ristisch bindenden Promulgation, zur Beeidigung der Volks- und Kriegswehr darauf — auf den Weg drängen, zu welchem jetzt die Erhebung des Volkes nöthigen muß. Diese Kurzsichtigen ! Nach ihrer Idee macht sich die Weltgeschichte nach kaufmännischer Berechnung. Revolution, ein Sturm mit Donner und Blitz, ist ein Ding, vor dem sie dergestalt zurückbeben, daß sie ihr keinen Platz in ihrer trockenen juristischen Strazza zu öffnen wagen.
Statt dessen begeiferten diese Hämmlinge mit ihrem wässerigen Speichel diejenigen Männer, welche laut und kühn die vollen Rechte des Volkes forderten, welche mehr wie einmal ihre warnende Stimme erhoben vor dem finstern Wetter, dessen dumpfer Donner schon von fernen Gebirgen herrollte.
Mit welchem Schmutz suchten sie alle diese Männer zu bewerfen, die ihr Herz, die ihr Gut und Blut dem Volke gewidmet haben. Man erinnere sich nur all' der Ausfälle auf Bayrhoffer, Winkelblech, Knobel und Theobald, sowohl in der Ständekammer selbst, wie außerhalb derselben in dem Organe der Sybelischen Oetkers, in der ziegenmilchhimmelblauen Neuhessischen Zeitung.
Alle Einzelnheiten verschwinden vor dem Tosen der heranziehenden Stürme. Nur der eine Eindruck wird unauslöschlich in jeder tapferen Seele sein, daß diese juristisch und historisch verknöcherten Seelen die ersten Feinde der Volkswohlfahrt und der Volkserhebung sind.
Wenn die Brandung um die Felsen tobt und daS lecke Staatsschiff auf dunkelm Meere von donnernden Wogen umhergeschleudert wird, wollt ihr an'ö Steuerruder diese machtlosen Gestalten, diese feigen Wesen stellen, diese Männer so behend im Retiriren, im Warten, im Zagen, Zaudern und im leeren herzlosen Plaudern.
Bürger von Kurhessen, bedenkt eS wohl! Der nächste Landtag wird vielleicht erwachsen inmitten der Stürme des Bürger- kriegS, der blutigen Revolution und Contrerevolution.
Gedenkt der Männer der Freiheit bei diesen Wahlen, der Männer, die ihr Leben dem Heil deS Volkes zu opfern bereit sind.
Hütet, hütet euch vor allen jenen zahmen Gesellen, vor allen jenen doktrinären hohlen Büchergestalten, vor diesen bleichen Männern der Angst und deö Schreckens, vor jenen gesin- hungSunfähigen, ewig haarspaltenden Stockjuristen. Hütet euch vor ihnen, und wahrt sie selbst vor dem gewaltig gähnenden Meere, daS sie in seinen dunkeln Abgrund hinabschlingen wird, wenn ihr sie hinauSstvßt rath- und thatloS in den wilden Strom der Revolution.
Bürger von Kurhessen! Wenn ihr unS solche Männer schicken werdet, so könnte eS sein, daß sie euch bald zurückgesendet würden, zu eurer eignen Schmach und ihnen selbst nicht zum Ruhme.
Ein Zurückschicken würde vielleicht noch daS beste LooS sein von denen, die in der Urne des unerbittlichen Schicksals für sie gemischt liegen! G. K.
Hofgeismar. — Eine Versammlung zur Vorberathung der Landta^Swahl für die Diemel-Städte Hofgeismar, Grebenstein ic., welche am 29. April hier am Brunnen gehalten wurde, faßte den Beschluß, den Rektor Wenderoth von Grebenstein (von dem Vorort der demokratischen Vereine vor- geschlagen) als Kandidaten aufzustellen. Es ist nun im Namen dieser Versammlung ein Plakat erschienen mit den Beschlüssen der Versammlung. Nach der Erklärung des Anschlusses an das Programm deö demokratischen VorortS in Kassel werden noch folgende besondere Punkte hervvrgehvben:
unbedingte Anerkennung der NeichSverfassung, vollkommene Durchführung deS Prinzips der VolkSsouveränetät, Errichtung einer Volköbank.
DaS Plakat schließt: Mitbürger! ES gilt jetzt, einen entschiedenen, mit den ewig siegenden Gründen der Vernunft für das wahre Wohl deS Volkes und für die hohen und erhabenen Grundsätze der Demokratie kämpfenden Mann in den Landtag zu schicken. Wir können keinen halben, ewig vermittelnden, ewig schwankenden Deputaten brauchen! Wir schlagen Euch deshalb den Rektor Wenderoth in Grebenstein vor! Wir erwarten, daß am Wahltage jeder freisinnige Wähler seine Pflicht thut.
