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Iw eiter Jahrgang.
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Die
o r n r j j e.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"
Ms 55.
Kassel, Dienstag, den 8. Mai.
1849.
Kassel, 6. Mai.
Wer hatte Recht?
„ Jetzt seh' ich noch die Reaktion?"
Eisenmann.
Wirklich? Endlich? Endlich gebt Ihr eS zu, daß man den Fürsten nicht trauen darf, daß man sich rüsten muß, um ihren bluträuberischen Gelüsten, um ihren gottverfluchten Schurkereien mit Gewalt entgegen zu treten? Ei, wie seid Ihr über Nacht so klug und weise geworden!
Wenn eS irgend Jemandem geziemte, zu triumphi- ren, daß er die Zukunft vorausgesagt, daß er den nothwendigen Gang der Dinge vor ihrem Eintreffen erschaut habe, so dürften wir es, wir, deren Worte Ihr damals verlacht und verachtet habt, und deren Voraussagungen sich so buchstäblich bereits erfüllen.
Wer hat vorauögesehn , daß dieser König von Preußen nun und nimmer die Souveränetät des deutschen Volkes anerkennen werde? daß Oesterreich, Rußland und Preußen durch das gemeinsame Interesse deS Absolutismus unauflöslich verbündet seien, so lange noch ein Sklave in ihren Diensten steht, die Freiheit der Nationen Europas zu vernichten und aller Selbstständigkeit der Völker ein blutiges Grab zu graben?
Wir begnügen uns damit, uns selbst daS Zeugniß zu geben, daß es uns leicht wurde, diesen nothwendigen Gang der Con- trerevolution zu erkennen. Man braucht sich nur der beiden berühmten Sprüche zweier Staatsmänner zu erinnern: „ Es ist erstaunlich, mit wie wenig Klugheit die Völker regiert werden!" und: „Wenn man voraus wissen will, was die Diplomaten ausklügeln, muß man stets auf das Dümmste schließen! " nur diese beiden Sprüche muß man sich einprägen, um ziemlich sicher vorher den Weg der Reaktion bestimmen zu
. ^er einmal jede Scheu vor der angeborenen Gottesgna- enwlrthschaft verloren hat, wer einmal allen und jeden guten , Aufrichtigkeit fürstlicher Worte, an die Hei-
9 ’ a "durchlauchtigster Versprechungen aufgegeben hat, der U\w /'”* theatralischen Verstellungen, durch keine heuch- rischen ,°en durch keine vorgeschützten Zwistigkeiten zwischen " ste ron in ^.ugenbrut sich in seinen Schlußfolgerungen beir- «n lassen, er wird durch keine falschen Krokodillsthränen eines ei elmann II., durch keine Rührungsscenen und durch keine
}? Treue, von Schmerz und Reue sich in dem kalten Schluß stören lassen:
„So lange ein Fürst eristirt, ist an kein wahres Volks- wohl, ist an keine sittliche Volkserhebung zu denken!"
er wird durch Nichts auf der Erde bewogen werden, Gnade für Recht ergehn zu lassen.
Wer diese rücksichtslose, entschiedene Stellung erworben, wie sie Jeder einnehmen muß, wenn nicht der Absolutismus auS dem furchtbar herannahenden Kampfe als Sieger hervorgehn soll, wer so mit uns denkt, der wird in den folgenden Ansichten unS sseistimmen müssen.
Sobald die Fürsten bemerken, daß die Partei der Halben, der Papierhelden größer ist, als die der entschiedenen Männer, welche zum Schwert greifen, ohne noch länger zu adres- siren und zu petitioniren, so werden auch die kleinen Raubritter noch nachträglich ihr Veto nicht blos gegen die Reichsverfassung, sondern gegen alle Volksfreiheiten einlegen, und preußische und baierische Truppen werden sie darin unterstützen. Sie werden erklären, daß man sie zur Annahme gezwungen, oder daß man sie gar nicht darum'befragt habe.
Und selbst wenn aus den unentschiedenen Memmen Löwen werden sollten und aus den Frankfurter Kaiserprofessoren Hyänen, so werden die preußisch-russischen Bajonette das auS- führen wollen, waS in der heiligen Dreikaiserallianz als Spruch deS Schicksals über Deutschland bestimmt ist.
ES wird kein Fürst mehr übrig bleiben, den man als den größten der Treugebliebenen mit der Reichsstatthalterschaft belohnen könnte, wie allenfalls der Landgraf von Hessen-Homburg, oder der Fürst von Lichtenstein.
Das soll es sein, das soll es sein,
Das ganze Homburg (Lichtenstein) soll es sein!
Ihr armen, armen Wort- und Adressenfabrikanten, glaubt nur nicht, daß der Kampf auf Leben und Tod zu vermeiden sei. Der Absolutismus vor euch, die Demokraten hinter euch, drängen euch zur Schlacht. Flüchtet bei Zeiten, wenn ihr nicht bis zum Sieg oder Tod das Schwert der Revolution tragen wollt. Seid ihr einmal im Kampf, so wird die Entscheidung über euch hinrollen, und der eherne Schritt des Schicksals wird euch unaufhaltsam fortschleudern.
Wer dann noch entweichen will, wird als Feiger, wird als Verräther, wird als Ehrloser ewigen Fluch und grausamen Tod sinken.
Deutsche Männer!
Die Gewaltherrschaft der Könige hat ihre Maske abgeworfen ! -
Sie hat es gewagt — Angesichts der Völker Europas — mit Vernichtung zu bedro hen Alles, was civilisirten Nationen hoch und heilig ist!