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Zweiter Jahrgang.
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Die M o r n i s s e.
„Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"
ML 73
Kassel, Donnerstag, den 21. Juni.
1849
Wahlen füe Kassel.
Am 21. und 22. Juni: Muhn».
Beschlossen: Von dem Konnte der selbstständigen Gewerbtreibenden und wahlberechtigten Arbeiter, von dem Konnte des Vereins für Volksrechte, dem Konnte des demokratischen Gewerbvereins, dem Äomité des Turnvereins, dem Konnte des demokratisch-sozialen Vereins.
Die Nationalversammlung in Stnttgart und die süddeutsche Bewegung.
in.
Die Bewegung in der Rheinpfalz wird zuerst der preußischen Invasion erliegen. Denn obgleich hier die revolutionäre Energie bei Weitem größer ist, als in Baden, so ist doch der Mangel an Masten und an militärischer Organisation so bedeutend, daß die Preußen sofort, fast ohne Schwertstreich, das Flachland am Rhein occupiren, und von der Westgrenze leicht bis nach Kaiserslautern, ja selbst biâ Zweibrücken vordringen können.
Dadurch jedoch ist der Kampf noch lange nicht beendigt. Es wird einen langen Guerillaskrieg kosten, bis die fast unangreifbaren Stellungen der Freischaaren in der Hardt und am Donnersberge in den Händen der Kosaken sind; jedenfalls werden diese Operationen geraume Zeit die Truppenmassen beschäftigen.
Der eigentlichen organisirten Revolutionsarmee in Baden wird dadurch eine starke Abtheilung der Feinde fern gehalten, und derselben der Einfall über den Rhein nach Mannheim :c. durch stete Bewegungen im Rücken gefährlich gemacht.
In Baden mußte man die Pfalz einstweilen ihrem Schicksale überlassen. Die organisirten regulären Truppen daselbst reichen kaum dazu hin, die Neckarlinie gegen den Angriff der entgegenstehenden Kolonnen zu halten; eine jede Absendung würde nur die badische Vertheidigungslinie
^n der Pfalz hat man jedoch den großen Fehler begangen, aß man die ubergetretenen Soldaten in ihre Heimath ent- Gemeinden daö Exercitium des Landsturms n des ersten Aufgebots zu übernehmen. So hat man selbst daâ wenige reguläre Militär zerstreut, ohne den beabsichtigten m wegen Kurze der Zeit und Mangel an Munition und Waffen, zu erreichen.
wag nun das Schicksal der Pfalz im Augenblick sein, es will, soviel steht fest, für Baiern ist diese reiche Pro
vinz ein- und für allemal verloren, oder wenigstens nur temporär mit den größten Kosten durch starke Besatzungen und permanenten Belagerungszustand unter der baierischen Königö- knute zu erhalten.
Niemals hat die Pfalz Sympathien für die Verbindung mit Baiern gehabt. Seit Jahrhunderten haben diese deutschen Lande am Rhein für sich einen schönen reichen Staat gebildet, der freilich ebenso auSgesogen wurde von seinen fürstlichen Blutsaugern, wie alle Länder Deutschlands.
Plötzlich wurde durch daö Aussterben der einen Linie der Wittelsbacher die Pfalz mit Altbaiern verbunden. Der verschwenderische Hof eines Karl Theodor wanderte nach München auS, um dort seine Erpressungen und seine Ausschweifungen fortzusetzen, und die ultramontane Jefuitenwirthschaft der Hauptstadt, die Unterdrückungen der Protestanten, die unnütze Verschwendung der Staatsgelder in Kunstbauten und Luruöeinrich- tungen, zuletzt die Verfolgungen der Deutschkatholiken haben in der Pfalz die letzte Zuneigung für die Familie Wittelsbach unterdrückt.
Dazu kommt, daß die Jahre, in welchen dieses Land zu dem großen französischen Kaiserreich gehörte, lebhafte Sympathien für die französischen Nachbarn hinterlassen hatten, und namentlich eine Einrichtung, die allein im Stande war, den Freiheitsgeist deâ Volkes wach und rüstig zu erhalten, die Einrichtung der Geschwornengerichte.
Diese Institution machte eâ dem berühmten Wirth und seinem Kollegen S ieben Pfeifer möglich, in den Jahren 1831 biâ 1833 dem deutschen Volke das Beispiel einer wahrhaft freien und radikalen Presse zu geben, und Land und Volk mit einem Zündstoff der Revolution zu erfüllen, der zuerst in dem bekannten Hambacher Feste zu lichten Flammen auflohte, und stets, wenn auch scheinbar unterdrückt, in dem Gemüthe des Volkes brennende Funken zurückgelaffen.
Und nun duldet die elende, energielose baierische Regierung, daß diese reiche, aber unsichere Provinz von dem Schwerte der preußischen Truppen verheert, vom Huftritt fremder Soldaten zertreten wird, um sie von Neuem an die Schwellen eines verachteten Königsthrons zu fesseln! In feiger, prote-