diener. „ Keine Majestät selbst Haden den Befehl gegeben!!!" Kriegsminister in Berlin und in Frankfurt scheint es nicht zu geben.
Seine Majestät haben auch bereits selbst befohlen, daß preußische Truppen in Hannover und in Dresden einrücken. Der Obecknäs des Czarcn schreitet zur Ausführung der erhaltenen Befehle.
„ Heil dem deutschen Kaiser ! "
Rinteln. — Hr. Oetker war in Rinteln. Aber nicht als Cäsar. Er kam , sah und siegte — nicht. Die Bürgerversammlung in Rinteln will keinen Advokaten mehr, wie Hrn. Oetker. Hr. Oetker fuhr unter den Jammerthränen der Aristokraten von dannen. Die Bürgerversammlung hat in einem Plakat den Doctor Westphal von Rinteln empfohlen, und aufgefordert, Hrn. Oetker nicht zu nehmen , da er mitgeholfen , die Staats- laften nicht zu erleichtern. Wer hätte Das gedacht von diesem „ illinkoh- lenhaltigen" Rinteln? Es ist eine förmliche politische Wuth über uns gekommen. Tod den Octkerinncrn und Zuviellistenmännern,
Die nationalen Vereine in Leipzig winseln und erklären sich ab von der Bewegung, weil sie Feinde der Gewalt seien. Und dabei wollen diese Menschen Revolution machen.
Der demokratisch-sociale Verein dahier ist dem Verein für Volksrechte zu revolutionär, der Verein für Volksrechte ist wieder dem Bürgerverein zu scharf, — und der Bürgerverein ist doch noch genug demokratisch, ganz revolutionär nach seinem eignen Gcständniß; man lese seine heulerischen Anschläge. Wenn die äußerste Rechte so ist, wie mag die äußerste Linke sein? —
Angesichts der Contrerevolulion des Schwertes machen die Unentschiedenen wieder 'mal auf dem Papier ihre Gegenrevolte. O es ist ein erhabener Heldenmuth. In solchem Augenblick dächte ich, sollten diese Helden den Kampfplatz verlassen urb ibn denen überlassen, die ihre Haut zu Markt tragen wollen. Oder glauben die Adreßhclden, es werde so schlimm nicht werden? Sie werden sehn! —
Zu F......r, einer katholischen Stadt, Die ein Kloster und ein Casino hat, Spielen — fürwahr es ist zu toll — Die Esel solche gewaltige Roll', Daß man nur den gebührend ehrt, Der es el gezogen spazieren fäbrt. Die Büreaucraten, die steifen Tröpfe, Lieben die Langohren und die Zöpfe; Direktor zu werden in ihrem Verein, Muß man Eseltreiber und Fuchsschwanz sein.
Ein, leider!! Uichleselbesitzec.
Der Husar K.... erhält auf Befehl des Hrn. Rittmeisters B...... bis auf Weiteres Kasernenarrest, wegen unanständiger Behandlung seines Kommisbrodeö. — Dieser Mann hat nämlich in Ermangelung eines Messers ein Stück Rinde von seinem Brode abgebrochen.
Leib - Husaren - Regiment, 2te Escadron.
2n München dieselben Straßenscandäler der Soldaten, wie hier. Die Offiziere klatschten den tapferen Soldaten, die alle Vorübergehenden on- rannten, Beifall und riefen Bravo! — Und doch noch kein Belagerungszustand ! —
Der preußische Ge, sandle in Kassel. — Ein Geselle aus Preußen wird zum zweiten Aufgebot nach Haus gerufen; er soll das Wandcrbuch nicht erhalten, weil er noch an arme Wäscherinnen u. s. w. 25 Thlr. schuldet. Der Hr. Gesandte von Gottes Gnaden lassen jedoch das Wanderbuch holen und händigen es dem Gesellen e n. Und die Polizei? Hat sie den Gesandten einer feindlichen Regierung wegen dieses Gewaltstreichs arretirt? Wir erwarten es?
Der Zuzug der preußischen Truppen ist am 6. Mai im Königreiche ^aâssen durch Aufbrechung der Eisenbahn erschwert worden. Auf einer bei ■ Stücke waren die Schienen durch Freischaaren ausgehoben und in bie Walder getragen worden. Auch die Eisenbahn nach Breslau ist zerstört. — rufvfctjen Truppen, welche nach Wien durch Schlesien cisenbahneilcn sollen, können ebenfalls nicht fort, weil die Direktion und sämmtliche Arbeiter der Bahn sich weigern , den Dienst bei solch einer Fahrgesellschaft zu versehn. — ^n Siebenbürgen sind die Russen bereits eingerückt, die Magyaren eilen ihnen unter Görgey und Dembinsky entgegen.
