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Gerüchte über ihren reaktionären Charakter auf Unkenntniß oder Entstellung beruhten; die Volksversammlung beschloß deß­halb, daß auf dem Dome zu Speyer die schwarz-roth-goldene Fahne aufgepflanzt werde.

Diesen Morgen fand wirklich der Akt Statt und zwar in der feierlichsten Weise. Die ganze Besatzung der Stadt war mit ihren Musikchören ausgestellt, massenhaft drängte sich daS Volk hinzu, von den Thürmen läuteten alle Glocken. Nic. Schmidt aus Kaiserslautern, Schmidt aus Löwenberg und Grün aus Leipzig hielten vom Balkon deS RathhauseS und von dem Dome Reden; ein Hoch aus die provisorische Regie­rung endete die Feier. Die provisorische Regierung macht heute durch Maueranschlag bekannt , daß sie zur einheitlichen Leitung der Geschäfte es für nöthig halte, an demselben Orte mit der Militär-Kommission sich aufzuhalten, und daß sie als den strategisch gelegensten Punkt Kaiserslautern zum gemein­schaftlichen Sitze erwählt habe. Sie geht noch heute dahin ab.

Fenner von Fenneberg ist vorläufig seiner Hast entlassen.

DaS gestern durch etwa 30 Münchener Hochschüler ver­stärkte Studentenkorps hat schon eine Probe seiner Wachsam­keit gegeben, es hat nämlich 100 nach Landau bestimmte Hämmel aufgefangen. DieserUmstand ist umso wichtiger, da eine gestern aufgefangene, von Landau nach Hermersheim be­stimmte Depesche darthut, daß man in Landau schon jetzt an Geld und Lebensmitteln Mangel leidet.

Adresse aus Marburg.

Kurfürstliches Gefammt-Staats-Ministerium!

Eine allgemeine Versammlung der Einwohner Marburgs Hal gestern, den 24. Mai, den hiesigen Volksrath beauftragt, folgende von ihr ein­stimmig gefaßten Beschlüsse bezüglich des Geheimen Legationsraths Ior­dan Kurfürstlicher Slaateregierung vorzutragen:

1) Kurfürstliche Staatsregierung wolle sofort den Geh. Legationsrath Jordan, weil derselbe durch seinen Austritt aus der Nationalver­sammlung auch seinerseits den volksverrätherischen Versuch der Auf­lösung dieses Mittelpunkts der deutschen Einheit und Freiheit un­terstützt hat, seiner Stelle als Bevollmächtigter bei der Eentral- gewalt entsetzen und wo möglich überhaupt aus dem kurhessischen Staatsdienste entfernen.

2) Dieselbe wolle ungesäumt in dem Wahlkreise, von welchem Jordan zu der Nationalversammlung gewählt wurde, eine neue Wahl ausschreiben.

In der Zuversicht, daß hohe Staatsregierung im Einklänge mit ihrem bisherigen Verhalten auch in den oben bezeichneten Punkten dem Willen des Volkes nachkommen werde, unterzeichnet gehorsamst

Der Volksrath zu Marburg.

In dessen Namen:

Dr. Ludwig Fick, als Stellvertreter des Vorsitzenden.

S. Lilienfeld, Schriftführer.

Liebe Hornisse!

Wie das Gesetz über die Umbildung der innern Landesverwaltung er­schien , da wurde uns gesagt: Jetzt habt ihr unter den obern und untern Verwaltungsämtern nicht mehr die frühern Kreisämter und Regierungen zu verstehen, nein, die Verwaltungsbeamten sind fortan eure väterlichen Freunde, die gehen Euch mit Rath und That zur Hand, ihr braucht die vielen Wege nach Ziegenhain nicht mehr zu laufen, jetzt wird Alles in der Verwaltung besser ", und da dachten wir: der Bezirksdirektor wird nun unser Großvater und die untern Verwaltungsbeamten werden unsere Väter. Bis jetzt haben wir aber weder den Großpapa noch die väterlichen Freunde gesehen, und was wir von ihnen hören, ist ganz wie früher beim Kreis­amt und der Regierung auch; dieselben Weitläufigkeiten, dieselben Wege, dieselben Mienen, dasselbe Geld u. s w., und von unserm Vormund, dem Bezirksrath, haben wir auch noch nichts gehört..

