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Augenblick der Entscheidung ist gekommen. Wir dürfen nicht länger zögern, soll nicht auch den bisher unverwüstet geblieben nen Theilen Deutschlands das LooS von Wien und Dresden zu Theil werden. Wir dürfen die letzten Vorkämpfer der Frei­heit im Schooße der Nationalversammlung dem Grimme unserer gemeinsamen Feinde nicht Preis geben. Wir müssen ihnen Hülfe senden, so weit unsere Kräfte reichen. Das Volk Ba­dens hat sich erhoben; die Soldaten sind aufgestanden, um Deutschlands Freiheit, Einheit und Größe zu erkämpfen. In wenigen Tagen schon kann der Kampf beginnen. Unser gemein­samer Schlachtruf wird sein: Tod den verbündeten Ty­rannen! ES lebe ein großes, ein einiges, ein freies Deutschland! Karlsruhe, 19. Mai 1849. Der Landesausschuß von Baden. (Folgen die Namen.) Die Vollziehungsbehörde: Brentano. Peter. Goegg. Eichfeld. Die Reichstagsabgeordneten: Raveaux. Trützschler. Erbe.

An Deutschlands Krieger.

Der blutdürstige, verrâtherische Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, welcher sich in den Märztagen 1848 vor den Leichen der von ihm gemordeten Bürger beugte, nachdem er vom Volke besiegt worden war, erhebt sein Haupt jetzt wieder stolzer, als jemals. Der Freiheit Deutschlands hat er den Krieg auf Tod und Leben erklärt; die Reichsverfassung hat er mit Füßen getreten. Schon büßten die Sachsen schwer für ihre Verfassungstreue, auch Rheinpreußen und das südliche Deutschland sollen durch preußische Waffen niedergehalten wer- den. Derselbe König, welcher seinem Volke auf die blutigste Weise wiederholt die Treue gebrochen, verlangt von seinen Soldaten Treue und blinden Gehorsam.

Soldaten, deutsche Brüder! die Zeiten des blinden Ge­horsam- gegenüber einem blutdürstigen Tyrannen sind vorüber. Bürger und Soldaten sind zum Bewußtsein ihrer ewigen und unveräußerlichen Rechte gelangt. Das badische Heer hat dem gesammten Soldatenstande Europa's ein großartiges Beispiel gegeben. Es hat einmüthig erklärt, das Blut seiner Väter und Brüder nicht vergießen zu wollen, sich nicht gebrauchen zu lassen zum Schergen der Tyrannei. DaS badische Heer hat aus seinen Reihen diejenigen Führer entfernt, welche die Rechte deS Volkes mit dem Schwerte in der Hand bekämpften, und au deren Stelle Offiziere erwählt, welche bereit sind, Volk und Soldatenstand zu einem großen Bunde der Freiheit zu vereinigen.

Soldaten, deutsche Brüder! folget dem hochherzigen Bei­spiele des badischen HeereS. Höret auf, das Volk, dem ihr mit den heiligsten Banden der Natur angehört, zu bekämpfen; duldet nicht in eurer Mitte die Feinde des Volkes, welche auch die eurigen sind! Höret nicht auf die Stimme eines blutdürstigen und verrätherischen Königs, höret auf die Stimme des Volkes: zerbrecht euer Joch und mit diesem zugleich die Ketten des deutschen Vaterlandes!

Karlsruhe, den 21. Mai 1849.

Der Landesausschuß:

Bannwarth, Corde!, Damm, Degen, Fickler, Hap- pel, Hennecka, Hoff, Junghanns, Kiefer, Reh­mann, Richter, Ritter, Rotteck, Stay, Steinmetz, Struve, Thiebauth, Torrent, Werner, Wern- wag, Ziegler.

Die Vostgichnngsbehörde:

Brentano, Peter, Goegg, Eichfeld.

NationalversamuUung in Frankfurt.

In der Sitzung vom 20. Mai traten vhngefähr 90 Va­terlandsretter auS, an ihrer Spitze der Edelbube.

Sofort, Volk, schick' andere Männer an die Stelle der Pflichtvergessenen. Schmach und Schande auf die Häupter der Entlaufenen.

