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18 Jahre sind seit der letzten magern Verbesserung der niedrigsten Stellen vergangen (der übrigen besoldungsniedrigen Stellen in Städten wurde damals aus anderen Rücksichten nicht gedacht — und jetzt?! I). 18 Jahre lang ist der Schulstand mit leeren Hoffnungen, Achselzucken und Himmelsassignationen hingehalten worden, weil Prinzipienfragen zur Entschuldigung vorgeschoben wurden (die Erziehung sollte nie zu den Prinzipienfragen eines Staates gehören); noch immer hängt der Lehrerstand an der leeren Hoffnung seiner Besol- dungsverbefferung, noch immer ist keine gèrechte Classisikation nach Dienstalter, wie bei anderen Ständen, ins Leben getreten. Wann wird dies geschehen? Das ist eine sonderbare Frage, deren Stellung einem Volksschullehrer eigentlich gar nicht zukommt ; der hat sich um seinen Unterricht in seiner Schulstube zu bekümmern.
Schon ist ein ganzes Jahr der so hoffnungsvollen Revolution für unsern Stand dahin, und noch immer sieht man hoffnungslos der Besoldungsverbesserung durch Classisikation entgegen. Armer, unglücklicher Lehrer an der Schule des Volkes, stirb hin, stirb ewig hin, deine Hoffnungen sind todtgeborene Kinder der matten Revolution von 1848, sind eitle Träumereien. Für dich wohnt keine Gerechtigkeit, wie sie dir werden müßte, im Lande! Ueberall Halbheit, nichts Durchgreifendes, weil man zu vielerlei Rücksichten gebrauchen muß, die ja weit höher anzuschlagen sind, als Volkserziehung durch die Schule. Für dich steht kein Erasmus von Rotterdam auf, du bist verloren, für dich selbst kannst du nicht kämpfen, und daS Volk, das dir seine höchsten Güter anvertraut, hat für deine heiligen Rechte, hat für dein Darben, für deine Noth und deinen Kummer kein Herz und keine Stimme.
Zwar haben nach den Grundrechten die Volksschullehrer die Rechte der Staatsdiener, d. h. sie haben Besoldungsrechte, Ansprüche auf gerechte Classisikation, wie andere Staatsdiener. Aber natürlich, Vieh - und Pferdezucht, Wiesenbauverbesserung, neue Uniformen, neue Titel, Verdienstschnallen und dergleichen sind wichtiger als Bildung des Menschen; ^udem ist gar noch nicht ausgemacht, welche Stände die wichtigsten und nothwendigsten, welche überhaupt nothwendig sind, und ob nicht der Lehrerstand ganz unnöthig ist. Bis das geschehen, habe Geduld, armer Dulderstand; das Warten hast du ja schon so trefflich gelernt; und was schadet's, wenn du auch über deinem ewigen, vergeblichen Hoffen und Fasten in Hunger und Kummer stirbst und verdirbst. Was gilt heut zu Tage ein Leben? Und besser ist der Tod, als dein elendes, sorgenvolles Leben, daö vom Tage deine s Amtsantrittes biö zur Bahre dich muth - und kraftzerstörend durch die Schuld der Ungerechtigkeit verfolgt und langsam unter grausamen Schmerzen und Entbehrungen vernichtet. Schoppe.
Ein letztes Wort an die Verschachere« der Stationen.
Dunkle Wolken haben den Horizont Deutschlands umlagert, au8 ,den Wolken reicht eine Götterhand und schreibt allen Völkern ein flammendes „Mene Thekel!" auf den dunkeln Grnnd der vcrderbcnschwangern Wetterburgen. — Diese Hand ist die Hand der Göttin der Vergeltung, der ewigen unbestechlichen Nemesis, die über alle Thaten der Sterblichen richtet, mögen sie Könige heißen oder Bettler!
Gewalthaber freilich blicken sorglos auf den über ihren Häuptern schwebenden Sturm. Ihre 4- bis 500,000 ™ âu starrenden Bajonette, meinen sie, sollen ihre Blitz- cwleiter sein. — Der Genius der Freiheit sinkt ermattet zu Boden, sie hoffen ihm seine Flügel zu nehmen und ihn so mit Ketten zu belasten, daß er niemals so leicht wieder entkomme, wie im März des verflossenen Jahres.
