Einzelbild herunterladen
 

405

Beilage zu Nummer V4 derHornisse".

Auszug aus dem Schreiben eines kurhessischen Soldaten in Jütland.

Horsens, den 12. Juni 1849.

Seit 14 Tugen liegen wir hier in dieser von uns erober­ten Stadt, mitten in Jütland. Am 23. Mai rückten wir nebst 20 Bataillonen Preußen und Baiern zu einem Angriffe vor; als wir jedoch aus dem dazu bestimmten Platz ankamen, war kein Däne mehr zu sehen, feigerweise hatte er seine guten Verschanzungen im Stich gelassen. Da wir erst am Abend vorher den Befehl zum Angriff erhielten, so glaubt Jeder, daß Verrath im Spiele war.

Am 8. d. M. haben die Dänen eine ganze Schwadron von unsern Husaren nebst zwei Offizieren und einem Doktor gefangen genommen *). Sie waren auf scharfes Kommando ausgeritten, um von den h a l s st a r r i g e n jutländischen Bauern mit Gewalt Lebensmittel für uns beizutreiben, die in Gutem von ihnen nicht zu erlangen sind. Man vermuthet auch dies­mal wieder Verrath. Der Werth der Pferde beträgt 10,000 Thlr. Gestern ist unser Leibregiment nebst 6 Geschützen, 2 Schwadronen Husaren und der Schaumburg-LippischenJäger- Abtheilung nach dem Orte marschirt, wo die Gefangenneh- mung stattgesunden, um die Bauern, die sich sehr hülfreich dabei bewiesen, zu züchtigen. Das Dorf wird in Brand ge­schossen. Hier ist eine starke Gährung unter den Truppen wegen der Unthätigkeit, worin wir uns seit mehreren Wochen befinden. DiePreußen sollen entweder aus der Vorposten­kette zurück, damit sie von uns besetzt wird, oder wir wollen zurück in die Heimath. Auch unsere Offi­ziere sind unzufrieden. Gestern waren sie beim Oberkom­mandeur Prittwitz, wo es, wie man hört, sehr laut Her­gegangen sein soll.

Die Festung Friedericia ist von unsern braven Schleswig- Holsteinern genommen worden. Den letzten Tag hat es nock- furchtbar dort hergegangen; trotzdem daß die Festung 4 Stun­den von hier liegt, so konnte man doch deutlich den Kanonen­donner vernehmen. Unser Dienst ist hier sehr schwer, dennoch wollten wir noch alles gern thun, wenn wir nur einmal inS Gefecht geführt würden. Vom 16. bis 22. Mai haben wir unter freiem Himmel gelegen. Unser Kantonnement war dicht an der See. Der Däne lag zwei Stunden von da vor Anker, und es schien, als wenn er Lust hätte, uns auf die Nacht einen Besuch zu machen; um uns zu sichern, mußten wir bi- vouakiren. In der Morgenstunde grüßte er unS mit einer Bombe, die jedoch über unsere Köpfe hinflog. Wir hätten gern den Gruß erwidert, aber unsere Flintenkugeln reichten nicht so weit. Wir wollen warten, bis uns eine bessere Ge­legenheit gegeben wird, unsere Schießkunst zu erproben.

Der Jütländer ist einer der faulsten Menschen; Arbeit kennt er nicht, er lebt nur von seinem Vieh. Die Unreinlichkeit bei den Bauern ist schrecklich, die Läuse kriechen ihnen auf den Kleidern herum. In die Betten, wenn deren wirklich vor­handen sind, kann man sich nicht legen, denn wohin man sieht, giebt es von diesem Ungeziefer. Grütze, so dick, daß der Löffel darin stehen bleibt , ist des JütländerS tägliche Kost.

kann versichern, daß wir ost den größten Hunger leiden wussen; nur wenn wir diesen Menschen den Gewehrlauf oder den Säbel an den Kopf halten, geben sie zur Nvthdurft etwas

bereits? »Nachricht, daß sie wieder befreit seien, ist falsch, sie sind beL M -^^agen eingetroffen. Die Erbitterung der Kurhessen wen- Aenmuti ^g-n den General Prittwitz^dem man ckne

her. Alles muß durch Pantomimen verdeutlicht werden, denn deutsch versteht keiner.

