Dieser preußische Telegraph ist der Botschafter der Belagerungszustände und des politischen Meuchelmords. Eine Schmach für uns, daß wir früher diese Anstalt einer volksfeindlichen Krone auf unserem freien Boden duldeten, aber doppelte Schmach für uns, wenn wir setzt, wo der König von Preußen im offenen Aufruhr gegen daS Parlament Tod und Verwüstung über Deutschland schleudert, wenn wir setzt noch diesen Diener des FeindeS Deutschlands in unseren Gränzen verschonten, verschonten, um durch ihn mit den königlichpreußischen Henkergelüsten allergnädigst beglückt zu werden.
An unserer Regierung ist es, sofort den preußischen Beamten , als Beamten einer feindlichen Regierung, jede Funktion an diesem Telegraphen zu untersagen, ebenso wie der preußische Gesandte auf der Stelle das Gebiet KurheffenS zu verlassen hat.
Die Regierung wird und muß diese Schritte thun, wenn nicht durch die Thaten deS Volks der Zwiespalt im eignen Lager erweckt werden soll.
Fromme Wünsche.
O wär' ich doch Reichs -Windischgrätz
Und könnte bombardiren;
WaS sollte da mein Kaiserlein Fürtrefflich octroyiren!
Wenn irgendwo ein Wühler steckt', Den ließ ich ihm ausbalgen, Und wo setzt eine Presse steht, Erbaut' ich einen Galgen.
O wär' ich doch Herr Friedrich Wilm Und säß' auf meinem Throne;
Ich setzte zu der eig'nen noch Des deutschen Reiches Krone. So führt' ich zum glücksel'gen End' Den Zweck der Professoren;
In einer Kneipe kehrt' ich ein Und wär' der „Fürst von Thoren".
Und wenn ich gar — ihr Herrn verzeiht's! —
Der deutsche Michel wäre;
Die Freiheit würf' ich in den Dreck, Ich schwör's bei meiner Ehre. Mein Herrgott wäre Gagern dann Und ich sein dummer Bengel; Der Kaiser wär' ein braver Mann, Die Fürsten seine Engel.
Doch Alles, waS ich mir gewünscht, Ich glaub', es ist vergebens; So bleib' ich ein geschlagner Mann, Ein armer Narr zeitlebens Ich bin so voll von Ueberdruß An diesem Weltgewimmel Und wollt', ich schliefe endlich ein, Und träumte von dem Himmel.
A. Trabert.
Colorit, welches die gestrige Sitzung des „Congresses" erhielt, das verlieh ihr die Mittheilung von der siegreichen Erhebung SachsenS, welche durch den eben anlangenden Herrn Grün erfolgte. — Da jubelten — äußerlich wenigstens — auch diejenigen Herren des Central-Märzvereins mit, welche noch am Vormittage nicht genug schelten konnten über die „unbesonnenen Jungenstreiche", die in Sachsen geschehen, da man ja nicht auf den Märzverein gewartet, vielmehr noch vor Kurzem demselben einen derben Absagebrief gerade von Sachsen aus zugesandt hatte. — Gut, daß der Märzverein die Bewegung thatsächlich nicht in der Hand hat; es würde sonst nie zur thatsächlichen Bewegung kommen; so aber wird die Revolution gemacht — wie in Sachsen und der Pfalz — trotz des MärzvereinS und ohne ihn, während er pavierne Organisationen macht, auf „frühzeitige Thaten" schilt und ihnen hintennach zujauchzt.
Heute ist die Nationalversammlung, Angesichts der Vorgänge in der Pfalz und in Sachsen, abermals zur motivirten Tagesordnung übergegangen, und zwar über die Anträge auf Vereidigung des Militärs, auf Ernennung eines Generalbefehls- Habers aller deutschen Truppen, auf Entsendung von Cvmmis- sären an die einzelnen Truppenkörper, um sie zum Gehorsam gegen das Reich aufzufordern. Man wollte diese Maaßregeln nicht, damit nicht deutsche Truppen in die Lage kämen, gegen deutsche Truppen zu kämpfen; lieber läßt man daS Volk von den deutschen Truppen zusammenschießen. Doch die Soldaten werden hoffentlich mehr Begriffe haben von Vaterlandsliebe, als die edle Nationalversammlung.
Ueber die Verhältnisse in Sachsen wurden mehrere Anträge gestellt. Nach einer sehr heftigen Debatte, in welcher der Ministerpräsident auf die Auskunft vertröstete, welche sein Neichscomniissär geben werde, und welche bei der steigenden Erbitterung des Publikums über die gegen Sachsen beabsichtigte Infamie zu einer halbstündigen Aussetzung der Sitzung führte, beschloß man auf SoironS Antrag, die gestellten Anträge dem Reichöministerium zur Erwägung zu überweisen. DaS sind die letzten Tage der Paulskirche! Die Gallerien belohnten daS Verfahren und den Schluß der Sitzung mit einem vielhundertstimmigen Pfui!
Nach Homburg sind Erekutionstruppen zur Einstellung der Spielbank entsendet worden. (Welche Courage gegen eine Mücke!)
Das gestern von hier nach der Rheinpfalz gesendete Bataillon bayerischer Truppen, aus Rheinpfälzern bestehend, hatte sich nach den aus der Heimath erhaltenen Berichten nicht mehr halten lassen; man schickte es daher reichSwegen fort, damit sie nicht eigenmächtig ausbrächen; sie sind mit dem Heckerrufe fort. Ein kurhessisches Bataillon ist mit demselben Rufe hier eingezogen.
Schmerling ist in Hamburg aus der Börse mit dem Rufe „hinaus mit dem Spitzbuben!" unsanft entfernt worden.
Ein großer Theil der altbayerischen Abgeordneten, Las- saulr, Beisler und Consorten sind heute aus der Nationalversammlung ausgetreten.
Frankfurt a. M., am 7. Mai 1849. Die „Kongresses der Märzvereine" rinnt theils ,m Geleise leerer Förmlichkeiten, theils hat sie bis setzt cs nicht vermocht, einen Beschluß von irgend einer Erheblichkeit hervorzurufen — Man hat eine Proklamation an'S Volk und eine an die Soldaten erlassen; letztere ist recht kräftig une gut, die erstere reicht nicht bis in das Gebiet, auf welchem die deutsche Geschichte bereits angelangt ist, bis auf das Gebiet sofortiger revolutionärer That. — Das einzige
Nede des Generals yrittwi^ , als er sich endlich genöthigt sah, den vorgeschobenen Schleswig-Holsteinern mit einigen tausend Mann preußischer Truppen zu Hülfe zu ziehen:
„ Die Preußen ziehen in Jütland ein! Von Sr. Majestät dem „ König selbst ist Befehl dazu eingetroffen. Se. Majestät wollen, „daß die Schleswig-Holsteiner, die sich wie Männer geschlagen, „ möglichst geschont werden sollen : — sie sollen nicht aus ihrer „Stellung verdrängt werden, sofern sie dieselbe nicht ausguge- „ den wünschen (Verrath!), aber geschont sollen sie werden!"
(Von wem geschont? — Verrath!). /
So spricht ein deutscher Rcichsgeneral und ein konstitutioneller Staats-