Wenn das Parlament in Frankfurt noch einige Schaam besäße, so befretirte es sofort den Abmarsch aller disponiblen Truppen gegen die preußischen Marodeure vor Dresden.
In Hannover waren am 6. Mai noch keine Preußen eingerückt. Die Landesdeputation bestand aus 300 Männern, die sämmtlich vom Flügelad
jutanten, dem englischen Unterthanen ihres Königs, abgespeist wurden. Die Stadt war dabei äußerst ruhig.
Ein russischer Heerhaufen steht zur Hülfe Preußens bereit, wenn es nicht allein mit dem Belagerungszustand und mit dem Bombardement aller deutschen Städte fertig werden sollte. Das Parlament in Frankfurt glaubt es nicht!
Welch' herrlicher Zufall! — Alle kleindeutschen Truppen sind in Schleswig - Holstein ; die preußischen Truppen sind daher unentbehrlich für alle Belagerungszustände in ganz Deutschland? Wann werden wir das Vergnügen haben?
Hr. Dr. Gräfe hat eine Broschüre herausgegeben: „Die Aufgabe der nächsten Kländeverlammlung ". Er hat darin nichts wesentlich Neues vorgebracht; auch seine Erklärung, was ja die Hauptsache war, daß er ohne sein Zuthun auf die Liste der Demokraten gekommen, war schon von ihm selbst bekannt gemacht worden. Wir wollen aus dem Schristchen nur eine grundfalsche Ansicht hervorheben :
„ daß die nächste Ständekammer eine Revision der Verfassung vor- „ nehmen müsse"
Die nächste, auf undemokratische Weise gewählte Ständeversammlunz hat nichts zu thun , als ein neues Wahlgesetz zu machen und den Slaats- hauèhalt vor einem Bankerot zu bewahren, und dann schleunigst einer nach demokratischen Grundsätzen gewählten Platz zu machen Dafür wird sich die Stimme des Landes laut genug erheben, wenn die preußische Armee uns bis dahin nicht zum Frühstück verzehrt hat.
Aus Dresden. Die Nachrichten bis den 7. Abends, die passier eingetroffen, lauteten noch immer dahin, daß der Kampf unentschieden geblieben. Eine telegraphische Depesche des Vormittags um 8 Uhr meldet, daß der Kampf beendet sei, ohne jedoch Genaueres anzugeben.
Aufruf an die Bürger Kassels.
Mitbürger!
DaS Volkskomitè hat demnächst seine Rechnungsablage zu bewirken.
Mag auch in der letzten Zeit durch die Gestaltung der politischen Verhältnisse überhaupt die Wirksamkeit des Volks- komites nur gering, daS Interesse an Volksversammlungen u. s. s. weniger allgemein gewesen sein, so hat doch die große Betheiligung bei der vom 22. biâ 24. Oktober v. I. stattgehabten Wahl des Volkskomitès (wobei sich 3821 Wähler betheiligt) in erfreulichster Weise dargethan, welch' lebhaftes Interesse alle Klassen der Bevölkerung, zumal auch der Militärstand, an dem wichtigen Institute der Volksversammlungen damals genommen haben.
DaS Volkskomitè hat die früher übliche monatliche Einsammlung freiwilliger Beiträge zur Deckung der entstandenen Kosten bisher unterlassen. Statt dessen wendet es sich jetzt an die Bürger Kassels mit der Bitte:
die ihm zugedachten freiwilligen Beiträge doch alsbald vor Ablauf dieses MonatS einzuzahlen.
Es ist zu diesem Zwecke die Einrichtung getroffen, daß eine Liste zur Einsammlung derselben in Umlauf gesetzt wird. Die Geber werden ersucht, den eingezahlten Betrag nebst Namen in die Liste einzutragen. Zugleich wird auch der Kassirer deö Volkskomitèâ, Hr. A. Raabë (Steinweg Nr. 190), wie auch sämmtliche Mitglieder deS VolkSkomitès eingehende Beiträge entgegennehmen.
DaS Volkskomitè darf wohl um so zuversichtlicher die alsbaldige Erfüllung dieser an die Einwohner Kassels gerichteten Bitte erwarten, da die Gläubiger des Volkökomitèâ hiesige Gewerbtreibende sind, welche demselben die von ihnen gelieferten Arbeiten stets bereitwillig kreditirt haben.
Kassel, im Mai 1849.
DaS Volkökomrte.
(Beilage.)