Einzelbild herunterladen
 

- 347 -

Beilage zu Nummer 63 derHornisse"

Der Landesausschuß Badens an die Soldaten Badens.

Soldaten, deutsche Brüder!

Ihr habt Euch losgesagt von einer volksfeindlichen Regie- rvng, weil Euer Rechtsgefühl und Euer Freiheitsmuth nicht länger den schweren Druck ertragen konnte, welcher auf Euch, gleich wie auf dem gesammten deutschen Volke lastete. Ihr habt gelobt, die Reichsverfassung aufrecht zu erhalten. Der Augenblick ist gekommen, Euer eidliches Versprechen zu erfüllen.

Ein verrätherischer Bund der Tyrannen Deutschlands, an dessen Spitze der König von Preußen steht, geht mit dem Plane um, die Nationalversammlung mit Gewalt zu sprengen. Bereits haben zu diesem Zwecke verschiedene Truppenmärsche Statt gefunden. Bei dieser Bedrängniß sind die Abgeordneten zur deutschen Nationalversammlung:

Raveaur aus Köln, Trützschler aus Sachsen und Erbe auS Altenburg

in unserer Mitte erschienen, mit der Bitte, um Schutz für die gefährdete deutsche Nationalversammlung. Wir haben ihnen im Bewußtsein des vom Volk erhaltenen Auftrags unsern kräftigsten Beistand zugesichert.

An Euch, Soldaten und deutsche Brüder, ist es, unserm Worte Nachdruck zu geben. Der Kampf, den wir kämpfen, ist ein guter Kampf. Eure Väter, Eure Brüder, Eure Schwe­stern nehmen Theil an demselben, ihre Gedanken folgen Euch in die Schlacht, und ihr heißes Gebet zu Gott steht Euch zur Seite.

Voran denn auf der Bahn der Freiheit I Vorwärts zum Schutze des deutschen Vaterlandes! Der Sieg ist unser, denn unsere Sache ist gerecht.

Karlsruhe, den 19. Mai 1849.

Der Fandesausschuß von Daden: Bannwarth, Eordel, Damm, Degen, Fickler, Happel, Henneka, Hoff, Junghanns, Kiefer, Rehmann, Richter, Ritter, Rotteck, Stay, Stein­metz, Struve, Thiebauth, Torrent, Werner, Wernwag, Ziegler.

Die VoUzugs-Dehörde:

Brentano, Peter, Goegg, Eichfeld.

Die Mitglieder der deutschen Ncichsverfammlung:

Raveaur, Trützschler, Erbe.

Berichte aus der Pfalz.

VIVII.

Kpeyer, 22. Mai 1849.

Der frühere Oberkommandant der Pfälzer VolkSwehr, Fen- ner von Fenneberg, wurde gestern in Neustadt a. d. H. veryaset, weil er offene Drohungen gegen die provisorische Regrerung aussprach. Seine Papiere sind mit Beschlag belegt, und d»e eingelettete Untersuchung wird daS Weitere ergeben.*) es ern Nachmittag ist die provisorische Regierung in peyer cmgezogen. Die Regierungsgeschäfte gehen ihren Gang, ^A7 ^"en bäuerischen Verwaltungsbeamten bereits durch tüchtige Manner ersetzt sind. Die Entlassung der Ersteren, " "" «r Zahl, ist in dem heute zum ersten Male erschie- Sefrro^n W*W« Regierung offiziell aus-

-ntlaM^"^ W iuvor war er auf sein Ansuchen vom Oberkommando

D. Red.

Der provisorischen Regierung ging gestern eine Abschrift der Beschlüsse zu, die der Gemeinderath von Kleinneidesheim in seiner Sitzung vom 11. d. M. gefaßt, und die beweisen, wie energisch man in der Pfalz Gewalt mit Gewalt zurückzu­drängen entschlossen ist. Nachdem der genannte Gemeinderath alle Gemeindeglieder zur Theilnahme am Kampfe aufgefordert, macht er sich unter Anderem anheischig, alle Verstümmelten und alle Hinterbliebenen Gefallener aus der Gemeinde auf Gemeindekosten zu unterstützen, resp, lebenslänglich zu erhal­ten, dafern nicht der Staat selbst diese Verpflichtung über­nähme. Ferner erbietet er sich, für den Fall, daß im Volkâ- lager Mangel an Lebensmitteln einträte, alles irgend Entbehr­liche herzugeben. Unzweifelhaft werden alle Gemeinden der Pfalz diesem edlen Beispiele folgen.

Gestern Abend empfing die provisorische Regierung eine Deputation aus dem Elsaß, welche der Rheinpfalz die Sym­pathien des französischen Volkes aussprach, und für den Fall deS Bedürfnisses die kräftigste Unterstützung anbot. Wie wenig dabei an altfranzösische Eroberungsgelüste zu denken, beweist am besten die Adresse, welche die Deputation im Namen und Auftrage einer großen Anzahl Gemeinden auö dem oberen Elsaß'überbrachte. ES heißt darin:Rheinpfälzer! Die wahre demokratische Republik, die man setzt in unserem Lande aus­zubilden strebt, hat an die Stelle der Eroberung die Verbrü­derung gesetzt; sie will nur noch einen friedlichen Bund gleich- berechtigter Völker." Und ferner:Heute und dies ist die Hauptsache bildet daS gesammte linke Rheinufer, un­beschadet seiner gegenwärtigen staatlichen Eintheilung, die dritte und letzte VertheidigungSlinie deS freien Europa gegen die asiatische Despotie. Braucht eS mehr, um unsere Sympathien für Euch zu erklären und zu rechtfertigen? Rheinpfälzer! Wir glauben nicht, daß schon in den ersten Tagen die Fürsten­armeen Euer schönes Land überfluthen werden..... Sollte aber wider Vermuthen sich dennoch die gewaffnete Reaktion an Euch wagen: dann ruft uns, daS französische, das elsässische Volk, nicht die gegenwärtige Re­gierung in Paris, die nur die Freiheit anderer Nationen zu unterdrücken weiß; ruft uns, und Ihr werdet an unS daS finden, was wir sind Euere Brüder!" Die Fürsten mögen bedenken, daß daö pfälzische Volk dieses Anerbieten zu würdigen weiß.

Oesterreich. Der junge Tamerlan in Wien redet seine Soldaten zuweilen sogar an mit:

meine Freunde! meine Brüder!

DaS junge Tyrannenblut ist überhaupt gränzenlos liebens­würdig, und dennoch wollen diese verfluchten Rebellen in Un­garn durchaus keine Einsicht haben!

Im Augenblicke befindet er sich in Warschau bei dem Ober- knäS Nikolaus, um einige Unterrichtsstunden in kaiserlicher Anmuth und maskirter Bestialität zu nehmen.

An seine Völker schreibt der kaiserliche Knabe:Haltet die Russen nicht für eure Feinde, der Kaiser von Rußland ist mein Freund!" Pueri puerilia tractant. (Knaben trei­ben Knabenstreiche.)

Eine nette Logik! Die Völker werden daraus daS Gegen­theil folgern.

Sieben, sage Sieben ungarische Husaren ungefähr sind nach den neuesten Ereignissen zu den Oesterreichern übergegan­gen, worüber unendlicher Triumph unter den Meldens und Konsorten.