Sylvester Jordan ist ebenfalls ausgetreten. Trauri­ges Verhängniß, so richtest du zu Grunde, die die Lieblinge des Volkes waren;

„Ein volles reiches Leben

„Hast du geraubt, und Schmach gesä't und Schmerz!"

Der vierte hessische Wahlbezirk ist dadurch ohne Vertreter; er schreite sofort zur neuen Wahl. — Der vierte Wahlbezirk besteht aus den Aemtern Wolfhagen, Naumburg, Volkmarsen, Zierenberg, Grebenstein, Fritzlar, Gudensberg und JeSberg.

In der Sitzung vom 24. Mai wurde bei 155 Anwesenden der Beschluß gefaßt, daß 100 Mitglieder beschlußfähig sein können. Um diese und ähnliche Beschlüsse durch geringe Zahl zu verhindern, liefen öfters elende Menschen hinweg, darunter auch die Kurhessen C n y r i m und Jacoby.

Ueber unsere kurhessischen Deputaten heißt eS in der Kölnischen Zeitung:

„Als Hr. Henkel auf der Tribüne erscheint (der einen „ meilenlangen Antrag gestellt), wird daS Haus immer leerer, „selbst die Gallerten halten nicht Stand. Man wird unwill- „kürlich an das Licht erinnert, das in den letzten Zügen „ flackert."

und in der Hanauer Zeitung:

„ Cnyrim und Werthmüller, Männer ohne allen Halt, „aller politischen Einsicht baar, zeigten die Ritter von der „traurigen Gestalt, die vor Angst in die Erde sinken möchten. „Referent hat sein Perspektiv nur einige Male auf diese von „ Furcht angefressenen Gesichter richten können; sein Wider- „willen war zu groß. Nun dieser Bernhardi, eine hohle „zitternde Form, — und jener Jacoby, dessen Abstimmun- „ gen in den letzten Tagen wieder nach links gingen : — wer „hat diese Männer vorgeschlagen? — DaS war der alte „Henke!*). Nun wahrlich, der Mann ist zu alt geworden, „ er ist veraltet. — Aber was thun solche Männer in der „Paulskirche? Warum sind sie nicht zu Hause hinter dem „sichern Ofen, warum sind ihre Plätze nicht wirklich mit Män- „ nern besetzt. Und Sylvester Jordan, der ausgetreten, „wie kann der Mann es über sich bringen, die Geldsummen „in der Tasche zu behalten, die daS Volk ihm dargebracht, „daS er verrathen? — Brennen sie nicht wie glü- „hende Kohlen?**) Referent würde tief beschämt den „ Männern das Geld zurückgeben, die es zugesendet." ***)

*) Und noch einige Kite mit ihm. Die Red.

Es ist Papiergeld. Die Red.

***) Referent, mag sein! — aber Jordan wahrhaftig nicht.

Die Red

Hr. Henkel gibt sich in der Kurhesssschen Volkszeitung noch Mühe, auseinanderzusetzen, was die Könige gegen die Reichsverfassung cinzuwen- den haben. Das weiß ein Jeder, cs ist viel mehr, als Hr. Henkel glaubt. Aber was haben die Völker gegen die Könige einzuwenden? Viel mehr, als Hr. Henkel; und danach ist zu bemessen, was die Völker gegen Hrn. Henkel einzuwenden hätten, wenn sie sich überhaupt mit ihm beschäftigten.

Bürger Hahndorf hält die Flucht des Großherzogs von Baden rc. für das größte Unglück Deutschlands. Wir halten es für das größte Un: glück, daß nicht alle bestehenden Regierungen bereits auf diese einfache Weise verschwunden sind.

Bürger Hahndorf hält den Aufstand in der Pfalz für gesetzmäßig, weil das Volk auf dem Standpunkt der Nothwehr stand gegen eine Regie­rung , welche die Reichsverfassung nicht anerkannt. Ebenso gesetzmäßig handeln die Badenser gegen eine Regierung, welche keine Energie^ ent­wickelte , um die anerkannte Reichsverfassung zu retten. Gesetzmäßigkeit läßt sich überall ebenso gut leugnen wie beweisen, je nach Lust und Laune. —

Aber wie nun, wenn beide Bewegungen eitel Revolution wären.

(Beilage.)