— 302 —
naler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.
Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwickelung des Proletariats zeichneten, verfolgten wir den mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft biS zu dem Punkt, wo er in eine offene Revolution auSbricht, und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie daö Proletariat seine Herrschaft begründet.
Alle bisherige Gesellschaft beruhte, wie wir gesehen haben, auf dem Gegensatz unterdrückender und unterdrückter Klaffen. Um aber eine Klasse unterdrücken zu können, müssen ihr Bedingungen gesichert werden, innerhalb derer sie wenigstens ihre knechtische Existenz fristen kann. Der Leibeigne hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet, wie der kleine Bürger zum Bourgeois unter dem Joch des feudalistischen Absolutismus. Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eignen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch rascher als Bevölkerung und Reichthum. Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klaffe der Gesellschaft zu bleiben, und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d. h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.
Die wesentlichste Bedingung für die Existenz und für die Herrschaft der Bourgeoisie ist die Anhäufung deö Reichthums in den Händen von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals.
Die Bedingung deS Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Jsolirung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die Association. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst weggezogen, worauf sie producirt und die Produkte sich aneignet. Sie producirt vor Allem ihre eigenen Todtengräber. Ihr Untergang und der Sieg deS Proletariats sind gleich unvermeidlich.
Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!
Auszug aus der Lorrefpon-cnz der äußersten Linken.
„ Der Centralauèschuß der demokratischen Vaterlandsvereine in Sachsen „ hat zwar dem Cenkral-Mürzverein einen determinirten Absagebrief geschickt, „ mag aber auch mit uns nichts zu thun haben. In Frankfurt sei alles „schlecht; da verwandle sich die heilsamste Arznei in Gift; Frankfurt ver- „ pfusche Alles, was es in die Hände nehme, und die demokratische Partei „ Deutschlands sei zu etwas Besserem da, als sich zum Spielwerk Frank- „ furtet Verfassungskünstler herzugeben. Die demokratischen Vaterlandèver- „ eine Sachsens mögen mit der deutschen Verfassung, in der der Erbkaiser „noch nicht das Schlechteste sei, nichts zu thun haben. Wir hätten uns „ gegen den ganzen Plunder erklären sollen und nicht für ein so erbärmliches „ Machwerk, nicht für den Erbkaiser, nicht für das Staatenhaus mit sei- „ nem absoluten Veto gegen das Volkshaus, nicht für den Belagerungszu- „ stand, sondern für die Demokratie Revolution machen."
„ Dieser Darstellung fügen wir folgende Bemerkungen bei:
„ Ueber unsere Ansichten in Betreff der Verfassungsfrage scheinen man- „ nichfache Irrthümer obzuwalten. Wir mögen und können für die Ver- „ wirklichung des Kaiserthums nicht einstehen, weil mit der Einsetzung eines „ Kaisers die Volkssouveränetät verloren gehen würde. Wir halten aus dem „ nämlichen Grunde die Nationalversammlung zur Schöpfung eines unver- „ anlwortlichcn Oberhaupts nicht berechtigt und deshalb dm Abschnitt der „Verfassung über das Ode rtcupt für von vornherein ungültig.
„ Wir sahen diesen Abschnitt aber auch für alle anderen Parteien durch „ die der Kaiserdeputation ertheilte Antwort als erledigt an. Hierin allent- „ halben stimmten wir mit der vereinigten Linken und m t dem Märzverein, „ mit dessen Wirksamkeit ein großer Theil von uns schon früher nicht ein- „ verstanden war, nicht überein, und dies bewog uns zum Austritte und „zum Versuche, einen neuen Centralpunkt für die rein-demokratische „ Partei gründen zu helfen. Wir erachten ein festes und abgeschlossenes „ Zusammenschaaren dieser Partei jetzt nöthiger als je, jetzt, wo die Tage „der entscheidenden That gekommen sind."
Die deutsche Kaiserfrage ist erledigt. Die Linke, der Märzverein werden eS einsehn, sie haben, sie müssen eö eingesehn haben. Ihre sogenannte politische Rücksicht, ihre neue Ventilation hat keinen Grund mehr. Ist diese Erkenntniß da, sind unzweifelhaft die nichtsnutzigen Bestimmungen der Reichsverfassung gefallen, dann, dann allerdings ist ein gemeinsames Handeln der Partei der äußersten Linken, der radikalen Demokraten mit der Linken, dem Märzverein gedenkbar, vielleicht nothwendig.
Das Feldgeschrei lautet dann: die Verfassung, die Verfassung, wie sie nun werden muß, nachdem die Fürsten ihr Erbtheil darin nicht «»getreten, sondern, Gott sei Dank! ausgcschlaqen haben.
Keine Verhandlung mit der erbkaiserlichen Partei, kein neues Zuwarten, ein offenes, entschiedenes Wort, eine zündende Parole, ein demokratisches Banner, eine demokratische Schlacht!!!
Der Kampf ist schwer, der Kampf ist heiß. Siegen die Ungarn nicht vollends, so ist der Sieg unserer Partei, — Dank den Ventilationen des Parlaments, Dank den Belagerungszuständen! — außer dem Bereich der Wahrscheinlichkeit, dann siegt nicht die konstitutionelle, nicht die erbkaiserliche Partei, dann siegt der Absolutismus, die Knute!
Die deutschen Söhne haben aber Muth! Ein kühnes Wort, und der Kampf wird gewagt.
Die Verfassung ohne das Erbtheil der Fürsten, die Verfassung, wie fie fid) ohne dieses Erbtheil nothwendig gestalten muß!
Die demokratische Verfassung!!!
H. Heise.
Bekanntmachung.
Die Zuschrift meiner alten Kriegskameraden, 162 Mann aus Schmalkalden, habe ich erhalten und werde ich Alles bestens besorgen und bald darauf antworten.
Meinen anderweitigen Freunden theile ich hierunter eine Stelle dieses Briefs mit, woraus sie sehen können, wie es dem Volke geht, während die, welche sein Geld in die Tasche gesteckt haben, sich's wohl sein lassen.
Kassel, 25. April 1849.
Luckhardt, Drechslermeister, ehemaliger Leibdragoner.
„Kchmalkaldcn, 12. April.
„ Auf Brüder! — wir wollen und verlangen, was unS „zwar lange Jahre unrechtmäßiger Weise vorenthalten wurde, „jedoch unS mit vollem Recht gehört, und daö Recht soll ja „bei unserer konstitutionellen Verfassung nie gebeugt, nie un- „ terdrückt werden (!!) Die Mehrzahl der ehemaligen Vater- „ landSvertheidiger von 1814 und 15 schmachten durch die „herabgesunkenen Preise aller Eisenwaaren, und wodurch der „ganze Kreis Schmalkalden an NahrungSlosigkeit leidet, jetzt „in Armuth und Dürftigkeit. In unseren vier ver- „schiedenen Nachbarstaaten haben wir solche große Klage „über den von Frankreich zwar ausgezahlten, unS aber vor- „ enthaltenen Sold, von denen, welche die Feldzüge ebenfalls „mitgemacht, nicht vernommen."
(Beilage.)