Einzelbild herunterladen
 

341

Zum Schutz des Eigenthums, das noch nicht angegriffen ist, und zur Sicherheit der Personen eines Duodezhöfchens, denen noch kein Haar gekrümmt ist, lassen uns die wilden Kasselaner, diese Eisenfresser, die allen preußischen Einmärschen Tod und Verderben geschworen haben, lassen uns diese Helden der Zukunft 40 Mann Huzarak und 60 Mann Jäger auf den Leib schicken.

Man vermuthet allgemein, die Kurhessen wollten erproben, ob wir eben so tapfer sein würden, wie sie's sein wollen. Aber 100 Mann zwingen ganz Waldeck und 1000 Mann ganz Kurhesseu und 10,000 ganz Deutschland. Es ist zwar richtig, daß die kurhessischen Soldaten keine preußischen sind, aber es giebt Augenblicke im menschlichen Leben, wo ein Soldat nur Bajonet und Säbel ist, und wenn auch Waldeck an Kurheffen gränzt, so meinen doch die Huzaraks, sie wären in der Fremde, und so schön beide Ländlein unter den Lappen der halbseligen Reichsverfassung ein Herz und eine Seele bilden, so meint doch der Huzarak, es wäre Feindes Land.

In der Theorie des Soldaten in Kurhessen soll die Geo­graphie noch nicht weiter sein, als daß der Soldat auswendig lernt, wo seine Ossiziere, namentlich wo sein erhabener Generalissimus wohnt; Vorträge über Politik beschränken sich genauen Nachrichten zufolge daraus, daß die Monarchie das Eldorado der Menschen und ein Kurfürstenthum ein Eldorado des Eldorados ist, und daß es verschiedene Stände in diesem Eldorado giebt, und daß der Soldatenstand der beste und wich­tigste ist.

Von der Reichsverfassung u. dgl. konnten die Huzaraks keine Begriffe mit nach uns bringen, nicht einmal einen Eid darauf.

Folglich? Die Kasselaner müssen sich schämen, uns solche Lehrmeister geschickt zu haben, Lehrmeister, die einfach Reichs- feinde zu nennen sind, so lange sie nicht auf die Verfassung beeidigt sind.

Die Kurhessen müssen sich schämen, daß sie zugeben, wie die freie Selbstbestimmung eines Nachbarlandes von ihrer Re­gierung gehindert wird, während sie selbst für diese ihre Selbstständigung volle Berücksichtigung in Anspruch nehmen.

Doppelt werden sie sich schämen, durch ihre Truppen, nicht durch die 100 Mann , sondern durch das Versprechen von 1000 und mehr, durch diese Truppen die Bewegung in unserm Land für die Reichsverfassung und für die Freiheit unterdrückt zu haben.

Die Dinge stehn hier so.

Am 16. Mai stellten die Bewohner von Eorbach und vielen Ortschaften solgende 4 Forderungen an die Regierung:

1) Die Fürstin soll schleunig in ihr Land zurückkehren *).

2) Die Regierung soll sofort den Grundsatz der VolkS- souveränetät auösprechen.

3) Unverzügliche Beeidigung der Beamten und des Mi­litärs auf die Reichsverfassung.

4) Gediente Soldaten sollen zur Einübung der Volks- wehr hergegeben werden.

Darauf antwortete die Regierung am 18. Mai:

Nr. 1 sei schon am 10. Mai erfüllt

2. die Regierung habe die Reichsverfassung unbedingt anerkannt, aber die Landesverfassung müsse auf dem Wege der Vereinbarung geschehen (allerliebst!)

3. Beeidigung des Militärs soll vorgenommen werden, r sollt wenn wenn erst u. dgl.

Diesen Antworten, dem Grundsätze der Vereinbarung, sollen 100 Mann Kurhessen Nachdruck geben, da das hiesige Militär

Also ex-gekniffen! Die Red.

in ^ Stille geschehen sein. Die guten Unterthanen wichten kein Wort davon. Red^.

ausmarschirt. Also dazu habt ihr euere Soldaten, Kurhessen! Möge euch dieses Verhältniß nicht selber so bitter bekommen, als es daS Aussehen hat.

Korbach, am 20. Mai 1849.

