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^weiter Jahrgang.
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Die
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„Kaum, Ihr Herren, dem /lügelschlag Einer freien Keele!"
Ma 76
Kassel, Donnerstag, den 28. Juni.
1849
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Das Ministerium Cberhardt auf der Bank der Angeklagten.
ii.
Und setzet ihr nicht das Leben ein, Nie wird euch daè Leben gewonnen sein!
DaS Leben einsetzen? — Dieses Geschlecht der dienst« baren Knechte, der im Aktenstaube verkommenen und unter den fürstlichen Knutenhieben entmannten „Unterthanen"?
O, auf Kommando, gezwungen durch die eigene Feigheit, durch die dumpfe Trägheit der Seele, durch die Widerstands« losigkeit der Willenskraft gegen die brutalen Gebote der von Gottes Zorn als grausame Geißeln der Menschheit Herabge- sandten und ihrer bestochenen, goldbetreßten Trabanten, — ja auf Kommando setzen sie muthig ihr elendes Leben ein! Nicht um daS ewige Leben zu gewinnen! Für den ewigen Tod an Leib und Seele!
Ihr dumpfes, gedankenleeres Leben wird eingesetzt von der Hand der tyrannischen Gewalt auf der blutigen Pharobank deS Schicksals, und der Preis ihres willenlosen Opfers ist die Knechtschaft der gebildetsten Nation der Welt, der Pflegerin der Wissenschaft und der Künste, der geistreichen großen Philosophie, die auf dem Lehrstuhle der Geschichte den Völkern des Abendlands das Selbstbewußtsein der Menschenwürde und die absolute Freiheit des Gedankens und des Wortes verkündet.
Und daß Wort wurde frei, und eS rief zum Anfang der Thaten. Aber der Ruf verhallte unter dem Brausen des Sturmes, der aus der Zwingburg der Despotie hervorstürzte, bei die Heldenherzen der wenigen Braven zerbrach und die Brust der freiheitsdürstenden Kämpfer mit ehernem Fußtritt zerstampfte.
Der donnernde Ruf verhallte in bei weiten deutschen Wüste der Herzlosigkeit, der stumpfen, ohnmächtigen Sklaverei. — bittere Haß und der finstere Groll der alten Freiheits- sreunde, der in drohenden Fluthen um die Throne zu wogen zersplitterte an 34 bajonetumstarrten Kronen, zer- ichellte an 34 geschlossenen Beamtenheeren, au 34 organisirten
Polizeisystemen, zerschellte an der Stumpfsinnigkeit deS „niedern" Volkes, daS die tiefen deutschen Denker und die großen berühmten Professoren in seinem gedankenlosen thierischen Treiben dahinleben lassen, in sich zufriedengestellt durch den egoistischen Selbstgenuß ihrer himmelstürmenden Systeme.
Wohlan! Träumer der Wahrheit! Denker deS Unendlichen, Entdecker des l e tz ten Urfprun g S der Dinge, steigt zurück in die dunkelu Schachten der Innerlich- keit, entsagt der dünkelhaften Anmaßung, in daâ rollende Rad der Geschichte eingreisen zu wollen, ihr im Dunkeln Erblindete»! Laßt daS Vaterland sein Schicksal erfüllen, gebt diesen alten Boden der Zwietracht und der Leibeigenschaft zurück in die Hände seiner alten Räuber und Wegelagerer. — Lasset sie verschwinden der Welt, die letzten goldnen Abendstrahlen deS altgermanischen FreiheitSgeisteS, dessen Pflege so lange in eure kraftlosen Hände gelegt war; — lasset Zurückbleiben nur „Herren und Knechte".
DaS Volk hat Blut getrunken. — ES hat gestritten und gelitten für daö Evangelium, daS man ihm verkündet. — Eine heilige Saat ist gesäet, „am Tage der Garben zu reifen". — Der Despotie muß eS überlassen bleiben, den glutrothen Schimmer dieses „jüngsten TagS " aus der Nacht der Knechtschaft hervorzutreiben.
Mögen sich diese kleindeutschen Pygmäen von Staatsmännern, diese Römer und Eberhardt dem Sturze in diese finster« Nacht entgegenstemmen, — mögen sie und die liberalen Schaareu ihrer aktenverzehrenden Juristen und papiergeldmachenden Fi- nanzmänner schweifwedelnd „vor der blutigen Faust und vor dem Mord und Schwert" des Absolutismus sich heugeu — ein ELink, und in Trümmern liegt ihr kleines Herrschergebäude, in Trümmern der kleine Staat, um dessen Erhaltung diese armen Schächer sich so vergebens, sich so kleinlich bemühten.
Nicht zur Rettung Kurhessenâ, nicht zur Rettung WürtembergS ging der Mahnruf der Geschichte an die matten begei'sterungö- losen Seelen dieser Männer; zur Rettung deâ Vaterlands, zur kühnen endlichen Begründung einer freien Nation rief sie die laute Stimme der Gottheit,
Es galt daS Leben einzusetzen, das eigoe, geringe, gleich-