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Die Verwirrung.
Si omnes consentiunt, ego non! veto!
Die Reichstage der alten polnischen Republik waren berüchtigt durch ihren wüsten Lärm, durch ihre endlosen und fruchtlosen Berathungen.
Das Veto jedes Einzelnen warf die Beschlüsse von Hunderten um — die Säbel flogen aus der Scheide, und nur unter Blutvergießen, nur durch die Vernichtung oder Neberwäl- tigung des souveränen Dissentirenden konnte die nothwendige Einstimmigkeit erzielt werden. In tausend Fällen kam kein einziger Beschluß zu Stande.
Ein solcher polnischer Reichstag ist jetzt daâ ganze deutsche Vaterland. Die Nationalversammlung hat kaum ihr Verfassungswerk beendet, so legten die hochverrätherischen Könige ihr Veto ein.
Der König von Preußen gibt diesem Veto eine bestimmte positive Gestalt durch Vorlage einer Gegen-Verfassung nach seiner gottbegnadeten höher» Einsicht.
Kaum geschehen, so geben Oesterreich und Baiern ihr Veto gegen Preußen ab.
Die Nationalversammlung, die durch diesen Wirrwarr und durch den Muth der Linken zu Thaten gedrängt wird, verfällt sofort in ihre einzelnen Bestandtheile. Von der äußersten Rechten an bis auf die Letzten des linken Centrums legt eine Fraktion nach der andern ihr Veto ein.
Die Verräther und die Netter des Vaterlandes sind unter sich zerfallen. Die Verräther lehren uns, daß die Hölle niemals EinS ist. Die Teufel sind nur gute Freunde, wenn es gilt, Qualen zu ersinnen nnd sie auözuführen, aber niemals, wenn die blutige Beute zur Theilung kommt.
Der Retter des Vaterlandes, so träumte man im Mai 1848 unter dem harmlosen Schatten „sentimentaler" deutscher Eichen, sollte jene vielberühmte Nationalversammlung sein, die unter den Bildnissen der alten Kaisermacht im Römer sich sammelnd, vom narkotischen Schlaftrunk des Mittelalters taumelnd, einen barocken Kaisertraum in die Gewölbe der Paulskirche trug. Der Mohnsaamen ihrer deutschen Träumereien flog, getragen von den Lüften, über die enipfäiignißbereiten Lande — und siehe, aus den Saamenkörnern deS Friedens wuchsen die Schwerter der Zwietracht.
Und als die Dämonen der altdeutschen Stammeseifersucht in ihren letzten Resten, in dem unbesiegbaren Dünkel der kleinen fürstlichen Lappen-Dynastien die rothen Fackeln der Reaktion schwangen über die Gaue des Vaterlandes , — da flohen die Retter — und es wurde unwiderleglich offenbar, daß sich daS Volk in ihnen betrogen hatte.
Leichtgläubiges Volk! In wem hast Du nicht Dich schon bitter getäuscht! Wie oft hast Du Deinen „theuern" Fürsten zugejauchzt, wenn sie Dir einen einzigen freundlichen Blick schenkten für Deine unzähligen blutigen Schmerzensopfer, deren Hinnahme sie für eine göttliche Berechtigung hielten; eine wahre Lumperei von Deinen Verräthern konnte Dich mondenlang Deine Wuth, Deine Noth, Deine Racheschwüre vergessen lassen, eine Lumperei, das Geschenk eines Thalers, eines Schoppens Bier an einen Armen, ein neues Kleidungsstück , ein runder Hut, ein Frackrock und dergleichen Kindereien.
Aber noch bitterer getäuscht, ihr armen Leichtgläubigen, haben euch euere gepriesenen Retter. Diese Heroen der Wissenschaft, der Kunst, diese Helden der Ständekammern, diese schlauen Juristen und Staatsmänner — sie hatten kein Herz, keinen Muth, kein Blut und kein Leben, sie konnten Nichts hingeben für das Vaterland und für sein Volk, alö Worte! Worte! Der Extrakt alter Folianten! Dürre, trockene, abgewogene, besonnene Worte! Worte ans den Hörsälen und aus den Aktenstuben des alten Regierungsquarks! — Worte
des Todes und nicht deS Lebens! Oder glatte Phrasen aus den Vorzimmern fürstlicher Gemächer, oder Lügen auS den Schulen der Jesuiten aller Bekenntnisse.
