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Zweiter Jahrgang.
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Hornisse.
„Naum, Zhe Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"
Ms 72.
Kassel, Dienstag, den 19. Juni.
1849.
C5" Da mit diesem Monat das Abonnement des zweiten Quartals zu Ende geht, so bitten wir, die Bestellungen auf das zukünftige Quartal zeitig und zwar in den nächsten Wochen schon bei den betreffenden Postbehörden und für Kassel in der Expedition der Hornisse zu machen.
Neu zugehende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an für den laufenden Monat Juni gratis.
Wahlen für Kassel.
Am 19. und 20. Juni: Janson Am 21. und 22. Muhm.
Beschlossen: Von dem Komik« der selbstständigen Gewerbtreibenden, von dem Comite des Vereins für Volksrechte , dem Comite des demokratischen Gewerbvereins, dem Komik« des Turnvereins, dem Komik« des demokratisch-sozialen Vereins.
Große Volksversammlungen waren: Am 16. Juni, Abends, in Homberg auf dem Marktplatze; am 17., Nachmittags, bei Wabern.
Beschlüsse: Wie in den Versammlungen zu Immenhausen und Hofgeismar.
Außerdem war am 17. Juni, Nachmittags, Volksversammlung in Karlshafen. — Das Nähere das nächstemal.
Die Nationalversammlung in Stuttgart und die süddeutsche Bewegung.
ii.
Die Nationalversammlung in Stuttgart scheint wirklich Miene zu machen, nach Baden auszuwandern. Zu spät!
Das Schicksalswort, daS die Revolution von 1848 begonnen, scheint im Jahr 1849 ihre letzten Zuckungen zu begleiten. Bereits wüthet der Kampf an den Ufern des Neckars, der Donner der deutschen Bürger-Schlacht hallt aus den Schluchten der Bergstraße wieder durch das flache Land über die Ufer des Rheins bis zum Donnersberg, zu dem Hardtgebirge uno zu den fränkischen Vogesen; die Flammen der Städte und Dörfer rothen den nächtlichen Himmel.
Und im Rücken der Freiheitskämpfer lagert der Verrath, lagert die Feigheit und der Abfall von Tausenden, eine ener- gielose, verrätherische Regierung an der Spitze.
Baden war daS Land und bleibt es noch immer, auf daS die Hoffnungen der deutschen Freiheit gegründet waren; hier
war das Ansehen der fürstlichen Regierung bis auf seine letzten Stützen unterwühlt, unterwühlt zu einer Zeit bereits, wo" die Throne deö übrigen Deutschlands scheinbar noch fest standen „wie der Erde Grund".
Nach der Regierung deS ersten Großherzogs, Carl Friedrich, der bereits eine Repräsentativ-Verfassung deö StaateS vorbereitete, und nach der Regierung seines Sohnes Carl, der diese Verfassung endlich im Jahr 1818 gewährte, folgte ein Fürst auf dem badischen Throne, dessen Schandthaten, Ausschweifungen und Verschwendungen daS fürstliche Ansehn in Baden auf eine unheilbare Weise unterminirten. Zwölf Jahre lang verpraßte Ludwig von Baden die Schätze seines Landes mit einer Genossenschaft von Schurken und Wüstlingen, die er um seinen Thron gesammelt, bis er unter furchtbaren Schmerzen deö Körpers, zum Wahnsinn getrieben von der Errinnerung seiner Schandthaten , beladen vom Fluche seines Landes, an Entkräftung verschied.
So kam es, daß man allgemein dem Gerüchte Glauben schenkte, der Großherzog Ludwig habe sich durch doppelten und dreifachen Mord den Weg zum Throne gebahnt, und jener