Beilage zu Nummer 57 der „Hornisse".
Der Erlaß des Ministeriums des Innern
vom 8. Mai 184 9
an sämmtliche Bezirksdirektoren!
Die Negierung erklärt sich in diesem Erlaß im Einver- ständniß mit den auS allen Landestheilen eingetroffenen Anträgen und Gesuchen um Durchführung der Reichsverfassung. Sie nimmt an, daß alle Regierungen der 29 Staaten, welche sich für die Reichsverfassung erklärt haben, ebenso wie sie bei der unumwundenen Anerkennung der Verfassung beharren werden. Wenn man unter den Regierungen die Minister verstehen will, so sei das zugegeben. Aber die Herren Fürsten, die noch im Hintergrund stehen, die, wie z. B. der Kurfürst von Hessen, bei der Publikation der Rei'chSgesetze gar nicht gefragt worden sind?
Die Regierung kann sich unmöglich ihre schwierige Lage verhehlen ; sie sollte es nicht versuchen, der Menge den Stand- punkt der Dinge verschleiern zu wollen. Es gelingt nicht mehr! Unsere Feinde sind die Fürsten und diese stehen alle in ein- und derselben Verschwörung, das weiß jedes Kind. Die Regierung ist bereits mitten in der Lage, der Ständekammer zu behülfen , denn die Reichsverfassung, d. h. die VolkShoheit, bedarf nicht blos dieser neuen Stütze, sondern noch ganz anderer.
Sie bedarf vor allen Dingen der größten Entschiedenheit aller der 29 Negierungen, also auch der hessischen. Daß der provisorischen Centralgewalt daS knrhessische Heer zur Verfügung steht, ist freilich genügend bekannt, aber ebenso be- sannt ist auch, daß die NeichSverfassung und daS Parlament, und die provisorische Centralgewalt, zwei ganz verschiedene Dinge sind, eS ist bekannt, daß der Reichüverweser im Bünd- uiß der gegen die Reichsverfassung ausgetretenen Fürsten steht.
Darum muß die Eidesleistung des HeereS sofort statt finden, namentlich, da Se. Königl. Hoheit noch immer den Generalissimus desselben zu spielen geruhen. Die Regierung muß alle 29 Staaten zu denselben Schritten einladen , sie hat auf der Stelle jede Verbindung mit Preußen aufzugeben.
DaS muß sie so sicher thun, wie sie sonst verloren ist, entweder durch daS Volk, oder durch das preußische Heer.
Außerdem hüte sich daö Ministerium, irgendwo einen Halt in die Bewegung bringen, irgendwo Wasser in die lodernden Flammen gießen zu wollen. DaS Vaterland ist in Gefahr, diese unnöthig abgenutzten Worte sind jetzt keine Phrase mehr. Leben und Freiheit stehn auf dem Spiele, und daS Ministerium wünscht, daß man sich nicht bewaffne? die Waffenberechtigung ruhe allein beim Heer und bei der Bürgerwehr. Und unser Leben? Und die Nothwehr?
Warum hat daS Ministerium nicht bei Zeiten allgemeine Volksbewaffnung eingeführt, warum ist es sogar derselben hemmend in den Weg getreten? Wo blieben die ver- iprochenen Gewehre für Bewaffnung des Landes? Hatte nicht
Stâudekammer 100^000 Thlr. dafür verwilligt?
Nein, beim Himmel sei'S geschworen, keine Macht, keine Gewalt der Erde kann unS abhalten, unS zur Vertheidigung unseres Lebens und unserer Freiheit zu rüsten, wie wir können zu rüsten in eigner Kraft, da uns daS Ministerium nicht mit seiner Kraft zu schützen vermag, da wir es im Gegentheil selbst nach allen Richtungen hin schützen müssen.
ES ist Alles einig im Lands, und Alles rüstet sich, die Freiheit theuer und blutig zu verkaufen.