Unterzeichnet ist daS Plakat von 32 Bürgern aus den Städten Hofgeismar, Volkmarsen, HelmarShausen, Grebenstein, Immenhausen, Trendelburg und Karlöhafen.
Rinteln. — Nein, ich kenne unser Völkchen nicht wieder. Denken Sie, wollten diese Wilden dem rc. Oetker, Ihrem Zeiselbär (unserem? — Gott bewahre unâ !) eine Katzenmusik bringen. Alles stand gerüstet, als man daö abiit, evadif, erupit (daS Durchbrennen) des modernen Antikatilina erfuhr. Aber die Wuth ist nun einmal da. Die Aristokraten waren zu frech, zu voreilig, zu verläumderisch. Der Michel ist er- wacht, und nun wirft er im ersten Halbtaumel sofort einige Fenster ein. O leichtfertige Aristokratie, warum ließest Du Deinen Feind nicht schlafen!
Kalifornien in Kurhessen. Am Eisenbahnbau, längs seiner ganzen Strecke, ist eine Goldgrube entdeckt worden für Leute, die'Kapital darauf verwenden können. Diese Goldgrube findet sich namentlich in leichtem Boden, der dem Unternehmer für Felsenvoden angesetzt ist und dafür bezahlt wird. Die Goldkörner machen es auch erklärlich, warum die Dämme so fidel hin und her rutschen.
Warum wird der St. Martinsplotz nicht in gehörigen Zustand gesetzt ? In der Fulda ist Sand genug! Polizei hilf! Könnte schon längst geschehn sein. X.
So erpicht, wie die Herren Geistlichen auf ihre seelenhirtlichen Funktionen sein mögen — wo kein Geld im Kasten klingt, da liegt ihnen das „Seelenheil" ihrer Heerde gerade nicht stark am Herzen. Beweis: Es stirbt ein armer Forstlaufer in Aue, wird sofort ohne Sang und Klang und ohne Seelenhirten weggebracht. Ei! ei! ihr frommen Und getreuen Knechte. Ein Armer kann also ohne euch selig werden.
In der neulichen Versammlung des Biirgervereinè zu Homberg hat Amtmann Müller dem dortigen Pietismus und den conservativen Ultras eine bedeutende Schlappe versetzt. Ist lieblich zu hören!
Es wird uns wiederholt versichert, daß Hr Schwarzenberg allerdings sich 4 Bürgermeistern gegenüber für die Annahme des Jagdgesetzes ausgesprochen und namentlich die Worte gebraucht hat: „Das ist wohl bekannt, wenn der Bauer auf die Jagd geht, so giebt das einen liederlichen Haushalt " Wir haben dies aus dem Munde von zwei der erwähnten Bürgermeister.
Anfrage an einen Menagemeisler.
Unsere 2te Husaren-Eskadron hat 108 Mann ; — per Mann werden täglich 12 Lth. rohes Fleisch geliefert, in Summa 40 Pfd. 16 Llh. — Hiervon erhalten 1 Wachtmeister , 3 Quartiermeister und 1 Fahnenschmied jeder 1 Pfd., macht 3 Pfd.; die übrigen 103 Mann jeder 2 Loth, macht 6 Pfd. 12 Lth. — Summa 11 Pfd. 12 Lth. — Ich frage nun den Herrn Menagcmeister, welch' Verdampfungssystem er anwendet, daß von 40 Pfd. 16 Lth. gerad 29 Pfd. 4 Lth. eingehn? Ich erinnere mich aus der Schule an eintn Papinianischen Topf, worin Alles zu XVurmmtljl gekocht wird. Sollte der Herr Menagemcister etwa aus Versehn einen solchen Topf in seiner Küche haben? Vin Zwei-Lölhigrr.
Diese Wrangels sind fabelhaft geschickte Nachtreter ihres Vorläufers Windischgrätz, selbst wie er sich räuspert und wie er spuckt, das haben sie ihm trefflich abgeguckt. — Sie verfertigen die lügenhaftesten Bulletins, und kleben am 8. in Berlin an, es seien nur zwei Mann Preußen gefallen (notorisch sind es schon II Offiziere!) — Aufregung in Berlin! Barrikaden und Belagerungszustand in Breslau!
(Beilage.)