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Todesjammer klang durch die rauschenden Symphonien, durch den Lärm ihrer Orgien, womit sie den Taumel ihrer Sinne verewigten und ihr feiges Gewissen mordete».

Die betrogenen Zuschauer zerschlugen in Wuth und Ver­zweiflung den ganzen Prunk und den ganzen Trug.

Nun begann ein neues Schauspiel mit neuen Vorstellungen, mit neuen Lügen, neuem Flitter, neuer Schminke und neuem Verrath, — das Schauspiel des konstitutionellen P u p p e n s p i e l s.

Eine jämmerliche Komödie. Steife Puppen mit schlechtem Tand, mit schlechten Juwelen, mit Semilor und Rauschgold behangen, heben vor unseren Blicken ihre hölzernen Beine, ihre bleiernen Arme. Durch die Scenen gehen die Drähte, die sie zu ihren grotesken Bewegungen nöthigen; die Hände der dirigirenden Minister ragen herein aus den Wolken, man hört sie von Oben und hinter den Koulissen her mit ver­stellten Stimmen den Monolog und den Dialog recitiren.

Die Knirpse öffnen ihren Mund, ohne selbst zu reden, verdrehen ihre Augen, ohne zu sehen, gestikuliren und steigen umher nach Kommando.

Das Publikum bricht von Zeit zu Zeit in schallendes La­chen aus über die barrocke Unnatnr. Nur Kinder jubeln daS Gaukelspiel an als wirkliches Leben.

Bald aber ändert sich die Scene. Die Sache wird noch komischer.

Die Puppe scheint mit einemmal belebt. Sie fängt an, den Drähten zu widerstreben, sie sucht auf eigene Faust entgegen­gesetzte Bewegungen auSzuführen, unartikulirte Laute lassen sich zwischen den Reden der Minister'Puppenspieler hören; dann haarsträubende Sprünge, wilde Gesten der Wuth, glotzende Augen — geballte Fäuste: — daß die Menge sich auöschüttet vor Jubel und erschütterndem Gelächter.

Plötzlich reißen die Drähte. Die Puppe wird ihr eigener Herr, sie beginnt daS alte Spiel des Absolutismus mit tol­lem Wahnsinn, daS rohe, blutige Spiel, ohne Maske, ohne Scheu, mit der ganzen Brutalität der wiedererlangten, schon verloren gegebenen Hoheit und Machtvollkommenheit. Rache! Rache! Blut und abermals Blut ist die Losung. Das ent­setzte Publikum stürzt sich auf die Bühne oder flieht. -

E s ist das letzte Spiel.

Noch einmal flammt sie empor die Sonne der Nacht, das blutige Nordlicht, noch einmal schießen aus Nordosten von den Küsten des Eismeers über Europa ihre glühenden Strahlen — aber die Sonne der Freiheit, die Sonne des TagS, die Sonne des Westens steigt siegreich empor am fernen Horizonte Europas.

Die Nacht des Nordpols erschrickt. Kronen erblinden und Ordenösterne erbleichen.

Und schon kehrt wieder das Spiel, daS Ludwig XVI. bei seiner Leibgarde spielte, als er bereits ein Kind des To­des war.

Die Könige werden herablassend. Der Kaiser von Oesterreich, der unbärtige Gaukler, der unmündige Tyrann nennt seine Soldaten Brüder, schlägt eigenhändig zu Rittern, hängt Orden an und macht Offiziere. Er lächelt seinen letzten Rettern zu, lächelnd mit jener bekannten Miene des Habsburgischen Wahnsinns, der Siegellack fabrizirte, während Napoleon Wien einnahm, und die Droschken vor der Hofburg zählte, während daö Kaiserreich und die Krone in Stücken sprang.

Er lächelt seinen Henkern zu! '

Wer waren die Henker der römischen Tyrannen? die Prä­torianer , ihre Leibgarden. Wer mordete die Sultane, die tür­kischen Bluthunde? ihre Helfershelfer, die Janitscharcn, ihre Leibwache. Wer waren die Henker der russischen Despoten? die Strelitzkn, ihre Adelsschaar, und später ihre Garden.

