Beilage zu Nummer 56 -er „Hornisse"
Wahlagitation in Rotenburg.
Rotenburger Beamte hatten sich (um etwas Schein za retten) mit einigen Bürgern in Verbindung gesetzt, ernannten sich ohne Umstände zu einem Wahlkomitè , und beriefen die Dorfbürgermeister den 6ten nach Rotenburg. Morgens 10 Uhr vertrauliche Sitzung. Der berühmte Freiheitsheld und VolkS- beglücker Manns führte den Vorsitz. Beamte schlagen Beamte vor; der süße, ewig lächelnde Thon von Malsfeld kann sich nicht überwinden, seine enormen Verdienste von dazumal mit grinzender Bescheidenheit in Erinnerung zu bringen, unter den anwesenden Landleuten hält er allein sich für geeignet. Thon tritt zu einer Berathung mit den Bürgermeistern zusammen, schlägt den Z u viellistenverwilliger MannS vor, will sich natürlich hören.
Zwei Uhr Nachmittags öffentliche Sitzung. Die Beamten reißen den Vorsitz ohne Wahl an sich. Ein wässeriges Protokoll mit nichtssagenden Floskeln wird verlesen. Laar vom demokratischen Verein zu Kassel bittet umS Wort. Er macht die Anwesenden auf die unendlichen Verdienste MannS' um'S Vaterland aufmerksam, und bittet sie, unS mit ihm zu verschonen, und schlägt den Direktor Gräfe auS Kassel und August Braun von Hersfeld vor; fernerhin: den Land- tagSabgeordneten die 3 Bedingungen zu stellen: „Für ein anderes Wahlgesetz, Civillistenbeschneidung, Verminderung deS Beamtenheeres und ihrer theils zu hohen Gehalte zu stimmen." Der liebe Herr Thon wollte die Bedingung vom Wahlgesetz nicht gelten lassen, weil er dann nicht gewählt werden kann, und diesen Schaden dem Vaterlande nicht zufügen will. Laar hebt die Wichtigkeit deS Wahlgesetzes hervor und bemerkt, daß die Minister deS gebrachten Opfers sich in der letzten Zeit nicht einmal würdig gezeigt hätten (Jagdgesetz). Der würdige Beam- tenpatriotiSmuS machte sich darauf sofort Luft im furchtbarsten Geheul: 'rauS! 'raus! Die beleidigte Bescheidenheit MannS'hat einen Anker gefunden. Er brüllt mit seinem Bedienten unter geheimnißvollen Sprüngen um die Wette, Baumeister Augener secundirt, die anderen Beamten machten den Chor, bis sie von einigen Bürgern zu Ruhe und Anstand gebracht wurden; ich lachte. — Die Städter und Landbürgermeister wurden darauf in 2 Haufen gestellt, und sollten nun über die Wahl abstimmen. Die Herren Beamten unterlagen. Ihr ausgezeichnetes Benehmen gegen die Redefreiheit wurde nur vom Obergerichtsdirektor Rommel angegriffen. Diese sogenannten Gebildeten müssen nur an ihrem Geldbeutel angegriffen werden, wenn ihr erfahren wollt, weß Geistes Kinder sie sind.
N.
Der Verein für Volks rechte, der sich auS 40 annern meistens von der Linken deS Bürgervereins (Jan- aus einigen der Rechten deS demokratisch-socialen . ’ Wallach rc.) combinirt hat, tritt in die Fußtapfen sei- ^ Bürgervereinâ. Ausschließungen, äußerste Gesetzmäßigkeit, Scheu ’ Tugenden, die ihn ziere« , diploma- Färbung schmückt das Ganze.