L. P. C. Frankfurt, 19. Mai 1849. Der Belage­rungszustand mit seinen lieblichen Folgen scheint zu nahen, wenigstens darf man dieses aus den Handlungen gewisser Leute schließen. Gestern wurde an der Paulskirche ein Plakat an die kurhessischen Soldaten angeschlagen. Einige Zeit darauf drängte sich ein Mann in großherz. Hess. Lieutenants - Uniform heran, und riß dasselbe mit Zornesgeberde herab. Es war der fetzige Ministerialrath Rauschenplat.

Das neue Ministerium sucht Unterstaatssekretäre. Es richtet sich einstweilen ein,, und erscheint deshalb auch in der Sitzung nicht.

Ungeheuere Sensation (oh!) machte das Schreiben Bas­sermanns in der Ober-Post-AmtS-Zeitung, worin er seinen Austritt aus der Nationalversammlung anzeigt. Dieser schmach­volle Ueberlauf eines Reichskommissärö, welcher nach Berlin geschickt wurde, um die Annahme der hiesigen Verfassung zu erwirken, in das Lager der oktroyirten Verfassung, öffnet auch den letzten Vertrauenspolitikern die Augen über Gagern und und seine Freunde. Dieser soll seine Mobilien allgemach ver­silbern und sich ebenfalls zum Abzüge rüsten. Tiefer ist vielleicht noch keiner gefallen, als dieser Mensch, dem eine Zeit lang die Geschicke Deutschlands in der Hand lagen, der aber in kolossaler Selbstüberschätzung und gänzlicher Unfähigkeit Alles zu Grunde gehen ließ, und nun rathlos und verlassen, des Scheines seiner erkünstelten Größe entkleidet ist. Und seine Freunde! Bassermann, Mathy, Schmerling, Peucker, Welker, Buhl, Wernher von Nierstein eine solche Umgebung kann einen Propheten zu Grunde richten.

Der preußische Gesandte, Oberst Fischer, dringt sehr auf Auflösung der Nationalversammlung von Seiten des Erz­herzogs , der sich entschieden weigern soll. Die oktroyirte Reichsverfassung von Berlin stößt trotz aller Versicherungen von Bassermann und anderen offiziellen Lügnern auf große Hindernisse. Baiern will seine Stellung als europäische Großmacht behalten, Gesandte ernennen und sich kein einheit­liches Oberhaupt gefallen lassen, während Preußen von Sachsen und Hannover als Reichsstatthalter an die Spitze gestellt werden soll.

Ein yfiifletn an der Werra.

In Eschwege an der SBerra spielt ein ultramontanes Pfäfflein, Na- mens Licbcrlrnecht, die Hauptrolle im dortigen Volksverein. Wie jedes Nest im ganzen Lande nur sich selbst sieht und hört, wie jedes Dorf seinen Schulzen zum Landtag schicken will, wie die Krahwinkler aller Orten kei­nen Begriff davon haben, was eine allgemeine Wahlagitation und eine Verständigung unter den mitwählenden Städten heißt, so geyt'è denn auch in unserm Eschwege. Der große -Pastor Lieberknecht Hat's gesagt, daß ein Mann aus Eschwege in den Landtag müßte. Der große Lieberknecht hat gesagt, daß dieser Mann kein anderer sein konnte, wie der große Lieber­knecht selber. Der große Apostel an der Werra hat Recht, er muß Recht haben, er hat sich dem Studium der Menschen gänzlich hingegeben, er kennt die Welt, er spricht über Alles, vom Vsop der an der Wand wächst und von der Ceder aus dem Libanon, und über die Reichsverfassung, die ihm durchaus zu freisinnig ist und abgeändert werden muß, obgleich er für seine Ansichten nicht von heute bis morgen garantiren will. Pfäfflein! Pfäfflein! du gehst einen hoffärtigen Gang, sieh zu, daß du nicht zu Schanden wirst!

Aus Privatbriefen aus Schleswig-Holstein entnehmen wir die Klage kurhessischer Soldaten über harte Behandlung von Seiten einiger Offiziere. So wurden die bei einem nächtlichen Allarm etwas später Erwachten von einem hohen Offizier mit Ohrfeigen und Säbelhieben empfangen. Ein Soldat, der bei einem angestrengten Marsche der großen Hitze unterlag und zusammensank, wurde von einem jungen Offizier mit dritten ui Püffen regalirl, weil er betrunken oder starrsinnig sei. Denselben Abend noch ver­schied der Arme in Apenrade. Unsere Soldaten glauben, daß die Ofn-