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gen sich nur für die geliebte Ruhe und Ordnung, für ihr lie­bes tägliches Brod.

Aber woher soll das Geld kommen für dieses tägliche Brod, meine Herren in der Residenz, wenn plötzlich das ganze Kurfürstenthum Hessen blos auS der ehemaligen Provinz Nie­derhessen besteht und alle die Titel eines Großherzogs von Fulda und Grafen von Hanau nicht mehr sagen, als der des Kaisers von Oesterreich, der sich König von Jerusalem nennt? Meinen Sie vielleicht, die Nahrungsquellen der Residenz näh­men durch einen solchen kritischen Fall nicht einen elenden Untergang? Woher bezieht denn das Heer der Staatsdiener seine reichen Gehalte? woher beziehen Se. Kön. Hoheit der Allergnädigste Dero Emvlumenta, wovon sie dahier zehren? wovon existirt denn die starke Garnison Kassels?

Wenn die Steuern aus Marburg, Hanau und Fulda aus- bleiben, so möchten auch sofort diverse Erwerbsquellen iu Kassel auâbleiben. Und die Heldenphrase von Stehn und Fallen mit zwei Ministern hilft in dieser höchst Übeln Lage Nichts.

Wie diese sehr betrübende Lage entstehen kann, davon in der folgenden Nummer. G. Kellner.

Das Proletariat und die gegenwärtige Bewegung.

Das Proletariat ist die kämpfende Masse. Ohne dasselbe ist keine Revolution möglich, als allenfalls eine Revolution auf dem Parketboden der Kammern. Das Proletariat hat dieses begriffen. ES weiß, daß es alle Siege erfochten, alle Civilisation mit seinen Fäusten erobert, die ganze neuere Weltgeschichte in die Praxis eingeführt hat.

Das Proletariat ist immer benutzt und ausgebeutet wor- den. Wie man seine Muskeln für das Kapital, seine Talente für den Wucher ausbeutete , so sind seine Fäuste auSgebeutet worden für die Pläne der politischen Agitatoren, der Feld­herrn, der Staatsmänner, der politischen Opposition.

Seitdem das Proletariat seine Lage erkannt, seitdem es sich gleich seinen Gegnern organisirt hat, ist'ö mit jenem Aus­beuten vorüber, die politische Opposition ist ihres Nachdruckes beraubt, alle politischen Bewegungen stocken mit den Worten: „Welche Stellung wird das Proletariat einnehmen?" Das Proletariat ist zu einer selbstbewußten, stolzen, gebietenden Macht herangewachsen, es fühlt, daß es nur eines Griffes bedarf, um die ganze Maschine des StaatslebenS ins Stocken zu bringen, es weiß, daß a u f i h m dss e Welt ruht.

„Welche Stellung wird daö Proletariat in der gegen­wärtigen Bewegung einnehmen?"

Die gegenwärtige Bewegung führt, wie wir früher gezeigt haben, mit Nothwendigkeit zum europäischen Absolutismus oder zur europäischen Republik. Wenn der Spießbürger noch einen Funken von Ehre in der Brust hat, wird er die Republik verlangen, d. h. diejenige Staatsvcrfassung, wo er nicht mehr den Schlägen und Tücken eines Monarchen ausge­setzt ist, wo er die Hand selbst an's Ruder legt und nicht jede Minute befürchten muß, von einem perfiden Steuermann an eine Felswand getrieben zu werden. Der europäische Ab­solutismus ist nur gedenkbar , wenn der Spießbürger Verrath auf Verrath häuft, wenn er fortfährt, jede Bewegung des Volkes zu eskamotiren, fortsährt, die Scenen in Wien, Ber­lin, die Scenen in Elberfeld zu erneuern, seine Ehre, seinen Stolz, seinen Uebermuth den absolutistischen Henkersknechten zu Füßen zu legen, das aufgestachelte Volk seinen Mördern zu überliefern. Der europäische Absolutismus ist nur gedenkbar, wenn die ganze europäische Bourgeoisie, aller Wucher, alles Kapital von gleicher Gemeinheit beseelt ist, wenn eS eine Verschwörung gegen seine eigne Ambition anzettelt, wenn eS

sich scharf und deutlich als die „vornehme Gemeinheit", die „nobele Verrätherei", die „reiche Ehrlosigkeit" von den übrigen Schichten des Volks absondert.

