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«Zweiter Jahrgang.

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M o r n i s s e.

,,Naum, 3hc Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

M- 56.

Saffet. Donnerstag, den 10. Mai.

1849.

Der Bürgerkrieg

Kein Land der Erde, kein Volk der alten und neuen Zeit erfüllt ein traurigeres Schicksal, wie das deutsche.

Nirgends in der Geschichte ist eine Nation auf solche schmähliche Weise Jahrhunderte lang von ihren Tyrannen zerrissen, verkauft und verrathen, wie die deutsche.

Und nirgends hat die Menge mit solcher Lammesgeduld, mit solch knechtischem Sklavensinn den gräßlichsten Verrath der Fürsten als ebensoviel göttliche Gnadengeschenke hingenommen. Sie küßten die blutbefleckte Ruthe der Despoten, sie lagen im Staube vor dem gestohlenen Glanze eines militärischen Hofgepränges.Es ist ein Volk von Bedienten", sprach Börne.

Und als sie sich endlich erhoben hatten, das unerträgliche Joch des hohen Adels abzuschütteln, der vom Blute, vom Raube der Nation jene kleinen Throne gegründet, die in Grausamkeit und in Schwelgerei mit ihrem erhabenen Pro­tektor, mit dem Herrscher über Millionen, dem Gewalthaber aller Reußen wetteiferten: als sich daS ergrimmte Volk erhoben, da wurde es von Neuem von dem alten Lakaiensinn seiner sogenannten Staatsmänner verrathen, da brach von Ne em der alte Fluch herein, der auf jedem der Blätter unseres Ge­schichtsbuchs mit blutigen Lettern verzeichnet steht.

Mit welchem Blick haben diese Sklavenseelen unsere Ge­schichte gelesen! Wo unsere unauslöschliche Schmach verzeichnet steht, da fanden diese dürren Lakaienherzen unseren Ruhm und unsere Ehre. Fordert nichts Andere- von diesen Hofdienern und Hofprofessoren, von diesen Geheimen Justiz- und Lega­tionsräthen, von diesen Rittern all' der 1000 Orden, mit denen alle Röcke in Deutschland zu Bedientenröcken verwan­delt sind. O die hündische Treue ist schön, selbst in ihrem Uebermaaße, sprach Friedrich Wilhelm I V. von Preußen, der-

^ann , dem sie nach langem Studium der deutschen Ge-

' > e die schmachbeladene deutsche Kaiserkrone anboten, da- ml Deutschlands Schmach durch dieses würdige Haupt, durch ie,englorreichen" vermorschten Fürstenstamm auf Enkel und ntL! ur.$ entsprechende Unthaten verewigt werde.

*e'e Krone wollten sie verkitten mit der deutschen ® ^eihei , mit dem Zugeständnisse, daß die Herren Pro- ès' Jeankfurt zu deutschen kaiserlichen Hofräthen und unterthamgsten Mitregenten ernannt würden. Sie waren das so gewohnt von Heidelberg, Göttinren und Berlin her.

einem lolchen Kitt jedoch konnte ein deutscher Fürst keine Ka.jerkrone brauchen: B lu t i st K i tt r a ll e Kro ° Cn n"" eignet sich das wahnsinnige Schauspiel, daß ganze Volksstamme für die preußische Kaiserkrone gegen die

preußische Königskrone kämpfen; der Bürgerkrieg in Deutsch­land ist entbrannt.

Und welch' ein Bürgerkrieg! Ohne Ziel, ohne Ende! Sie kämpfen unter dem Banner einer Reichsverfassung gegen die Söldlinge dessen, den diese Verfassung zu ihrem erblichen Oberhaupt machen wollte, und warum? weil er dieses Ober­haupt nicht sein will Sie kämpfen für ihren Feind, und jener streitet gegen sich selbst. Wer ist hier der Freund, wer ist der Feind? Unseliger Wirrwarr!

Solch' ein endloses Elend konnte nur über unser unglück­liches Vaterland Hereinbrechen! Solch' einen Wahnsinn ver­mochten nur deutsche Professoren, deutsche hündische Lakaien, deutsche Staats diener auS der Hölle selbst heraufzubeschwören. Unserem Henker drückten sie daS Schwert zum Morde in die Hand; und weil er lieber mit seinem alten Königsdegen mez- zeln will, sind sie auf ihn ungehalten. Aber wie allerunter- thänigst, wie allergehorsamst ungehalten! ES ist eine wahre Freude! Man muß ihn nicht noch mehr erbittern; es bleibe ihm der erbliche Kaiser, er wird sich später sicher bessern, er wird sich doch endlich einmal als gesättigt bekennen von Blut und Raub an den deutschen Landen und Stämmen.

Schleswig - Holstein wird systematisch verrathen. Thut nichts! Er soll Kaiser werden, wenn er sich bessert! DaS Bündniß mit den Dänen wird offenbar! Thut nichts! Eine augenblickliche Verirrung! Das Bündniß mit Rußland ist nicht mehr zu leugnen! Thut nichts! Es ist sein Schwager! Dresden liegt in Schutt undAsche! Thut nichts! Es kann wieder aufgebaut werden!

O ehrliches deutsches Herz! Begreifst du diese ungeheure Verblendung, diese grenzenlose feige Gemeinheit, diese boden­lose Unsittlichkeit?

Der Bürgerkrieg ist entbrannt, und diese hündischen Scla­venseelen ermannen sich noch nicht; sie wagen eS nicht, daS Wort eines Mannes :

Er sei abgesetzt von der Würde, die er verschmäht, er und sein Haus, in Ewigkeit;

die §§. der Verfassung, die die erbliche OberhauptS- würde enthalten, sind aufgehoben;

an die Stelle eines unverantwortlichen Oberhaupts tritt sofort ein verantwortliches aus der Mitte des Volkes.

Dann sähen wir einen leuchtenden Gedanken blitzen durch dieses jammervolle Chaos, durch diese wüste Nacht der Ziel- und Trostlosigkeit; dann wäre das Panier der Erhebung und der gewaltigen Revolution gegeben, dann wäre der Bürger­krieg auS einer planlosen Metzelei in seinen heiligen, unbe­siegbaren Freiheitsgang gedrängt. Dies Männerwort, diese