Wir möchten sic nun gern einmal ein wenig kitzeln diese väterlichen Freunde sammt dem Großpapa (denn der Bezirksrath ist unschuldig), aber wir wissen es nicht recht anzufangen , und da wollten wir Dich, liebe Hor­nisse , bitten, dieses amüsante Geschäftchen mit Deinem Stachel für uns vorzunehmen. Du müßtest so mit einfließen lassen, daß sich unser Groß­vater bald auf den Auszug sehen möchte (darunter verstehen wir nämlich die Pension). Braucht nad) den neuen Gesetzen der Bauer keine 60 Jahre mehr alt zu sein, um sich auf den Auszug zu setzen, so meinen wir, brauch­ten die Staatsdiener auch gerade keine 70 Jahre mehr alt zu sein, oder 50 Jahre gedient zu haben, wenn auch der Auszug ein bischen knapper wird. Du mußt auch so etwas mit Errungenschaft und Märzfreiheiten sticheln, denn wenn man nur das Wort hört, so lacht alles laut auf.

Von der Schwalm. A Z.

Der Banquier Pfeiffer wieß einen Beitrag zu den Kosten des Volks- komite's unter dem Vorwand zurück, die Sammlung für dasselbe sei vom Oberbürgermeister verboten. Der Oberbürgermeister von Kassel hat bis jetzt nur Sammlungen für Bewaffnung, die nicht von ihm ausgehn, verboten. Der Oberbürgermeister des Hrn. Pfeiffer, welcher ihm diesen Beitrag verbietet, heißt nicht Hartwig, sondern Geiz. Dies zur Verhütung von Mißverständnissen. X.

Bekanntmachungen.

(232) Es ist Jemand gewillet, gründlichen und billigen Un­terricht im Weißnähen zu ertheilen , wobei auswärtige Frauen­zimmer Kost und Wohnung erhalten können, und werden die­jenigen Eltern, welche ihre Töchter dieser Weißnähschnle anvertrauen wollen, ersucht, nähere Auskunft bei der Erpedi- tion der Hornisse einzuziehen.

(234) Ein junger Mensch, welcher daS Blechschmiedegeschäft zu erlernen wünscht, findet einen Lehrmeister. Wo? sagt die Expedition d. Bl.

(313) Den 1. Juni a. c. findet die Verloosung der Kurhessi­schen 40 Thaler - Loose Statt; hierzu vermiethet die Original- Prämissenscheine für 2 Thlr. daS Stück (womit 36,000, 8000, 4000, 2000, 1500, 1000 Thlr. rc. erlangt werden können)

H. M. Detlev ie^

Hedwigstraße Nr. 995, der Realschule gegenüber.

(230) In meiner Gartenwirthschaft auf dem Philippi- nenhof bei Kassel habe ich eine Douche und Brause

errichtet, welche ich dem Publikum ergebenst empfehle. Es können daselbst Bäder im Abonnement und einzeln zu billigen Preisen genommen werden. Kranke werden dort in Logis genommen und unter ärztlicher Anleitung in Kur und Kost verpflegt. Auch werden Erfrischungen jeder Art daselbst ge­reicht. Namentlich eignet sich mein Etablissement wegen der dort befindlichen Turnanstalt für Turnvergnüguugen.

Friedrich Nust,

früher Bademeister zu Wolfsanger.

(338) Ich hatte auf unserm Marsche den traurigen Fall, von einem Pferde geschlagen zu werden, wurde also am Weitermarsche verhindert und blieb in dem hiesigen Garnisonslazareth zur Heilung und Verpflegung zu­rück. Ich kann mit Wahrheit sagen, daß ich mit der Verpflegung und Behandlung der Aerzte und sonstigen Bewohner des Lazarethè sehr zufrie­den bin; doch muß ich leider bemerken, daß der Herr G. St. Arzt Dr. Schier sich während meiner'Krankheit gar nichts um mich bekümmerte, und als ich wieder genesen war und von meinem Arzte die Erlaubniß hatte, alle Tage einige Stunden ausgehn zu können, kam der Hr. G. St. Arzt Dr. Schier, und behandelte mich auf eine sehr garstige, rohe und grobe Weise, was ich von einem Manne, welcher Bildung besitzen will, nicht erwartet hätte.

M. Greim, baierischer Chevcauxleger.

Kassel. Verantwortliche Herausgeber: H. Heise «. Dr. Kellner. Druck der Estienne'schen Buchdruckerei.