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Zweiter Jahrgang.
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Hornisse.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"
38. Kassel, Dienstag, den 15. Mai. 1849.
E- Gestern ist in einem Extrablatt der „Hornisse" (für die Abonnenten frei zu beziehen) ein Theil des stenographischen Berichts über die gehaltenen Sitzungen der versammelten Deputationen ausgegeben. Mit der nächsten Nummer erscheint die Fortsetzung desselben in gleicher Weise.
D. C. Frankfurt a. M., 12. Mai 1849. — Endlich hat die Nationalversammlung durch die Gefahr deö Vaterlandes sich bewegen lassen, einen Anlauf zu Entschlossenheit zu nehmen. Den vorgestern gemeldeten Beschlüssen hat sie heute folgenden wichtigen Beschluß beigefügt (mit 163 gegen 142 Stimmen):
1) Die gesammte bewaffnete Macht Deutschlands, einschließlich der Landwehr und der Bürgerwehr, ist zur Aufrechthaltung der endgültig beschlossenen Verfassung feierlich zu verpflichten;
2) die provisorische Centralgewalt wird aufgefordert, das demgemäß Erforderliche unverzüglich zu veranlassen, soweit in den einzelnen Staaten nicht sofort auS eigener Bewegung danach vorgeschritten wird.
Solche Beschlüsse, wie die vorgestrigen und die heutigen, muß freilich das Volk selbst in Ausführung bringen, da weder der in die Fürstenverschwörung eingeweihte Reichsverweser, noch das vorgestern abgetretene, jedoch zum allgemeinen Kinderspott immer noch figurirende Neichöministerium Gagern sich dazu verstehen. Nichts kann aber der Revolution günstiger sein, als der zwischen der Nationalversammlung und ihrem erzherzoglichen SchooSkinde auSgebrochene Zwiespalt. Die Nationalversammlung wird dadurch doch endlich dazu genöthigt, sich an die Spitze der Revolution zu stellen und ihre Beschlüsse durch einen Voll- ziehungSauSschuß ausführen zu lassen. Daö steht denn auch, wenn wir nicht irren, nächster Tage bevor. Inzwischen ergreift die Contrerevolution durch das ReichSministerium Gagern kräftige Gegenmittel. Frankfurt und dessen ganze Umgebung sind mit Militär überfüllt, zumeist österreichischem und preußischem. Siehst du den offenkundigen Verrath, deutsches Volk? Ferner hat der Reichökriegsminister Ordre gegeben (wie in heutiger Sitzung von"Gagern förmlich bekannt gemacht worden ist), alle Hieb-, Stich- und Schußwaffen, welche in Frankfurt und dessen Umgebung von Nicht-Militärs außer ihrer Behausung getragen werden, in Beschlag zu nehmen. Dasselbe soll mit allen rothen Abzeichen geschehen, welche dem Reichsministerium nicht minder wie gewissen Thieren äußerst verhaßt sind. Die Nationalversammlung fand einen dagegen gerichteten Antrag nicht dringlich. —
Die Reihen der Rechten lichten sich immer mehr. Ihren österreichischen und bayerischen Mitgliedern ist nun auch ein großer Theil der preußischen gefolgt. Die Bänke der Rechten siud fast ohne Ausnahme leer oder höchstens von 1—2 Mann besetzt. Bald wird auch das rechte Centrum erhebliche Lücken aufzuweisen haben. Dies bietet uns nun freilich ein höchst willkommenes, in anderer Beziehung aber auch ein widriges Schauspiel. Durch ihr Erbkaiserthum haben diese Leute die jetzige Gefahr herbeigeführt, uud in den Stunden der Gefahr verlassen sie nunmehr den Posten der Gefahr. Die Nation wird euch richten!
Der heldenmüthige Kampf des sächsischen Volkes ist mit einer Niederlage anscheinend geendet. Nicht das eigene Militär, nicht die herbeigezogenen und sich zu Werkzeugen der Tyrannei willig brauchen lassenden preußischen Regimenter, nur und allein das schwere Geschütz, dem man nicht gleiche Waffe entgegensetzen konnte, hat nach sechsmal 24 stündigem furchtbar blutigem Kampfe die Heldensöhne SachsenS zum Weichen gebracht. Ein Mitglied der provisorischen Regierung, der edle Heubner, und so mancher andere Vorkämpfer der Demokratie ist in die Hände des FeindeS gefallen. Aber dieser blutige Sieg ist kein Sieg der Tyrannei, er wird ihr blutigere Palmen bringen.
®*e Erhebung in der Pfalz macht vortreffliche Fortschritte. Der Brückenkopf, welcher Mannheim gegenüber von bayerischen Truppen besetzt war, ist von der Wormser Bürgerwehr, den Kommandanten Benkler an der Spitze, im Sturm genommen worden. Die dort pvstirtea 88, sowie noch 400 andere bayerische Soldaten sind zu den Pfälzern übergegangen.