,
Hat keine Nase so wie er, weiß nicht so fein zu schnüffeln; Begabt mit einem FuchSgesicht und langen Midasohren, Ist vorzugsweise zum Spion von Oben er erkoren.
Wir Demokraten, arm und bang , wir nehmen unS in Achte; Er rapportirt dem Kammerherrn, waS leis ein Jeder dachte. WaS dachten wir? waS denken wir? was Einer wohl und All'? Es gibt der eine Spruch uns Trost: „'S kommt Hoffarth vor dem Fall!"
(Schluß folgt)
Aus einem Berichte des kurhessischen Obersten Weist.
(d. d. 93 e e rf e I b e n, 16. Juni.)
Die Aufgabe eines Seitendetachements war, gegen den Neckar hin zu demonstriren, wo möglich die Stadt Hirschhorn zu nehmen, die eine Umgehung des linken Flügels des diesseitigen Korps etwa beabsichtigenden Freischaarenzüge hindern. Das 1. Bataillon deö 3. Infanterieregiments rückte demgemäß den 15. Juni Morgens nach Beerfelden, vereinigte sich da
selbst mit dem 6 Kompagnien starken baierischen 3. Jägerba« taillon und den beiden mecklenburgischen Geschützen, und nahm nach vorheriger Vertheilung von Lebensmitteln an die Mannschaft daS Detachement um 3 Uhr Nachmittags seinen Marsch von Beerfelden in 2 Kolonnen nach Hirschhorn hin.
In der Nähe von Hirschhorn, um 7 Uhr Abends angelangt , drang die Avantgarde, auö baierischen Jägern bestehend und durch einige Züge deS 3. JnfanteriegimentS unterstützt, unter heftigem Feuer aus dem von Scharfschützen der Jnsur- genten besetzten Schlosse und der Mühle bis an die Brücke der Finkenbach vor, eroberte die Mühle, auf welche auch einige Kanonenschüsse abgefeuert wurden, und besetzte die der Brücke zunächst gelegenen Häuser, während ein Zug deS 3ten Infanterieregiments sich an dem Bergabhange deS Schlosses lagerte, und sich mit der links auf der Höhe vorgerückten Kolonne in Verbindung setzte. Diese wurde jedoch, da das Schloß von dieser Seite keinen Angriff zuließ, zur Kolonne auf die Straße zurückgezogen. Hierauf wurde die Stadt durch Sturmkolonnen, aus Baiern und Kurhessen bestehend, unter beständigem Feuer vom Schlosse her genommen, jedoch war bei der Festigkeit des Schlosses und bei der einbrechenden Nacht eS unmöglich, sich des Schlosses zu bemächtigen. Da daS Detachement in keiner direkten Verbindung mit nachrückenden Truppen stand, und zugleich Abtheilungen von Freischaaren an dem Larthale erschienen, auch unter dem nahen Feuer des Schlosses das Einbringen der Bagage nach Hirschhorn, und namentlich die Verpflegung der durch anhaltenden Marsch sehr ermüdeten Truppen mit Gefahr verbunden war, so zog Oberst Weiß die in die Stadt gedrungenen Abtheilungen aus derselben wieder zurück. Diese trafen bis auf zwei Kompagnien baierischer Jäger auch sämmtlich wieder bei den auf der Straße nach Beerfelden unter dem Obersten Weiß stehenden Kolonnen ein.
Bei diesem am 15ten vorgefallenen Gefechte haben die kurhessischen Truppen (vom 3. Regim.) des Seitendetachements an Verlusten erlitten: 4 Schwerverwundete, 6 Leichtverwundete und ein Offizierspferd.
Der Teufel als Pfaffe.
Der Teufel geht in den verschiedensten Gestalten umher, um durch seine höllischen Künste, durch Zwietracht, Haß und Neid die Herzen der Menschen zu vergiften und den Saamen deö Lasters und der Verbrechens auf die Erde stets von Neuem auSzusäen.
Bald erscheint er alö Hofmann, bald als Fürst, dann alS Köhler, und am liebsten im schwarzen Pfaffentalare. AlS solcher säet er Unheil im Beichtstuhl und von der Kanzel. In Eugen Sue's ewigem Juden findet man ein treues Abbild seiner schwarzen Künste.
Hier ein kleiner Beitrag zu seiner Charakteristik als Pfaffe.
Dechant Schr., früher in Am......g, und jetzt als Stadtpfarrer zu H.....d, läßt feine Pfarrkinder zu sich kommen, wenn sie mit einem Protestanten verlobt sind, oder die Absicht haben, was ihm von feinen Kreaturen getreulich referirt wird, und wendet seine ganze teuflische Beredtsamkeit an, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen, indem er ihnen dies Alles als eine Sünde darstellt, die nie und nimmer Vergebung zu erwarten habe, indem er ihnen vorstellt, daß auf ihrer Ehe mit einem Protestanten der Fluch des Himmels ruhe und der Segen der Hölle.
Wenn er nun sein unglückseliges Opfer in die größte Verwirrung und Verzweiflung versetzt hat, dann ist se»n scheußlicher, niederträchtiger Plan gelungen, er benutzt d»e Verwirrung und Betäubung seines bedauernswürdigen Opfers und nimmt ihm das Versprechen ab, den oder die Gelrebte zu verlassen.