Aber Angesichts des preußischen VerrathS, Angesichts deS mörderischen Blutbads, Angesichts der Zerstörung einer deut
schen Schwesterstadt, Angesichts der gesetzschänderischen fürstlichen Gewaltthaten rede man nicht von Frieden, sondern vom Kriege, rede man nicht von Gesetzmäßigkeit, sondern von wilder, stürmischer Vertheidigung.
Das Gesetz ist zerbrochen! Nicht beim Volk ist der Frevel!
Mit Gesetzmäßigkeit wird kein gebrochenes Recht wieder hergcstcllt. Nicht daS Rechtsbewußtsein allein wollen wir behalten, sondern das Recht selbst, oder — untergehn.
Will daö Ministerium allein, oder mit dem Volke untergehn? Das allein ist hier die Frage?
Die freien deutschen Bürger Philadelphias an ihre Brüder in Deutschland.
Geliebte Brüder!
Mit gespannter Erwartung sehen wir jedem Schiffe entgegen , welches uns Nachrichten aus dem lieben deutschen Vater- lande bringen soll, und leben in der süßesten Hoffnung, daß Deutschland ein einiges, großes, herrliches Vaterland werde. Täglich steigen unsere Wünsche zum Himmel, daß Einigkeit unsere Brüder beseelen möge, und daß Jeder dahin strebe, eine Republik zu gründen, in welcher daS Volk wirklich frei und glücklich sein kann.
Waö wäre unser gesegnetes Amerika ohne Republik? ohne die vollkommene Freiheit, die wir genießen? Würde es dahin gekommen sein, das reichste, kräftigste Land der Erde zu sein? würden die Bürger dieses Landes so freudig Alles für dasselbe opfern? Nein, gewiß nicht; allein da sie wissen, daß jeder Einzelne Antheil an dem Ganzen hat, daß jeder Einzelne regieren hilft und die Angelegenheit seines Vaterlandes besprechen kann und soll, wird eS ihm erst recht werth, und er arbeitet mit Liebe für dessen Wohl.
So wäre es in Deutschland, in unserm lieben Vaterlande, das unS noch immer so nahe am Herzen liegt, und auf daö wir mit hohem Stolze blicken würden, wenn es sich seiner schmählichen Fesseln entledigte und eine Stelle unter den Nationen einnähme, welche ihm schon längst gebührt.
O, wenn Ihr wüßtet, wie glücklich der Mensch ist, der in der Freiheit lebt, es wäre Euch kein Opfer zu groß, eS dem Vaterlande zu bringen. Ueber jede Kleinlichkeit solltet Ihr Euch hinwegsetzen und nur nach dem großen Ziele streben, Eure bisherigen Unterdrücker abzusetzen, denn sie sind eine Schmach unserer Zeit; ungesäumt ehrliche, brave Männer wähle», die sich über Eure Angelegenheiten rasch besprechen und sie ordnen; jederzeit der Mehrheit nachgeben, wenn dieselbe in dem vorgesteckten Ziele, „daß die Masse des Volks durch seine Repräsentanten regieren soll", handelt; so werdet Ihr bald Licht bekommen und nie wieder in die Fesseln zurück- kehren, und der freie Mann wird dem Freien brüderlich die Hand drücken und glücklich sein.
Nehmet ein Beispiel an den vereinigten Staaten von Nord- Amerika, sehet, wie daS unermeßlich große Land, bad von so verschiedenen Rationen bewohnt wird, so leicht und mit so wenig Unkosten durch unS selbst regiert wird; sehet unsern Präsidenten, welcher der Diener deS Volkes ist, wie eS sein Bestreben sein muß, mit seinem Kabinet dahin zu arbeiten, daß daS Glück und Wohl deö Landes befördert wird, und wenn er treulich seine Psiicht erfüllt, und daö wachend? Volk feine Handlungen durchschaut hat, so wird es ihn nach seiner vierjährigen Dienstzeit auf einen neuen Termin erwählen, und er kehrt mit dem Dank deS Volks ruhig an feine frühere Beschäftigung. Blickt nach unserm Senat und dem Hause der Repräsentanten, wie jedes Mitglied sich eifrigst bemüht, die be-