• Mai berief er eine Versammlung Der-
1 nigen, welche dw Relchsverfaffung unverkürzt anerkennen, vnd nannte diese Parte,-Versammlung nachträglich eine VolkSversamm- ft AA"?^te, daß das Volk in Kassel die Freiheiten, die ,n der ReichSverfassnng enthalten sind, schützen will, nicht aber die £ der Knechtschaft und des Verraths , die $$., die unseren Henker zu unserem erblichen Kaiser machen 'wollen. - Nun
schickt der Verein sogar eine Deputation an die Nationalversammlung. Wird dort nicht schulmeisterhaft genug geschwätzt ? Armer Verein, hast du kein Geld, keine Büchsen, keine Sensen?
Kein Pulver und kein Blei?
Sonst ist'S vorbei
Mit dem Heldenge schrei!
Anfrage.
WaS hält man eigentlich von einer Regierung oder nunmehr von einem Bezirksrath, unter dessen Obhut und Con- trole die städtischen Haushalte bis dahin gestellt waren, wenn man eS ruhig geschehen läßt, daß der Bürgermeister D. zu L. und seine höchst intelligente«, einsichtsvollen und gewissenhafte« Herren Stadträthe die Stadtkasse fortwährend betrügen und somit daS ihnen anvertraute städtische Vermögen mit der Zeit ganz und gar an sich ziehen? — WaS wird und soll, fragt Schreiber dieses, jeden wahrheitS- und rechtsliebenden Bürger auS der oben unter L. bezeichneten, nicht sehr weit von unserer lieben Residenz entfernten Stadt werden, wenn der neue BezirkSrath so schlecht controlirt, und einen bis zu 12 — 1500 Thlr. herangewachsenen Receß, der nur durch Betrügerei deS OrtSvorstandeS mit den Jahren so weit gediehen , mit einem so unverantwortlichen Stillschweigen übergeht? Wie geht eS eigentlich zu, daß man einen solchen OrtSvorstand, der daS materielle und geistige Wohl einer Gemeinde so schändlich mit Füßen tritt, dennoch am Ruder läßt, und somit dem völligen Ruin derselben Thor und Angel öffnet! Sollte diese Gewiffenöfrage wohl zu beantworten stehen?! N. N.
Warum wird noch immer geduldet, daß das auf Wach« stehende Militär, wenn eè auf Posten seine Nothdurft schleunigst verrichten muß, die Gelegenheit, augenblicklich abgelost zu werden, sich jedoch nicht darbietet, es hierbei aber von irgend einem Offizier betreten wird, — mit Arrest bestraft wird? Es dürfte denn endlich Zeit sein, daß auch diesem Unfug von Seiten hoher Staatsregierung gesteuert werde.
Ein Soldat.
(Eingesandt.) — Frau Hornisse! Wissen Sie denn kein Mittel, die dem zeitigen Obervorsteher rc. zu Kloster Haina von den für die HoSpitaliten geschlachtet werdenden Ochsen re. gratis als Besoldungstheil zu liefernden Ochsen- zungen rc. zu durchstechen? Die ganze Verwaltung deS HoS- pitals muß einer großen Kur unterworfen werden; denn waS wird den ersten 5 Beamten (Obervorsteher, 3 Rentmeister und 1 Sekretär) daselbst an Besoldung unter geringer Zurechnung der Emolumente bezahlt? Circa 4700 Thlr., und können dabei nicht über 5 Thlr. auf Rechnung deS HoSpitalS selbstständig verfügen. In der Stiftungsurkunde vom Jahr 1533 ist ganz gewiß auch nicht bestimmt, daß die Städter für jeden dahin gebrachten mittellosen Unglücklichen 45 Thlr. jährlich für die Verpflegung zahlen müssen, und auch solche hohe, und viele dem Zweck nicht ganz entsprechende Besoldungen bestehen sollen.
Ein Kurhesse.
Kassel, 10. Mai 1849. — Nachdem die hiesigen poli- tischen Vereine, der „Verein zur Wahrung der Volksrechte", der „ Gewerbe - Verein " und der „ Bürgerverein ", sowie der „Turnverein" schon seit einigen Tage« für den Schutz der