Mit dem Siege des Absolutismus ist die Trennung der Klassen entschieden! Der Verrath auf der einen Seite, das Proletariat auf der andern — — auf der einen Seite das blutige Gewissen, auf der andern die schwielige Faust — — das ist die Beigabe zum Absolutismus des neunzehnten Jahr­hunderts. Siegt der Absolutismus, so ist daS Kapital nicht blos als Wucher gebrandmarkt, sondern auch als Blutgeld für die verlorene Ehre , als Blutgeld für den Verrath am Volk, für die niedergemetzelten Patrioten an allen Orten Europas. Wenn der europäische Absolutismus zur Herrschaft gelangt, so ist der Klassenkampf, der Sieg des Proletariats entschieden, so kämpft der Proletarier nicht mehr gegen trotzige Männer, gegen die brutale Frechheit der Gewalt, sondern gegen feige Banditen, ehrlose Verräthcr, gegen das böse Gewissen.

Der europäische Absolutismus ist die Lösung der sozialen Frage, weil er eine bestimmte Formulirung, eine heiße, kochende, Rache fordernde Formulirung derselben ist.

Dem europäischen Absolutismus gegenüber wäre die euro­päische Republik möglich. Es wäre möglich, daß sich die europäische Bourgeoisie noch einmal ermannte, daß sie noch so viel Ehrgefühl besäße, sich selbst zur Herrschaft zu bringen, die Lüge der Monarchie, die Ehrlosigkeit, den wahnsinnigen Hochmuth der Monarchie zu stürzen. Wenn nicht Frankreich einen Strich durch den Plan macht, wenn nicht Italien diese Gestaltung hindert, — — die europäische Bourgeoisie würde es noch in der Hand haben, eine europäische Bourgeois­republik zu gründen.

Mit der europäischen Bourgeoiörepublik ist die Trennung der Klassen, die Trennung der Kapitalisten und der Arbeiter ebenfalls entschieden. Der Wucher, der Betrug, das Kapital, — — das würden die Faktoren sein, welche am Staatsruder arbeiteten, die ganze Gesellschaft würde zu Gunsten der Re­gierung ausgebeutet werden. Das europäische Kapital stellte sich dem Proletariat plan und einfach als seine einzige Herr­scherin dar, seine politische wie seine soziale.

Die europäische Republik ist ebenso wie der europäische Absolutismus die Lösung der sozialen Frage, weil die euro­päische Republik diese Frage ebenfalls formuliren, ihr einen Angriffspunkt geben würde. Der Angriffspunkt würde die dann bestehende Regierung sein.

Nach alledem ist die Stellung des Proletariats in der gegenwärtigen Bewegung eine klare, zweifellose. Das Pro­letariat wird lieber das Hereinbrechen des europäischen Abso­lutismus unterstützen, als zum zweiten Mal sich von der Bourgeoisie aus die Barrikaden treiben und sich niedermetzeln lassen. Es wird seine Kräfte für eine andere Zeit sparen.

Wenn aber die Bourgeoisie offen und ehrlich für die Re­publik in daS Feld zieht, den Absolutismus nicht durch Ver­rath, durch Feigheit und Niederträchtigkeit protegirt, so wird das Proletariat lieber die europäische Republik, als den europäischen Absolutismus fordern, es wird die Bourgeoisie in ihrem Kampfe unterstützen. Es wird für die Republik als für eine Ehrensache kämpfen, es wird gegen die Tyrannei der Fürsten als gegen einen Hohn auf die Menschenwürde das Schwert ziehn. ES wird nicht in seinem Interesse, sondern im Interesse der Menschheit sein Blut vergießen. DaS Pro­letariat wird begreifen, daß eS ehrlicher, hingebender, auf­opfernder ist, als die Bourgeoisie, daß eS neben seiner ma­teriellen Stellung auch seine sittliche, ideale Stellung im Auge behält. —

Der eigentliche Kampf des Proletariats beginnt aber erst, wenn eS sich um die rothe Republik handelt, wenn es dem Wucher, dem Kapital, der Bourgeoisie selbst gilt.

Vielleicht ist der Kampf näher, als man glaubt. Vielleicht