Die Fünfprozentigen steigen, und die erschreckten Börsenmänner fassen frischen Muth, Aktionäre und Reaktionäre reichen sich zur satanischen Verbrüderung die Hand! All' ihre Furcht reden sie sich mit wohlfeilen Sophismen hinweg. Die leidigen Magyaren sind nur undisciplinirte Rebellenhorden; das Vorrücken des österreichischen kaiserlichen Heeres wird nur durch die Schwierigkeiten des TerrainS gehindert; könnte die Debreziner Haide bombardirt werden, ginge Alles spielend leicht von Statten. Frankreich, meinen sie, hätte mit sich selbst zu thun. Louis Napoleon muß darauf sehen, die schändliche Kommunistenrotte niederzuhalten, damit Held Weiden mit den kommunistischen Magyaren fertig werden kann, nnd damit die losgelassenen französischen „Bluthunde" nicht den fünfprozentigen Theil Europas in Angst und Consternation versetzen.
So urtheilen unsere BanguierS, Börsenmänner, unsere Wucherer und Seelenverkäufer! In ihren Augen ist die Revolution, die sie mitgemacht, ein politischer Rechnungsfehler. Um sich von dieser Schwäche zu reinigen, wollen sie daS Uebel durch dreifache Contrerevolution gut machen. Sie preisen Wrangel; sie beten Friedrich Wilhelm IV. als Gott der Ruhe nnd Ordnung an. Ihre heilige Dreieinigkeit sitzt in Berlin, Petersburg und Olmütz. Sie wußten, sie fühlten niemals, was Freiheit heißt; sie glauben, die Freiheit sei ein leeres Hirngespinnst, und die Völker würden sich nachgerade über ihre Dummheit schämen.
Kurzsichtige Verblendete! Im Kleinen schlau, in den arm-- seligen Künsten des Betruges wohl erfahren. Meint ihr, die Völker würden sich euren Verrath gefallen lassen, selbst wenn sie daS Gewebe eures Trugs durchschauten? Durchschauen sie es nicht? Blenden euch die offiziellen Beleuchtungsproben, oder täuscht euch die Zahmheit der Oppositionspresse, die keine Opposition mehr machen darf? Vergeßt ihr, daß Eitelkeit, Selbstgefälligkeit im politischen Leben gefährliche Dinge sind? Weil ihr die Dinge so und nicht anders sehen wollt, schließt ihr die Augen und bildet euch ein, alles nach Wunsch zu er- blicken. Wäret ihr nicht herzlos, tückisch, grausam, unersättlich in Herrschaft, unerschöpflich in Ränken, würdige Söhne jener heiligen Spitzbuben, der Jesuiten, man könnte euch gränzenlos lächerlich finden. Und klebte nicht an euren Händen daS Blut von Millionen unglücklicher Opfer — man könnte euch bemitleiden. Doch Mitleid! Dieses Wort steht nicht in eurem Wörterbuche verzeichnet. Wohlan! auch wir reißen eS aus unserem Herzen. Ihr habt den heiligsten Gefühlen der Nationen Hohn gesprochen, habt Gift und abermals Gift auf die zarte Blüthe ihrer bescheidenen Hoffnungen gegossen, ihr habt die Treue, den Glauben, das Vertrauen der Völker an euch gerissen, verzehrt, verpraßt, und für daö unersetzliche Kapital wollt ihr nicht einmal die in Freiheitsländern üblichen Zinsen zahlen!
Mit euch sind wir fertig, mit euch haben wir abgeschlossen. Und wäret ihr Cicerone an Beredtsamkeit, und Cäsare an Genie und Muth: es wird euch nicht mehr glücken, die Einfalt der Völker zu benutzen und zu täuschen, wie es euch bis zur letzten verhängnißvollen Stunde gelungen war.
Ein Arbeiter.
Berichte aus der Pfalz.
VIII.
Speyer , 23. Mai 1840.
Gestern Abend fand in der hiesigen Fruchthalle eine Volksversammlung Statt; die Bürger Grün aus Leipzig, Schmidt aus Löwenberg, Schütz aus Mainz und Reimann aus Sachsen hielten Vorträge. Die Stadt Speyer, sagte Schmidt aus Löwenberg, müsse ein sichtbares Zeichen geben, daß die