Wie ich so eben höre, ist Waffenstillstand bis zum 1. Ja­nuar 1850 geschlossen worden. Alle Truppen, die hier liegen, sind in Aufregung, wir wollen Frieden oder Krieg. Wie es heißt, sind zwei Divisionen Russen (?!) den Dänen zu Hülfe gekommen *).

*) Wo die Russen nicht sind, spuken sie wenigstens.

Die Red.

Sybel, der Kautabakpolitiker, wird von Schwedes, dem Geheimen- rath, und von Adam Pfaff, dem kaiserlichen Reichsmantelhänger, den Höchstbesteuerten in Marburg per Litographie emfohlen. Wohl bekomm's! Alle diese Helden wären verloren ohne die Höchstbesteuerten.

Wabern. Ob wohl nun die Tochter des B. O... doch den jungen H ..... und umgekehrt die Fräulein H..... den jungen O ... zum Mann kriegt? Die Gesundheit haben sich die jungen Herrchen auf der Volks- versammiung am vergangenen Sonntag wenigstens schon dazu spielen lassen:

Sie winden sich den Rosenkranz

Um veilchenblaue Hosen,

Sie führen sich zum Hochzeitstanz, _

Mit Schnaps- und Branntweinsnosen.

Lauter herrliche Leute, die da mit ihren Reaktionssideln; und als sie das alte Lied vom versoffenen Fahnenschmied" nicht mehr weiter kunnten, da fungen sie's wieder von vurnen an.

Wie die Alten sungen,

So zwitschern schon die Jungen.

Obermöllrich. Wie verhält sich denn das, Hr. Konduktor E.....? Glauben Sie wirklich, daß die Kerle mit ihren Volksversammlungen ihre ge­hörigen Schmisse haben müßten? Sie scheinen ein rechter dicker Patriot, mit einem rothen Schnürrbart dran. Diese Helden werden nachgerade kenntlich. Ha, ha!

Melsungen, den 15. Juni 1849.

Liebe Hornisse!

Es drängt mich, Dir 'mal wieder von hier etwas mitzutheilen, denn ich weiß , das hast Du gern. Denke Dir, neulich abonnirt das Direktorium der hiesigen Kasino-Gesellschaft auch auf Dich, liebes Blättchen, und siehe da, cs gibt der Herr Verwaltungsbeamte Faber sogleich einen Protest zu Protokoll, daß er nicht Deiner Ansicht huldige, und bedauert unendlich, daß ein solches Schandblatt in einer gebildeten Gesellschaft gelesen würde 2c. Das wäre nun wohl passend gewesen, wenn die Kasino-Ge­sellschaft aus Anhängern des Herrn Faber bestände; das scheint aber nicht der Fall zu sein, denn es fanden sich etliche Männer ein und erklärten, das ginge nicht, man wollte Dich fortlesen und lieber den Marburger Volks- freund abschaffcn rc. Die Sache soll nun beruhen bis zur Generalversamm­lung, ich glaube aber, weil Du so stachelich bist, werden sie Dich noch in mehreren Exemplaren bestellen.

Hast Du auch schon von der Wahl hier gehört? Du weißt doch, Du schlugest uns damals den Dr. Gräfe vor, und denke 'mal, auf Deinen Vorschlag ist er gewählt worden mit circa 197 gegen 11 Stimmen. Alles freut sich darüber, nur so ein paar Herren nicht, ich will sie Dir, wenn ich erst dahinter komme, mütheilen. Gr.

Ernennungen.

Dem k. k. österreichischen Oberlieutenant Baron von Scholley im 9. Husaren-Regiment, Kaiser Nikolaus, ist das Ritterkreuz des kurh. Haus­ordens vom goldnen Löwen verliehen.

Dem Major von Specht, vom zweiten Jnsanterie- Regiment, ist das Ritterkreuz des kurh. Hausordens vom goldenen Löwen, so wie den Kor­poralen Sippel, Degenhardt, Riedel 2ter und dem Musketier Rohrbach vom zweiten Infanterie-Regiment das Militär-Verdienstkreuz verliehen.

Der bisherige Regiments-Kommandeur der Bürgergarde zu Hanau, Wilhelm Ziegler, ist weiter zum Regiments - Kommandeur derselben bestellt.

Die Redaktion bringt hiermit zur Kenntniß , daß ihr Mit- redakteur, H. Heise, bereits seit mehreren Wochen von hier verreist ist, und seine Zurückkunft vor Juli nicht erwartet wird. Die Redaktion.