Kathederton, Kanzleiftyl, Lakaien- und Jesuitenheucheleien verstummten vor dem Kanonendonner der rothen Reaktion.
Und das Volk stand da in stummer Verzweiflung. Es raffte sich auf hier und dort, und sank in seinem heiligen Blute nieder. Doch ob eS auch still und lautlos anderwärts seine Schmerzen trägt, seine Verräther werden nicht unterlassen, eS in den blutigen Strom deS Bürgerkriegs, der allgemeinen Verwirrung zu stürzen. Plecfuntur Achivi.
Diese Verräther erfüllen ihre Bestimmung und ihr Schicksal.
DaS deutsche Volk ist in seinen tiefsten Schichten unempfänglich für die Einheit deS Vaterlandes. Die Zuchtruthe der eingebornen Landesherren hat diese Gefühle bis auf's Blut auS den duldenden Gemüthern ausgegeißelt. Jahrhunderte der Knechtschaft, der Sonderinteressen, Reichökriege und religiöser Haß hatten in die Seelen das Gefühl der Stammesverschiedenheit eingebrannt, daS erst in seiner aktiven Stärke durch dies Uebermaaß der Tyrannei erloschen ist, aber dessen Folge jene passive Gleichgültigkeit ist, jene Thatlosigkeit, wenn selbst die Hoffnung auf ein Vaterland in Trümmer fällt, — jener Traum der Begeisterung, den vor Jahrhunderten bereits die Edelsten der Nation vergebens geträumt unter Schmerzen und Verfolgung.
Die Dämonen dieser Verfolgung selbst, die Verräther deS Vaterlandes, die Fürsten müssen das Volk auö seiner tiefen Abspannung, aus der Unnatur des politischen Todes erwecken. — Ihre Bestimmung ist, durch Mord und Brand ihre eigenen Länder zu verwüsten, das ganze Vaterland an den Rand deS Verderbens zu stürzen, und zu entzünden den Blitz der Rache, der aus der Verwirrung der Nacht hervorleuchten und sie allein hinabschleudern wird in den Abgrund, an dem sie, besessen vom Wahnsinn ihrer Allmacht, lusttaumelnd vom aufsteigenden Moder der Leichen, vom Brandgeruch ihrer Städte und vom frischvergossenen Blute umherwanken.
Der vernichtende Blitz der Rache wird zugleich die Fackel des TageS und die Flamme der Ordnung sein.
Stürzt sie hinab, diese Götzenbilder deS HeidenthumS, in den Schlund der Revolution, begrabt sie in dem Flammenmeere, das sie entzündet. — Sühnt das Schicksal durch ihre Vernichtung.
Das reine Christenthum kennt diese Stellvertreter Gottes auf Erden nicht, sie haben es im Bund mit herrschsüchtigen Pfaffen geschändet und verderbt, um eS für sich zu benutzen.
„Gebt der Obrigkeit, was der Obrigkeit ist", daS ist der beste Spruch der Bibel. Gebt einer guten Obrigkeit, was ihr zukommt, und einer schlechten, was ihr gehört. Der guten den Gehorsam, der verrätherischen
— den Tod! G. Kellner.
Charakteristik des Verhaltens der kurhessischen Parlamentsdeputirten in Frankfurt in 15* Sitzungen, in denen »3 Abstimmungen vor- kamen
(Vom 1. Juni 1 8 4 8 bis zum 2 3. Januar 1 8 4 93 (Nach Rösler's Parlamentskalender.)
(Forlsetzung.)
5) Jordan (4ter kurhessischer Wahlbezirk: Grebenstein, Fritzlar, Gudensberg, Jesberg re.)
tritt erst ein am 2. Juli;
fehlte bei E5 Abstimmungen (bei 9 mit Entschuldigung.) stimmte gegen Amnestie politischer Verbrecher, Zu° lassung HeckerS, — Aufhebung deS Adels, — Trennung