Wer jagte den Grvßhcrzog aus Baden? die gehätschelten, die allmächtigen Soldaten.

Und diese Tröpfe, diese Söhne und Vettern von Tröpfen spielen mit ihrem Tode. Sie spielen einen Napoleon, einen Joseph II., einen Friedrich den Großen. Diese hohlen Schat­tenwesen.

Je wie er sich räuspert, wie er spuckt,

DaS habt ihr ihm leidlich abgeguckt. Und das noch nicht einmal!

Dieser König in Berlin, dieser zweite Seidelmann, ladet seine Soldaten zur Tafel, trinkt mit seinen braven Pommern, trinkt auf den Tod seiner Unterthanen , und ruft im klassischen Wahnsinn:

nunc est bibendum,

nunc pede libero pulsandum tellus! *) und seine geliebte Königin streichelt mit sanften Thränen den jungen treuen Märkern die braunen Wangen. Aber Alles ist eitel, spricht der weise Salomon.

Die Komödie ist zu Ende! Der Vorhang des blutigen Trauerspiels rollt in die Höhe! Der letzte Akt wird nicht auf sich warten lassen.

Hinweg mit diesen Tröpfen, mit diesen hohlen Köpfen, mit ihrem eitlen Flitter, mit ihrer ganzen Gaukelei.

Hinweg mit dieser unwürdigen Komödie!

Mit Strömen BlutS haben sie selbst daö Trauerspiel er­öffnet. ES wird enden, es wird bald enden mit ihrer Ver­nichtung, mit ihrem 'schmachvollen und furchtbaren, mit ihrem

ewigen Untergang.

G. Kellner.

*) Jetzt laßt uns trinken!

(Er allein thut's immer.)

Jetzt laßt mit freiem Fuß den Boden uns stampfen! " (Nämlich im Kriegstanz zerstampfen.)

L. P. C. Frankfurt, den 27. Mai 1849. DaS Ab- berufungSfchreiben der Hannöver'schen Deputirten schmeckt nach preußischem Muster in Stüve'scher Brühe. Interessant ist be­sonders die Erfindung dieses Büreaukraten, wonach den Depu- tirten nur dann daS Reisegeld nach der Heimath ausbezahlt werden soll, wenn sie sich wirklich verpflichten, sofort abzu- reisen und keiner Sitzung mehr beizuwohnen. In Hessen be­ginnt der altliberale Minister Jaup die freundschaftliche An­näherung zu dem preußischen Systeme. Der Landtag ist auf­gelöst, ohne daß neue Wahlen angeordnet wären, und unterdessen hat man zwei Provinzen in einen halben Be­lagerungszustand erklärt und sie deS VersammlungSrechteâ un­ter freiem Hiwmel beraubt. Auch die Beeidigung deS Mili­tärs und der Beamten verweigert derselbe höchst freisinnige Minister, um die zarten Gewissen der für Prinz Wittgen­stein schwärmenden Cheveaurlegers - Offiziere nicht unsanft an­zutasten. Wir hoffen, daß die nächste hessische Kammer solchem Unwesen ein Ende machen werde.

Die Stellung der Nationalversammlung ist jetzt schwieriger als je. Einerseits der überfluthende Absolutismus auS dem Norden, andererseits der auf einen kleinen Raum beschränkte Freiheitsdrang des Südens — dazwischen ein beschließender Körper ohne Exekution, ohne Macht, dieselbe zu erhalten an dem Orte, wo er sich befindet, und ohne Hoffnung fast, sich selbst an einem anderen Orte wiederzufinden. Die Besten können unsicher sein unter diesen Verhältnissen, wo jeder Er­folg nur von einer richtigen Berechnung deS thatsäch­lich Gegebenen und von einer genauen Wägung der gegenüberstehenden Kräfte abhängt.

Nationalversammlung. — Die Nationalversammlung hat einen trockenen Aufruf an das deutsche Volk erlassen, der Verfasser ist Uh land. Vogt nennt ihn einen kristallhellen Strom; eS ist ein Eiszapfen. Vogt eifert gegen Angriffe